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CD-Besprechung

J.S. Bach

Christmas Oratorio

J.S. Bach

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 01.12.00

hänssler CLASSIC 92.076

3 CD • 2h 24min • 1999/2000

Es darf natürlich nicht fehlen: Mit einer Neuaufnahme des Weihnachtsoratoriums legt Helmuth Rilling den Schlußstein der ambitionierten Edition Bachakademie bei Hänssler auf. Ähnlich wie auch bei der h-Moll-Messe ist auch hier die stilistische Entwicklung des Schwaben nach Jahrzehnten der Beschäftigung mit dem größten aller Thomaskantoren derart fortgeschritten, daß sich die Lücke nicht mit einer der bereits bei Sony und Hänssler vorliegenden Aufnahmen schließen läßt. Vor allem dies war bisher der Grund, weshalb die neueren Aufnahmen Rillings mit modernem Instrumentarium zu einer ernstzunehmenden Alternative zu den historistischen Deutungen wurden.

Doch die vorliegende, ex tempore entstandene Aufnahme (jede Kantate wurde 1999/2000 am Tag ihrer Bestimmung aufgeführt und live mitgeschnitten) stand unter keinem guten Stern, denn der Dirigent hatte mit den Tücken eines im Ensemble grassierenden Grippe-Virus zu kämpfen. Deshalb klingt der eigentlich nicht kleinere Chor gegenüber der neun Monate zuvor aufgenommen h-Moll-Messe plötzlich erstaunlich dünn und kraftlos (Sopran Nr. 7), deshalb wohl dirigiert Rilling bisweilen ungewohnte Sicherheits-Tempi, die der deutlich verbesserten instrumentalen Detailliertheit (vor allem die Trompeten sind in den Kantaten 1, 3 und 6 hörenswert) und auch der ausgefeilten Phrasierung in den Chorälen und Chören (beispielhaft in der Strukturierung von Choral Nr. 12) schadet. Dennoch: Was die Holzbläser des Bach-Collegium Stuttgart etwa im Eingangschor der fünften Kantate an Klangfülle bieten, braucht den Vergleich mit Referenzaufnahmen nicht zu scheuen.

Die Probleme dieser Aufnahme liegen im solistischen Bereich: Eine glatte Enttäuschung ist James Taylor als Evangelist. Der Texaner bemüht sich gar nicht erst um deklamatorischen Feinschliff, statt dessen wartet er mit längst vergessenem Vibrato und übermäßigem Legato auf. Die übrigen Solisten bieten bis auf den höhensicheren Marcus Ullmann (Arie Nr. 15) in dieser Einspielung selten mehr als Mittelmaß – was auch an der Tatsache liegt, daß Rilling bei den Solisten erstaunlich wenig auf Textverständlichkeit achtet. Nicht nur bei Hanno Müller-Brachmann schleichen sich da ein ums andere Mal Ungenauigkeiten ein.

Unter den unzähligen Weihnachtsoratorien, zwischen denen potentielle Käufer wählen können, hat diese Produktion trotz des beachtlichen Live-Klangbildes deshalb weniger Chancen. Wer's historisch liebt, greift weiter zu Jacobs (der bietet die authentischste Einspielung), auch an Ralf Ottos Experimentierfreudigkeit kommt Rilling nicht heran. Und Freunde des modernen Instrumentariums, die mit Rillings Neueinspielungen eigentlich immer gut bedient waren, finden in Karl-Friedrich Beringers 1991er Aufnahme mit den Windsbachern zweifellos mehr festliche Klangfülle.

Hagen Kunze [01.12.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Weihnachtsoratorium BWV 248

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sibylla Rubens Sopran
Ingeborg Danz Alt
James Taylor Tenor
Marcus Ullmann Tenor
Hanno Müller-Brachmann Bass
Gächinger Kantorei Chor
Bach-Collegium Stuttgart Orchester
Helmuth Rilling Dirigent
 
92.076;4010276015765

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