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Besprechung CD

Haydn

Symphonies Vol. 28-31
Heidelberger Sinfoniker, Johannes Klumpp

hänssler CLASSIC HC23081

4 CD • 5h 00min • 2021, 2022

28.01.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Vierzehn Jahre hat Adam Fischer ab 1987 mit dem Austro-Hungarian Haydn Orchestra gebraucht, um alle Symphonien von Joseph Haydn aufzunehmen. Die Heidelberger Sinfoniker könnten es mit ihrer geplanten Gesamtaufnahme schneller schaffen. Bei Volume 31sind sie mit dieser 4-CD-Box schon angelangt. Angefangen haben sie mit Thomas Fey als Dirigenten, weitergemacht haben sie mit Johannes Klumpp. Der erfreut schon vor dem Hören durch das Lesen – und ich darf mich hier wiederholen: So herzerfrischend sympathisch, so wortgewandt und wortverliebt, so treffgenau in Beschreibung und Vergleich stellt er die Symphonien vor, dass man sofort nachhören will, ob das alles so zutrifft – oder dass man schon die Beschreibung fürs Hören nimmt. „Schwungvolle Larmoyanz“ entdeckt er da (welch glückliche, fast an Thomas Mann gemahnende, Contradictio in adjecto!) und dann einen „Hauruck-Haudrauf-Satz“ sowie „etwas ‚Psycho‘, lange vor Hitchcock“, ein Menuett streckt da rhetorisch „die Faust zum Himmel“, „delirisch geht’s im Nebenzimmer zu“ oder „es schweben Feen“ oder lapidar: „Ein Satz, der knallt.“ Unerschöpflich wie Haydns Symphonie-Kreativität ist Klumpps Beschreibungs-Virtuosität.

Überraschend und vital

Und so schwebt und knallt es allenthalben in diesen 15 Symphonien, die alle in den Jahren 1763 -1774 entstanden sind. Nimmt man die erwähnte Adam-Fischer-Gesamtaufnahme zum Vergleich, stellt man erstaunliche Unterschiede fest: Schon die Tempi sind bei Klumpp fast grundsätzlich anders, immer entweder viel rascher oder viel langsamer: Klumpp spreizt die Agogik-Möglichkeiten. Klumpp und die Heidelberger Sinfoniker scheinen alles nochmal eine Spur deutlicher, rhetorisch nachdrücklicher zu gestalten, als wollten sie die Überraschungen, Überspitzungen, Verblüffungen und Erheiterungen, die Haydn für seinen Fürsten Esterházy dauernd neu produzieren musste, für unsere Zeit übersetzen, die ja Knalliges, Fetziges, Überwältigendes im Übermaß zur Verfügung hat.

Ein Beispiel nur: Für den Finalsatz der Symphonie Nr. 72 braucht Adam Fischer 7’25, das klingt hübsch heiter und verspielt. Klumpp braucht dafür 9’06, weil er die Variationen des eigentlich tumben Themas mit ernsthaftem Witz, Grazie und doch auch augenzwinkernder Gravität (so etwa beim „tapsigen Kontrabass“) präsentieren will. Dafür ist er mit dem „Hauruck-Haudrauf-Satz“ (Finalsatz der Symphonie Nr.12) in 3’14 fertig, wo Fischer 4’03 braucht. Den Kopfsatz der Symphonie Nr. 22 mit dem – natürlich nicht von Haydn stammenden – Beinamen „Der Philosoph“ nimmt Klumpp ganz philosophisch bedächtig, als ob er uns etwas Bedeutsames erklären möchte.

Springteufelige Agilität

Die Heidelberger Sinfoniker spielen mit einer fabelhaften Kompaktheit und plastischen Direktheit: Man hört immer nur eine Geige spielen statt deren vier. Voll anspringendem Temperament, freudiger Lust am Presto, springteufeliger Agilität oder vergnügt-ruppigem Zugriff rasen sie durch die schnellen Sätze, in den langsameren entfalten sie farbenreichen Klangzauber. Schier unendlich groß ist ihr Überredungs- und Begeisterungswille. Vor allem die Variationssätze scheinen es ihnen angetan zu haben, da servieren sie geradezu liebevoll-zärtlich die zahlreichen Schönheiten wie zum Bespiel im Adagio der Symphonie Nr. 55, in der wahrlich „die Feen schweben“. Und sie haben hervorragende Solisten: Hörner mit virtuoser „Lippengymnastik“ (so scherzt Klumpp im Booklet) in der Symphonie Nr. 72, ein Cello mit samtener Sanglichkeit in der Symphonie Nr. 13 und eine seelenvolle Flöte im Adagio der Sinfonie Nr. 24, das geradezu ein Mini-Flötenkonzert ist, und dann wiederum brummig lächelnde Fagotte im Finalsatz der Sinfonie Nr. 68.

Auch klanglich überzeugend

Die Symphonien sind an drei verschiedenen Orten aufgenommen, doch die Tontechnik schafft es immer, die überaus zahlreichen schönen Einzelheiten plastisch darzustellen. Man scheint in der ersten Reihe zu sitzen und die Ohren in alle Richtungen zu drehen: Es ist einfach ein Haydn-Spaß!

Rainer W. Janka [28.01.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Sinfonie Nr. 16 B-Dur Hob. I:16 00:13:26
4Sinfonie Nr. 72 D-Dur Hob. I:72 00:24:50
8Sinfonie Nr. 12 E-Dur Hob. I:12 00:16:26
11Sinfonie Nr. 13 D-Dur Hob. I:13 00:22:41
CD/SACD 2
1Sinfonie Nr. 21 A-Dur Hob. I:21 00:15:24
5Sinfonie Nr. 22 Es-Dur Hob. I:22 (Der Philosoph) 00:19:06
9Sinfonie Nr. 23 G-Dur Hob. I:23 00:18:22
13Sinfonie Nr. 24 D-Dur Hob. I:24 00:17:35
CD/SACD 3
1Sinfonie Nr. 28 A-Dur Hob. I:28 00:20:13
5Sinfonie Nr. 29 E-Dur Hob. I:29 00:19:48
9Sinfonie Nr. 30 C-Dur Hob. I:30 00:14:02
12Sinfonie D-Dur Hob. deest 00:18:30
CD/SACD 4
1Sinfonie Nr. 55 Hob. I:55 (Der Schulmeister) 00:23:51
5Sinfonie Nr. 68 B-Dur Hob. I:68 00:28:08
9Sinfonie Nr. 67 F-Dur Hob. I:67 00:25:39

Interpreten der Einspielung

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