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CD-Besprechung

Hugo Wolf
Lieder nach Gedichten von Eduard Mörike

Hugo Wolf<br />Lieder nach Gedichten von Eduard Mörike

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.01.99

Orfeo C 142 981 A

1 CD • 60min • 1996

Der Liederkomponist Hugo Wolf hat in Peter Schreiers Konzert- und Plattenprogrammen bisher keine allzu große Rolle gespielt. Mit dem Italienischen Liederbuch konnte man den Sänger zwar immer wieder erleben, doch vom übrigen, umfangreichen Opus scheint er sich stets ein wenig ferngehalten zu haben. Vielleicht ist es dem Künstler nun so ergangen, wie dies auch viele Musikfreunde an sich erfahren konnten: Hugo Wolf als die große Entdeckung der reifen, der späten Jahre.

Peter Schreier beschert uns eine Auswahl aus Wolfs Mörike-Vertonungen, die mit Recht zu den bedeutendsten und tiefsinnigsten Schöpfungen des Komponisten gezählt werden. Nimmersatte Liebe, Fußreise, Der Gärtner, Storchenbotschaft und viele andere Kostbarkeiten sind in diesem Programm (insgesamt 22 Titel) enthalten.

Bei Hugo Wolf besitzt die Tenorstimme eine Vorzugsstelle, was sich davon herleitet, daß ein berühmter Wagnertenor, nämlich Ferdinand Jäger, der erste prominente und vom Komponisten selbst hochgeschätzte Interpret seiner Lieder war. Viele Liedschöpfungen Wolfs waren diesem eminenten Künstler zugedacht. Daß Schreier keine „heldisch“ glänzende Tenorstimme besitzt und auch nie besessen hat, daß sein Organ nach so vielen tapferen Sängerjahren nicht mehr so richtig blüht und grünt, braucht wohl nicht näher betont zu werden. Doch die Klarheit, die Redlich- und Reinlichkeit seines Singens und Sprechens, der Gefühlsreichtum, der trotz aller Verhaltenheit zum Vorschein gelangt, das alles bleibt nach wie vor von berührender Wirkung. Kenner der Mörike-Lieder werden vielleicht etwas überrascht sein vom betont nüchternen Vortrag der Verborgenheit, eines jener Wolf-Lieder, die bei manchen Sängern der Vergangenheit zuweilen einen leicht „triefenden“ Beiklang erhielten. Aber gerade diese – nur scheinbar kühle – Darstellung kann in ihrer ernsten Eigenständigkeit eindrucksvoll bestehen. Schreier hängt sich nicht an „geheiligte“ Vorbilder an, sondern sucht sich frei und unbelastet seinen Weg. Dasselbe gilt für Karl Engel, dessen Klavierbegleitung starke Bestimmtheit ausdrückt und trotz aller Prägnanz niemals kalt und abweisend wirkt. Jedenfalls eine härtere, auch sprödere Wolf-Interpretation als man dies bisher gewohnt war.

Wenn Gottfried Kraus im Begleittext meint, daß bei diesem Zusammenwirken zweier reifer Persönlichkeiten „ein spontanes Kunsterlebnis entstand, wie es die Arbeit im Studio nur selten zuläßt“, dann ist das Wahre und Zutreffende über die Aufnahme gesagt.

Clemens Höslinger [01.01.1999]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Wolf Im Frühling (1888)
2 In der Frühe (1888)
3 Frage und Antwort (1888)
4 Ein Stündlein wohl vor Tag (1888)
5 Lebewohl (1888)
6 Nimmersatte Liebe
7 Fußreise (1888)
8 Heimweh (1888)
9 Der Gärtner (1888)
10 Auf einer Wanderung (1888)
11 Der Jäger (1888)
12 Der Genesende an die Hoffnung (1888)
13 Verborgenheit (1888)
14 Wo find' ich Trost (1888)
15 Gebet (1888)
16 Neue Liebe (1888)
17 Denk es, o Seele (1888)
18 Der Tambour (1888)
19 Storchenbotschaft (1888)
20 Selbstgeständnis (1888)
21 Bei einer Trauung (1888)
22 Abschied (1888)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Peter Schreier Tenor
Karl Engel Klavier
 
C 142 981 A;4011790142128

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