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CD-Besprechung

Heinrich Ignaz Franz Biber

Sonatae Violino Solo 1681

cpo 555 481-2

2 CD • 1h 51min • 2021

22.08.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Einerseits: Für uns ältere Herrschaften in der Kritikerriege gibt es einen Olymp von Einspielungen, die uns in unserem rezeptiven Künstlerleben (das wir ja als stellvertretende Jury des allgemeinen Publikums führen) so beeinflusst haben, dass wir dachten: „Da KANN nichts besseres mehr kommen.“Andrerseits: Ein solch statisches Bild ist mit dem steten Fluss der Kunst nicht zu vereinbaren, denn ihre Entwicklung hört nicht auf: Und dies – soweit es die Musik betrifft – nicht nur, was die Komposition angeht, sondern auch bezüglich der Interpretation. Denn das statische Bild einer über die Zeiten hinweg ewig gültigen Interpretationen musikalischer Meisterwerke, wie es im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden war, ist im 20. Jahrhundert zu Recht relativiert worden. So entstand die historisch informierte Aufführungspraxis: Dass der zeitliche Bezug einer Komposition aus den historischen Gegebenheiten ihrer Entstehung in die Interpretation einfließen müsse, ist seit den 1950er Jahren Teil musikalischen Diskurses – bis heute hat sich diese Betrachtung im Laufe eines dreiviertel Jahrhunderts zur historisch informierten Aufführungspraxis entwickelt, die sich inzwischen in viele, wiederum durchaus kontrastiv diskutierte Betrachtungsweisen aufgefächert hat.

Lange vergessener Meister des Barock

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) gehört zu den großen Meistern der Musik für Violine im Zeitalter des Barock, der nach dem Ende des 18. Jahrhunderts gemeinsam mit seinem Musikstil in gründliche Vergessenheit geriet. Sein abenteuerlicher Lebensweg beinhaltet nicht zuletzt eine Flucht aus den Diensten des Fürstbischofs von Olmütz, der mehr an seinen Hoftrompetern als an den übrigen Musikern seiner Hofkapelle interssiert war, in die Dienste des Fürsterzbischofs von Salzburg. Dieser wusste Bibers außerordentliche Qualitäten als Violinist zu schätzen und bot ihm in seiner Hofmusik eine künstlerische Heimstatt, ab 1684 gar als Hofkapellmeister. Biber behielt noch lang nach seinem Lebensende einen legendären Ruf: Mehr als acht Jahrzehnte nach seinem Tod schrieb der englische Musikschriftsteller Charles Burney: „Unter allen Violinisten des vorigen Jahrhunderts scheint Biber der beste gewesen zu sein, und seine Soli sind die schwierigsten und einfallsreichsten aller Musik, die ich aus dieser Zeit zu sehen bekommen habe.“

Meisterwerke der barocken Violinliteratur

Bibers 1681 veröffentlichte Sammlung von Violinsonaten stellt zweifellos einen Höhepunkt seines Schaffens und der Violinmusik des Barocks dar. Diese Stücke stehen ebenbürtig neben seinen berühmten Rosenkranzsonaten, die als Bibers Hauptwerk gelten. Beide Sonatensammlungen verlangen ihrem Solisten eine immense Virtusoität ab, die meiner Ansicht nach fast die geigerischen Anforderungen Corellis an seine Solisten in den Schatten stellt. Dazu sind sie auch musikalische Kostbarkeiten, die über Jahrhunderte nach ihrem Entstehen ihre Zuhörer emotional unmittelbar ansprechen.

Zwei hochrangige Interpreten im Kontrast

Beiden Einspielungen hört man an, dass sowohl Plamena Nikitassova wie auch Gunar Letzbor sich bewusst sind, dass es sich bei diesen Violinsonaten um Höhepunkte der Violinliteratur handelt. Dass es dabei zu bedenken gilt, die virtuosen Höhepunkte zum Leuchten zu bringen, und die emotionalen und intimen Momente gleichermaßen zu gestalten, ist beiden Interpreten bewusst. Jeder von ihnen gestaltet diese persönlichen Aspekte in diesen Stücken auf seine Weise, und beide agieren dabei in bemerkenswerter Harmonie mit ihrem jeweils begleitenden Ensemble. Dass meine persönliche Vorliebe der Aufnahme von Gunar Letzbor gehört, mag damit zu tun haben, dass ich mittlerweile den älteren Herrschaften in der Kritikerriege angehöre und meine Bewunderung für diesen Geiger und seinen Stil seit Jahrzehnten besteht. Das darf aber die Hochachtung für diese gelungene Neueinspielung dieser Stücke nicht beeinträchtigen.

Vergleichseinpielung: Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor (Violine und Leitung), 2 CDs SY 94D28 (AD: 2011).

Detmar Huchting [22.08.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Heinrich Ignaz Franz Biber
1Sonata Nr. 1 für Violine solo und B.c. 00:12:08
8Sonata Nr. 2 für Violine solo und B.c. 00:08:46
13Sonata Nr. 3 für Violine solo und B.c. 00:14:13
19Sonata Nr. 4 für Violine solo und B.c. 00:12:35
CD/SACD 2
1Sonata Nr. 5für Violine solo und B.c. 00:11:08
6Sonata Nr. 6 für Violine solo und B.c. 00:14:13
12Sonata Nr. 7 für Violine solo und B.c. 00:13:17
16Sonata Nr. 8 für Violine solo und B.c. 00:09:44
21Vilsmayr Sonata für Violine solo und B.c. 00:14:53

Interpreten der Einspielung

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