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CD-Besprechung

Ruggero Leoncavallo: La Bohème

Nuova Era 2 CD NE 7300/01

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 4

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 01.10.00

Nuova Era NE 7300/01

2 CD • 2h 13min • 1990

Die wohlbekannte Handlung nach Henry Murgers Novelle läßt sich in Leoncavallos Version von La Bohème anschaulicher verfolgen, weil ihre Entwicklung erlebbar vorgeführt wird, ohne jene Sprünge, zu denen Puccini und seine Librettisten sich entschlossen hatten. Leoncavallo hat den Stoff anders aufbereitet: Er nimmt sich zwei Akte lang Zeit, das Leben der Bohèmiens durch kleine, heitere Episoden zu veranschaulichen, adäquate Stimmung zu erzeugen und gleichzeitig die Charaktere der Figuren darzustellen. Erst mit dem dritten Akt hebt die Tragödie an, die – wie beim erfolgreicheren Konkurrenten – mit Mimis Tod endet. Deren Rodolfo wurde durch Leoncavallo zum Bariton, für tenorale Höhenflüge ist nun Marcello zuständig.

Der Schöpfer des Bajazzo legitimiert sich erst in der dramatischen Sphäre durch glutvolle Melodik in den Singstimmen und starke Akzente im Orchester. Zuvor, in den "Schmunzelakten", überrascht er durch Witz und intellektuelle Späße, Tändelei und lockeres Parlando, weist kunstvolle Instrumentierung und aparte Vokalpassagen vor. Trotz dieser Vorzüge denkt man bei bekannten Situationen unwillkürlich an Puccini, der uns gewiß die bessere, die bezauberndere La Bohème geschenkt, aber seinen Konkurrenten – ebenso gewiß – bei weitem nicht so haushoch deklassiert hat, wie es Spielpläne glauben machen könnten. Schon deshalb sei der Live-Mitschnitt aus Venedigs Teatro La Fenice willkommen. Er hält eine sehr lebendige, stimmungsvolle Aufführung fest und liefert damit einen weiteren Beweis für die Bühnentauglichkeit des auch durch seinen dramaturgischen Aufbau interessanten Werkes.

Wie aussagekräftig ein Vergleich mit der Einspielung von 1981 sein kann, bleibe dahingestellt, denn selbstverständlich singen Stars wie Lucia Popp, Alexandrina Miltcheva, Franco Bonisolli und Bernd Weikl im Studio ausgefeilter und pompöser als das von der Live-Atmosphäre merklich beflügelte Team im Fenice. Dort zog der mit markantem Bariton ausgestattete Bruno Praticó in der (großen!) Partie des Schaunard launig die Fäden des Spiels. Mario Malagnini erwies sich mit beweglichem, warm timbriertem Tenor und guter Höhe als ein problemlos über den lyrischen Bereich hinausgehender Marcello, seine Musette gab mit wandelbarem Mezzo Martha Senn. Jonathan Summers agierte als Rodolfo mit beträchtlichem Stimmgewicht, Lucia Mazzaria durfte man eine ideale Mimi nennen: locker und ausgeglichen die Stimmführung, leuchtend die sichere Höhe, fähig zu beseelten piani und all dies im Dienste einer passionierten Rollengestaltung. Nur italienische Textbeilage ohne Markierung der Tracks.

Hermann Schönegger [01.10.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Leoncavallo La Bohème
 
NE 7300/01;8010984173005

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