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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Johann Wilhelm Wilms

The Piano Concertos Vol 1

BIS 2504

1 CD/SACD stereo/surround • 82min • 2021

02.10.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wenn der Pianist Ronald Brautigam sich unbekannten Repertoires annimmt, wie hier der Klavierkonzerte von Johann Wilhelm Wilms (1772-1847), darf vermutet werden, dass es sich um Musik handelt, deren Vergessenheit nach dem Tod ihrer Komponisten unverdient ist. Die stürmische Entwicklung des europäische Musiklebens und der Klaviermusik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mag der Grund dafür sein, dass kein dauerhaftes Interesse an diesen Werken aufkommen konnte. Ihre Faktur war allzu schnell veraltet, bevor sie eine breite Wirkung über ihre direkte Zeit hinaus entfalten konnten: So ließ angesichts des sich rasch wandelnden musikalischen Horizonts im Laufe des 19. Jahrhunderts das öffentliche Interesse an Musik von Komponisten nach, deren Stil durch die letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts geprägt war: Louis Spohr (1784-1859), zu Lebzeiten weithin gepriesener Violinst und Hofkapellmeister am kurhessischen Hof in Kassel, ist nach seinem Tod ein vergleichbares Schwinden im Gedächtnis der musikalischen Allgemeinheit widerfahren, obwohl er zu Lebzeiten große Anerkennung genoss – die Entwicklung ging allzu schnell über seine vortreffliche Musik hinweg, und bis heute gilt er, unberechtigt, als mittlerer Meister einer Übergangszeit.

Das überwältigende Vorbild Beethoven

Ein wichtiger Grund dafür, dass die Musik von Johann Wilhelm Wilms kein Gehör bei der Nachwelt fand, lag an einem rheinischen Landsmann: Ludwig van Beethoven, der zwei Jahre vor ihm im ca. 60 km südlich gelegenen Bonn das Licht der Welt erblickte, zwanzig Jahre vor ihm in Wien starb und als einzigartiges Genie der Musikgeschichte – nur vergleichbar mit kongenialen Größen wie beispielsweise Josquin Desprez, Monteverdi, J. S. Bach, Haydn und Mozart (mit beiden letzteren er die Trias der Wiener Klassik bildet) – die gesamte Musikgeschichte als Fixstern überstrahlt. Wilms selbst dürfte das freilich zunächst kaum so empfunden haben, denn er feierte in Amsterdam Erfolge als Komponist und umtriebiger Organisator des Musiklebens, musste allerdings seit ca. 1820 hinnehmen, dass sein Stern als Komponist sank. Just in dieser Zeit taten private Rückschläge durch den Tod seiner Frau im Kindbett wie auch der Tochter ein übriges, dass er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzog, wenngleich sein Einfluss auf das Musikleben der Niederlande anhielt, indem er als Organist der mennonitischen Gemeinde wirkte und von 1829 bis 1841 als Gutachter für die niederländische Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst tätig war. Im übrigen blieb Wilms in den Niederlanden besonders als Komponist der damaligen Nationalhymne „Wien Neêrlandsch bloed“ in Erinnerung, derer man sich dort wegen der nationalistischen Anklänge ungern erinnert.

Ein wertvoller Fund

Ronald Brautigam hat zum 250. Geburtstag des „holländischen Beethovens“ seine fünf Klavierkonzerte ediert und präsentiert hier zunächst die Nummern 1-3. Die Kompositionen folgen einem einfachen Satzschema: Allegro, Adagio, Rondo, sind allerdings in ihrer jeweiligen Ausformung melodisch und harmonisch phantasievoll ausgestattet. Damit ist ihre Wiederentdeckung durch Ronald Brautigam und Michael Alexander Willens eine verdienstvolle Leistung musikalischer Archäologie, deren Präsentation zugleich nichts Museales aufweist, sondern die Werke in einem lebendigen musikantischen Zusammenhang präsentiert.

Detmar Huchting [02.10.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Wilhelm Wilms
1Klavierkonzert E-Dur op. 3 00:24:26
4Klavierkonzert C-Dur op. 12 00:28:05
7Klavierkonzert D-Dur op. 26 00:28:52

Interpreten der Einspielung

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