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CD-Besprechung

Hyperion CDA67143

1 CD • 74min • 1999

01.04.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

In den letzten Jahren gab es im Konzertsaal und daheim an den Lautsprechern reichlich Grund, den kanadischen Pianisten Marc-André Hamelin zu rühmen. Er ist vom immensen, atemberaubenden klavieristischen Können her, von seinen literarischen Expeditionswagnissen, ja von seiner gesamten künstlerischen Konstitution her eine absolute Ausnahmeerscheinung.

Möchte man ihm seine Befähigung für das klassische Fach vielleicht noch nicht einmütig bestätigen, so ist er doch eine der ersten musikalischen Adressen für alles Gewaltige und Grenzwertige. Hamelin, so könnte man in die Sprache bildgierigen Journalismus' verfallen, ist der Reinhold Messner des Klaviers - ein Mann, der Nancarrows mechanistische Klavierfantastereien "der tausend Finger" in kontrollierter Orgie fast schon live in Szene zu setzen vermag. Schon lange hatte ich mir gewünscht, Hamelin in der wegweisenden Hyperion-Reihe "The Romantic Piano Concerto" als Helden des Reger-Konzerts in f-Moll, vor allem aber als mächtigen, geistvollen Gestalter des Busoni-Wunderwerks op. 39 zu erleben - ein riesenhaftes Kapitel chor-konzertanter Musikgeschichte, für dessen Verständnis uns Klavierversessene wohl zuerst John Ogdon mit seiner EMI-Einspielung unter Revenaugh die Ohren geöffnet hat.

Marc-André Hamelin und Mark Elder - ein Dirigent, der schon mit Peter Donohoe bemerkenswert für diese Partitur gestritten hat! - bieten hier in jeder Hinsicht das Maximum an Energie, Umsicht und musikalischer Reinigungs- und Durchlüftungskraft, wodurch die an sich ja so kunterbunt gestaffelten Sätze nicht nur im einzelnen Gesicht und Logik zeigen, sondern tatsächlich ein Konzert ergeben. Ein Konzert von ungeheuerlicher Dramaturgie auf der Basis eines Traditionsbewußtseins, das mit Haut und Haaren im ästhetisch Zukünftigen logierte. Ogdon in Ehren! Auch alle Busoni-Mitstreiter wie David Lively, Boris Bloch, Volker Banfield und Garrick Ohlsson sollen hier mit ihren orchestralen Uneigenützern gelobt sein. Und selbst eine so potente, kampfeswillige Virtuosin wie Viktoria Postnikova - meines Wissens die einzige Dame in diesem speziellen Busoni-Wettbewerb - bleibt in ihrem Willen und Verfügen verhältnismäßig blaß, wenn man sich unter Hamelins gelöst zwingender Führung in die Schluchten und Untiefen, auf alle Höhen und Gipfel dieses schillernden Werkes begibt. Mark Elder ist mehr als nur die Organisation des Unvermeidlichen zu danken, denn selbst die so heiklen, manche Region des Kitschigen streifenden Chorpassagen am Cantico-Ende wirken in dieser Version wie von ehrlich-unschuldiger Kunstgesinnung bestimmt. Selten wohl haben es Interpreten geschafft, einen viel und kontrovers diskutierten Komponisten mit einer Schallplattenaufnahme so nahe zu bringen, so verständlich zu gestalten!

Peter Cossé † [01.04.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ferruccio Busoni
1Konzert C-Dur op. 39 für Klavier, Männerchor und Orchester

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