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CD-Besprechung

BIS BIS-CD-933

1 CD • 67min • 1998

01.03.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Es ist nicht übertrieben, wenn man in John Foulds (1880-1939) nicht nur einen der originellsten und bedeutendsten Tonschöpfer Englands in der ersten Jahrhunderthälfte sieht, sondern den vielleicht inspiriertesten englischen Klavierkomponisten seiner Zeit. Foulds war in zweiter Ehe mit Maud McCarthy verheiratet, die ihm die Welt der indischen Musik und Kultur nahebrachte. So war er in den zwanziger Jahren der erste Komponist überhaupt, der auf einer soliden praktischen Grundlage "West meets East" praktizierte. Gegen Ende seines Lebens übersiedelte er tatsächlich nach Indien, wurde Musikdirektor bei All India Radio, gründete das Indo-European Orchestra und starb in Kalkutta an der Cholera. In den Essays in the Modes, zu welchen auch das nicht im Druck erschienene Egoistic zählt, hält er sich jeweils ohne Modulation an den einmal vorgegebenen Modus. Damit ist er (neben Tournemires religiösen Konzeptionen) der wichtigste Vorläufer Messiaens. Foulds hielt jedoch grundsätzlich an der reinen Oberquinte des Grundtons fest, mied so die Abstraktionen der Atonalität und war kein Vorbote des Serialismus.

Warum hat eigentlich die Plattenfirma statt des unbekannten Komponisten, von dem zahlreiche gute Fotos existieren, die wohlbekannte Pianistin auf dem Cover abgebildet? Auch im Booklet, dessen ausgezeichnete Einführung von Foulds' Biograph Malcolm MacDonald stammt, sucht man vergebens eine Abbildung. Kathryn Stotts Darbietungen sind verläßlich und solide. Der Tatsache, daß Foulds' Musik stets leicht und luzide, aber nie oberflächlich ist, trägt sie allerdings nicht genügend Rechnung. Ihr forte ist meist klar, doch arm an Farben und oft hart und trocken. Vor allem fehlt es bei Kathryn Stott an piano-Kultur. Andererseits kostet sie auch das Überbordende und Grandiose nicht aus, wo es erforderlich wäre. Pianistisch ist Stott eindeutig souveräner als einst Peter Jacob, was nicht heißt, daß sie auch in der musikalischen Charakterisierung treffsicherer wäre. Die Elgar-nahen, frühen Variationen und Improvisationen über ein eigenes Thema (1900) geraten ziemlich pauschal, die stimmungsvollen fünf Music-Pictures und vor allem das geradezu schubertische English Tune with Burden werden mangels sinnfälliger Differenzierung zu etwas belangloser "light music" abgeschwächt. Bleibt die ebenso kleine wie visionäre Tondichtung April-England. Das ist großartige Musik, die jedem aufgeschlossenen Klavierfreund ans Herz zu legen ist, auch wenn hier von einer gerundeten Darbietung keine Rede sein kann. Aber im Moment ist diese durchaus solide Aufnahme einer interessanten Auswahl aus John Folds' berückendem Klavier-Œuvre erste Wahl.

Christoph Schlüren [01.03.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
John Foulds
1Essays in the Modes op. 78
2Music-Pictures Group VI op. 81
3Variazioni ed Improvvisati su un Tema Originale op. 4
4Music-Pictures Group VII op. 13
5English Tune with Burden op. 89
6Egoistic
7April - England op. 48 Nr. 1 (Impressions of Time and Place No. 1, 1926/1932)

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