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CD-Besprechung

Poul Ruders: The Handmaid's Tale

dacapo 2 CD 8.224165-66

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.04.01

Klassik Heute
Empfehlung

dacapo 8.224165-66

2 CD • 2h 24min • 2000

Der international renommierte dänische Komponist Poul Ruders erweist sich in seiner ersten Oper auf Anhieb als eine genuine Theaterbegabung. Schon die Wahl des Sujets spricht dafür: Ein utopischer Roman der amerikanischen Autorin Margaret Atwood, der Anfang der 90er Jahre in seine Hände kam und dessen Opernfähigkeit wohl nicht jeder Musiker auf Anhieb erkannt hätte.

Die Handlung spielt im Jahre 2195 in der christlich-fundamentalistischen Diktatur Gilead. Frauen ist es hier untersagt, zu lesen und zu schreiben, auch das Recht auf Arbeit und Eigentum wird ihnen vorenthalten. Einige von ihnen, die in "wilder Ehe" leben oder zum zweiten Mal verheiratet sind, werden in Umerziehungskursen zwangsweise zu Mägden ausgebildet und haben sich in kinderlosen Haushalten vom Herrn des Hauses rituell begatten zu lassen. Eine von diesen, Offred (= Of Fred, Fred zugehörig), hat ihren Leidensweg aufgezeichnet.

Durch einen geschickten Kunstgriff hat Ruders' Librettist Paul Bentley die Rolle auf zwei Sängerinnen aufgeteilt, was ihm die Möglichkeit gibt, Gegenwart und Vergangenheit miteinander zu konfrontieren, die Handlung immer wieder durch Rückblenden aufzubrechen, wie überhaupt filmische Techniken die Anlage der Oper bestimmen.

In Ruders' Partitur verquicken sich Tradition und Avantgarde auf fruchtbare Weise. Das ganze spätromantische Orchester fährt auf, das durch zahlreiche moderne Ton- und Geräuscherzeuger noch ergänzt wird. Daß dies alles nicht zu einem ungenießbaren eklektischen Brei wird, verhindert jedoch Ruders' Formgefühl und seine kluge Ökonomie. Es gibt lyrisch-melodische Inseln innerhalb wüster Kakophonien, im zentralen Duett des zweiten Aktes etwa, wenn die beiden Stimmen der Protagonistin im unisono zu einer verschmelzen, aber auch in der einzigen Liebesszene mit dem Diener Nick.

In der vorliegenden Kopenhagener Uraufführungsproduktion reizt Michael Schønwandt die dramatischen Klangmöglichkeiten voll aus, behält das musikalische Geschehen aber ständig perfekt unter Kontrolle. Auch ohne die visuelle Komponente entwickelt die Aufführung eine beklemmende Dichte. Vor allem Marianne Rørholm (Offred) meißelt sich in einer abendfüllenden, hochexpressiven tour de force nachhaltig ins Gedächtnis des Hörers.

Doch auch die anderen Frauenrollen sind stark besetzt, voran Anne Fischer als ihr (weicher tönendes) alter ego aus der Zeit "davor", Anne Margrethe Dahl als fanatisch-sadistische "Tante" Lydia und Susanne Resmark als ihre kinderlose Herrin Serena Joy. Poul Elming hat in der Rolle des (früheren) Ehemannes Luke kaum Möglichkeiten, seinen Heldentenor zu entfalten, der - inzwischen verstorbene - Bassist Aage Haugland, stimmlich nur noch ein Schatten seiner selbst, gibt dem Kommandanten dennoch hinreichend Profil.

Ekkehard Pluta [01.04.2001]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Ruders The Handmaid's Tale

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Marianne Rørholm Mezzosopran
Hanne Fischer Mezzosopran
Anne Margrethe Dahl Sopran
Poul Elming Tenor
Age Haugland Baß
Royal Danish Opera Chorus Chor
Royal Danish Orchestra Orchester
Michael Schønwandt Dirigent
 
8.224165-66;0730099986526

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