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Die hohe Kunst des Klavierduos

Duo Del Valle im Berliner Pianosalon Christophori

Aktuelle CD "Impulse" des Duo Del Valle

Aktuelle CD "Impulse" des Duo Del Valle
Foto: IBS Classical

Klavierspiel zu vier Händen steht immer noch im Verdacht etwas muffiger Hausmusik: die wichtigsten Stücke entstanden im Biedermeier und stellen nicht allzu große virtuose Anforderungen. Beim Klavierduo, so die gängige Meinung, ereignet sich die große Konzertmusik eher auf zwei Flügeln. Doch das Duo Del Valle überzeugte noch den letzten Skeptiker, dass beide Besetzungen große Kunst produzieren können.

Höhepunkt des Abends im Pianosalon Christophori ist die spontan ins ohnehin sehr reichhaltige Programm aufgenommene Fantasie f-Moll von Franz Schubert, die an existentieller Tiefe und Transzendenz ihresgleichen sucht. Das Werk ist äußerst beliebt; viele große Pianisten haben sich seiner angenommen, doch selten wurde es mit mehr Sensibilität dargeboten als von den Brüdern Victor und Luis del Valle. Das liegt nicht nur an der traumhaften Übereinstimmung zwischen den beiden Pianisten, die sich auch als technische Perfektion äußert. Das Ebenmaß der Phrasen, die rhythmische Präsenz, die Einheit der Klangfarben – das alles erzeugt den Eindruck, als werde von einer Person musiziert. Die übliche Teilung in einen dominanten Diskant und einen „begleitenden“ Bass ist endlich einmal aufgehoben, so dass die Musik als transparentes Gewebe voller durchgehender Stimmenverläufe erklingt. Nie gehörte Melodien sind da zu entdecken, flehende, flüsternde, tröstende, drohende Dialoge zwischen den Partnern, die die Bedeutung des Werkes neu enthüllen. Tief bewegt applaudiert das Publikum.

Die beiden Spanier musizieren ungewöhnlich individuell, einfallsreich, spontan – und liegen doch stilistisch immer richtig. Voller Koketterie Mozarts C-Dur-Sonate KV 521, in der die Brüder sich die Bälle zuwerfen, durch Temposchwankungen gegenseitig ausbremsen, Streiche spielen; auch ihr intensiver, oft lächelnder Augenkontakt verdeutlicht, welchen Schabernack der Komponist hier treibt. Flexible Tempogestaltung lässt auch die einzelnen Episoden von Ravels La Valse plastisch erstehen: die brodelnden Schatten, aus denen sich die erste Walzermelodie herausschält, ihre Steigerung zum grellen Tanz auf dem Vulkan, bis zum Zusammenbruch. Durch rhythmischen Biss und dissonanten Witz glänzen Witold Lutoslawskis Paganini-Variationen; lakonische Intelligenz würzt Ligetis Five Pieces manchmal fast ein wenig boshaft, während sich in Percy Graingers Klavierarrangement von Gershwins Porgy and Bess das ganze Panorama dieser Oper entfaltet: bunt, dramatisch, herzbewegend.

Isabel Herzfeld [2.11.2016]

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