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Besprechung CD

Johann Stamitz

Violin Concertos

cpo 555 479-2

1 CD • 58min • 2021

24.04.2023

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Johann Stamitz (1717-1757) gilt als einer der Väter der Mannheimer Schule. Wurden bis dato nur seine Orchestersinfonien als Meilensteine am Weg zur klassischen Sinfonie gewürdigt, nehmen sich jetzt David Castro-Balbi und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter Howard Griffith dreier seiner hochvirtuosen Violinkonzerte an und ergänzen sie um eine seiner Sinfonien. Die Konzerte lassen in ihrer Ritornellform zwar noch den italienischen Typus erahnen, verwenden innerhalb der Ritornelle jedoch den Affekt wechselnde Kontraste. Spannend!

Ein Böhme in Kurpfalz

Johann Wenzel Stamitz entstammte einer musikalisch engagierten Familie aus Deutsch Brod in Ost-Böhmen. Sein Vater war Organist und Ratsherr, sodass er schon früh eine musikalische Bildung genoß. Diese konnte er auf dem Jesuitengymnasium von Iglau von 1728-34 erweitern, sodass er später sämtliche Streichinstrumente von Violine bis Kontrabass virtuos beherrschte. 1735 studierte er Philosophie in Prag, wo er die Gelegenheit hatte, das Spiel der durchreisenden italienischen Violin-Virtuosen zu studieren. Es wird gemutmaßt, dass er sein Spiel unter der Anleitung von Antonio Vivaldis Schüler Carlo Tessarini (1690-1756) vervollkommnete, der damals Hofkapellmeister in Brünn war. Hierfür wird aber nur die räumliche Nähe als Argument angegeben. Somit könnte es genauso gut möglich sein, dass er sich die damals als führend erachtete Dresdner Hofkapelle näher angeschaut hat und womöglich von Johann Georg Pisendel unterwiesen wurde. Nachdem ich neulich dessen Konzerte besprach, erscheint dies mir aus stilistischen Gründen zumindest als möglich. Ab 1741 finden wir ihn als Konzertmeister der Mannheimer Hofkapelle, wo er einen Stil des Streicherspiels etablierte, der von den Zeitgenossen – darunter Leopold Mozart – in den höchsten Tönen gepriesen wurde. Sein Sohn Anton wurde später der Lehrer von Rodolphe Kreutzer, der die französische Violinschule des 19. Jahrhunderts prägte.

Anspruchsvolle Werke

Stamitz nutzt in seinen Konzerten die von Antonio Vivaldi geprägte barocke Konzertsatz-Form, bei der Orchesterritornelle die Soloabschnitte vorbereiten, trennen und abschließen. Allerdings sind seine Ritornelle wesentlich abwechslungsreicher, da sie den Affekt nicht durchgehend beibehalten, sondern mit kontrastierenden Einschüben arbeiten. Ferner ist bemerkenswert, dass Stamitz die Artikulation extrem genau vorschreibt und geigentechnisch die Beherrschung bis zum c4, angesprungene Doppelgriffe sowie Passagen in Sexten fordert. Deshalb galten sie auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch als das „nec plus ultra der Schwierigkeit“ (Joh. Adam Hiller, 1768). Wer mehr über diese extrem unterhaltsamen Werke erfahren möchte, besorge sich die im Internet frei verfügbare Heidelberger Dissertation „Johann Stamitz' Violinkonzerte“ von Kuo-Hsiang Hung, die auch eine Neuedition der Werke besorgte.

Funkelnde Virtuosität

David Castro-Balbi und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter Kevin Griffith interpretieren diese charmanten Kompositionen mit Verve und Brillanz. Dem Solisten ist für sein schlankes Spiel und die schlackenlose Bewältigung der häufig äußerst raffinierten Artikulationsvorschriften in rasantem Tempo höchstes Lob zu zollen. Orchester und Dirigent begleiten stilsicher mit großer Wachheit. Vorbildlich!

Die Aufnahmetechnik bettet den Solisten realistisch in den Gesamtklang ein. Das Booklet ist informativ, wobei Fachleuten zur Vertiefung die oben angeführte Dissertation empfohlen sei.

.Fazit: Heiter-spritzige, virtuose Werke, die Spaß machen. Für Geiger Pflichtkauf. Da die Aufnahme meinen Test gegen paralleles Scrollen in Twitter und Facebook blendend bestand – Social Media verlor klar durch KO: Eindeutige Empfehlung!

Thomas Baack [24.04.2023]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Stamitz
1Violinkonzert Nr. 2 C-Dur 00:13:13
4Violinkonzert Nr. 3 F-Dur 00:16:18
7Violinkonzert Nr. 4 F-Dur 00:13:30
10Sinfonie Es-Dur op. 4 Nr. 4 00:14:25

Interpreten der Einspielung

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