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CD-Besprechung

Carl Reinecke

Complete Works for Two Pianos

cpo 555 454-2

3 CD • 3h 09min • 2022

29.12.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Nach Amy Beachs Schaffen für Klavierduo auf cpo im Jahre 2021 haben sich Aglika Genova & Liuben Dimitrov nun sämtlicher Werke für zwei Klaviere Carl Reineckes (1824-1910) angenommen – immerhin gut drei Stunden Musik, über deren Qualitäten sich die Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 1996 im Booklet der Box geradezu euphorisch äußern. Reinecke, aus Altona stammend, galt, obwohl später lange in Leipzig tätig – alleine 35 Jahre als Gewandhauskapellmeister –, als stramm konservativ. Trotz der Freundschaft mit Liszt lehnte er die Programmmusik der Neudeutschen Schule ab und orientierte sich zeitlebens an der Wiener Klassik, vor allem jedoch an Mendelssohn, Schumann und schließlich Brahms. Zu seinen Schülern gehörten dann so bedeutende Komponisten wie Janáček, Albéniz, Grieg, Bruch, Sinding und Busoni. Von seinen knapp 300 Werken hielt sich allenfalls einige Kammermusik im Repertoire.

Schlichte, dabei klangschöne Sonaten

Reineckes hier vorgestellter Werkkomplex lässt sich grob in drei Gruppen aufteilen: Eigenkompositionen – vom Charakterstück bis zu umfangreicheren Variationswerken –, Transkriptionen von Orchesterwerken, sowie drei Sonaten. Letztere, entstanden zwischen ca. 1895-1905 und vom Gehalt her eher Sonatinen, erweisen sich als liebliche, aber recht rückwärtsgewandte Musik – technisch nicht allzu herausfordernd und teilweise mit Längen. Bereits hier muss man das Genova & Dimitrov Piano Duo umso mehr für sein enormes musikalisches Engagement loben. Mit gewohnt absolut perfektem Zusammenspiel und bis ins letzte Detail abgestimmter Dynamik holen Genova & Dimitrov klangschön jede Nuance aus den Stücken heraus, und stiften eine dann doch erstaunlich einnehmende Sinnhaftigkeit.

Starke, streng konservative Variationswerke

Selbst ein aktiver, exzellenter Pianist, zeigt Reinecke beim Großteil der übrigen Werke nicht nur einen wachen Sinn für die speziellen klanglichen Optionen von zwei Klavieren, sondern verlangt auch ein gehöriges Maß an Virtuosität – schon im Andante und Variationen op. 6 von 1844, das sich klar auf Schumann beruft. Noch deutlicher wird der hohe pianistische Anspruch bei den Bach-Variationen op. 24 und den beiden Improvisata opp. 94 und 125. Sein unbestrittenes handwerkliches Können beweist der Komponist ebenso in den jeweils aus vier kurzen Episoden bestehenden Zyklen Bilder aus dem Süden und den Stücken op. 241.

Höhepunkte der Box sind Reineckes Orchestertranskriptionen

Als absoluter Spezialist galt Reinecke allerdings für Orchestertranskriptionen für zwei Klaviere, und insbesondere mit den Arrangements eigener Orchesterwerke, etwa der Variationen über Luthers Choral Ein feste Burg – der am Ende überraschend in Händels Halleluja aus dessen Messias mündet – oder des Prologus solemnis kann er vollends überzeugen. Das Klavierduo ist hier in seinem Element, produziert eine wirklich orchestrale Klangfülle und Farbigkeit, ohne je an Durchsichtigkeit und struktureller Klarheit einzubüßen. Besser kann man diese Musik eigentlich nicht umsetzen. Selbst die relativ simple Bearbeitung des Finales von Mozarts Klavierkonzert KV 459 wird so zu einer erfreulichen, delikaten Angelegenheit. Wie bei Amy Beach leistet hier die Aufnahmetechnik des WDR erneut ihr Bestes, und das Booklet ist ähnlich informativ. Da bislang nur weniges von Reineckes Musik für Klavierduo recht verstreut auf Tonträgern zu finden war, ist die Box für Sammler als Gesamtschau sicher eine willkommene Veröffentlichung, auch wenn nicht jede der eingespielten Kompositionen von allerhöchstem Rang ist.

Martin Blaumeiser [29.12.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Reinecke
1Andante mit Variationen op. 6 00:13:24
2La Belle Griseldis op. 94 (Improvisation über ein französisches Volkslied des 17. Jahrhunderts) 00:11:04
3Klaviersonate G-Dur op. 275 Nr. 1 00:15:15
6Festliche Ouvertüre op. 148 für großes Orchester 00:12:08
7Variationen über eine Sarabande von Bach op. 24 für Klavier zu vier Händen 00:11:20
CD/SACD 2
1Vier Stücke op. 241 für 2 Klaviere 00:10:41
5Impromptu über ein Thema aus Schumanns Manfred op. 66 00:08:40
6Klaviersonate C-Dur op. 275 Nr. 2 00:23:54
10Konzert-Allegro nach dem Finale des Klavierkonzerts Nr. 19 von W.A. Mozart 00:09:22
11Ouvertüre nach Kleins Tragödie Zenobia op. 193 00:09:46
CD/SACD 3
1Prologus Solemnis op. 223 00:11:10
2Klaviersonate F-Dur op. 240a 00:13:59
3Zur Reformationsfeier op. 191 (Variationen über Luthers Choral Ein feste Burg) 00:09:38
6Gondoliera op. 86 Nr. 1 (aus: Bilder aus dem Süden) 00:03:45
7Unter Zypressen op. 86 Nr. 2 (aus: Bilder aus dem Süden) 00:03:50
8Bolero op. 86 Nr. 3 (aus: Bilder aus dem Süden) 00:04:46
9Neapolitanischer Mandolinenspieler op. 86 Nr. 4 (aus: Bilder aus dem Süden op. 86) 00:03:02
10Improvisation über eine Gavotte von Chr.W. Gluck op. 125 00:13:06

Interpreten der Einspielung

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