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Besprechung CD

Martin • Ullmann • Fauré

Schumann Quartett & Hinrich Alpers

Berlin Classics 0303971BC

1 CD • 70min • 2024

31.08.2025

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das 2007 in Köln gegründete Schumann Quartett mit den Brüdern Erik, Ken (Violine I/II) und Mark Schumann (Cello) sowie Veit Hartenstein (Viola) hat bei Berlin Classics seine nunmehr achte CD herausgebracht, zusammen mit dem derzeit in Dresden lehrenden Pianisten Hinrich Alpers. Man erführe gern mehr zu der etwas eigenwilligen Kopplung zweier Klavierquintette von Gabriel Fauré und Frank Martin mit dem im Lager Theresienstadt entstandenen 3. Streichquartett des später in Auschwitz ermordeten Viktor Ullmann. Leider gibt das Booklet durchaus brauchbare Informationen zum eingespielten Repertoire, biographisch wie analytisch, erwähnt dafür die Künstler und deren Motivation mit keinem Wort.

Frank Martins ansprechendes Frühwerk

Das 1919 seiner Frau gewidmete Klavierquintett des Schweizers Frank Martin (1890–1974) ist noch ein Frühwerk: in der Haupttonart d-Moll, mit relativ leichtem, dabei effektiven Klaviersatz und gut durchhörbarer kontrapunktischer Arbeit – nicht nur im fugierten Finalsatz. Schon im etwas schwerblütigen Andante con moto, wo das melodische Material gerecht unter den Streichern aufgeteilt erscheint, beeindrucken die fünf Musiker durch perfekte Agogik, minutiös bis zu den kleinsten notierten Details umgesetzter und verstandener Dynamik und einem fein ausbalancierten Klang. Vor allem halten sie trotz recht langsamen Tempos die Spannung aufrecht. Das Menuett und das folgende Adagio ma non troppo – mit einer unterschwellig mitlaufenden Reminiszenz an „Ach Golgatha“ aus Bachs Matthäuspassion – sind ebenso von Ernst bestimmt, so dass die im Finale später hinzutretende Mélodie populaire de la Savoie wirklich unerwartet erfrischend wirkt. Hier darf dann endlich der Pianist einmal richtig glänzen, wenn auch nur begleitend: eine insgesamt ungemein ansprechende Darbietung.

Ullmanns bekenntnishaftes Streichquartett Nr. 3

Viktor Ullmanns 3. Streichquartett entstand Anfang 1943 und erinnert in seiner expressiven, aber nicht expressionistischen Sprache stark an die beiden umfangreichen, noch tonalen Quartette Schönbergs (Nr. 1) bzw. Zemlinskys (Nr. 2), jedoch komprimiert ähnlich dichte Emotionalität auf unter 15 Minuten. Das Schumann Quartett spielt höchst eindringlich, ohne irgendein Element von Modernität bewusst hervorzuheben. Damit ging Ullmann in seinen letzten Klaviersonaten oder einigen Liedern weiter als in diesem Stück, das letztlich maßvoll bleibt. Mit der gelobten Aufnahme durch das casalQuartett kann die Neueinspielung locker mithalten. Das gesamte Album ist zudem aufnahmetechnisch sogar deutlich durchsichtiger und dynamischer.

Später Fauré verblasst in vornehmer Zurückhaltung

Der Rezensent mag über die Jahre ein gewisses Misstrauen gegenüber Gabriel Faurés Spätwerk entwickelt haben. Im Gegensatz zur Durchschlagskraft früherer Kammermusikwerke, namentlich der 1. Violinsonate op. 13 von 1875, wirkt vieles, was der französische Meister nach 1890 komponierte, emotional doch ziemlich blass. Dazu zählt bereits das 1. Klavierquintett d-Moll, an dem Fauré fast 15 Jahre lang herumbastelte: So wurde aus einem angedachten Opus 60 schließlich 1905 sein op. 89. Besonders Hinrich Alpers ist zu verdanken, dass der erneut großartig durchdachte Klang der Streicher zu keinem Moment in spätromantischer Soße ertränkt wird. Auch hier werden alle kompositorischen Feinheiten hörbar. Aber alle noch so interessanten formalen Klimmzüge Faurés können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das fast halbstündige Klavierquintett blutleer wirkt und spannungsmäßig oft auf der Stelle zu treten scheint. Gegen die aufkommende Langeweile erfolgreich anzukämpfen, schaffen hier selbst sorgfältig vorbereitete Interpreten nicht.

Vergleichsaufnahme (Ullmann): casalQUARTETT (Telos TLS 111, 2000)

Martin Blaumeiser [31.08.2025]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frank Martin
1Quintett d-Moll op. 4 für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Klavier (À ma femme) 00:26:35
Viktor Ullmann
5Streichquartett Nr. 3 op. 46 00:14:17
Gabriel Fauré
9Klavierquintett Nr. 1 d-Moll op. 89 00:28:53

Interpreten der Einspielung

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