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CD-Besprechung

Sebastian Manz • Herbert Schuch

Brahms Schumann Gade

Berlin Classics 0302655BC

1 CD • 67min • 2021

11.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die vorliegenden Stücke stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die große Zeit der Bläservirtuosen vorbei war. Die erste Jahrhunderthälfte hatte den Blasinstrumenten einen ungeahnten Innovationsschub beschert, was sich in der Folgezeit vor allem in der Orchesterliteratur niederschlug. Die Neugierde der Komponisten, wie sich die „neuen Instrumente“ solistisch in Szene setzen ließen, produzierte jedoch nicht weitere zirzensische Virtuosenstücke, sondern musikalisch spannende Reisen zu dem, was ihren klanglichen Charakter ausmachte; und das vor dem Hintergrund, dass nun ein in allen Lagen ausgeglichene Tongebung und Intonation möglich war. Besonders die Klarinette bot sich dabei als idealer Dialogpartner für das Klavier an. So haben Schumann, Gade und vor allem Brahms das Melodieinstrument meisterhaft mit dem Klavierpart verwoben. Sozusagen die Klarinette als dritte Hand des Pianisten.

Fantasiestücke von Schumann und Gade

Schumanns drei Fantasiestücke aus dem Jahre 1849 sind meisterhafte Beispiele für die vorher beschriebenen „neuen“ Bläserklangwelten. Außergewöhnlich darin der hineinkomponierte musikalische Sog, der sich aus der Steigerung vom ziemlich melancholischen ersten Satz über ein Scherzando-Intermezzo zu einem freudig aufbrausenden Schlusssatz steigert.

„Ich habe in meinen Ansichten selten mit jemandem so harmoniert als mit Gade“ schrieb Schumann im April 1846 in sein Tagebuch. Der sieben Jahre jüngere dänische Komponist und Geiger, der seine wesentliche musikalische Ausbildung in Leipzig erhielt, wurde intensiv von Mendelssohn und Schumann gefördert. An Mendelssohns Lieder ohne Worte und Schumanns musikalischer Sprache orientieren sich seine vier Fantasiestücke aus dem Jahre 1865 in reizvoller Weise.

Zukunftsweisend: Die Brahms-Sonaten

Flankiert werden die Fantasiestücke Schumanns und Gades von den beiden Klarinettensonaten von Brahms. Sie bilden den Schlusspunkt der vier Meisterwerke, die Brahms 1891/94 für den Meininger Hofmusikus Richard Mühlfeld schrieb. Vorausgegangen waren das Trio op. 114 und das Quintett op. 115. Die jeweiligen Klarinettenpartien sind völlig aus dem Geist und dem Charakter des Instrumentes erfühlt, die ganze Skala der Ausdrucksmöglichkeiten wird durchmessen. Es gibt keine Stellen, die den technischen Bedingungen zuwiderlaufen. Die ganze Kunst des Interpreten kann sich auf die Gestaltung der melodischen Linien und des musikalischen Gesamtkunstwerkes konzentrieren. Was Brahms darüber hinaus an satztechnischer und harmonischer Vielfalt mit scheinbar lockerer Hand hinzufügt, weist in die Zukunft und bereitet den nachfolgenden musikalischen Neuerern den Weg.

Musikalische Intensität und Tastendonner

Das Duo Manz/Schuch widmet sich diesem weit gespannten Kosmos mit musikalischer Intensität, aber leider auch mit Tastendonner, der etliche Feinheiten subtiler Klarinettentöne überdeckt. Bei der Bewertung ist es immer schwierig, wem derartige Balancemängel zuzuschreiben sind: den Interpreten oder der Technik. In diesem Falle erhalten beide einen Punkteabzug, denn beide Seiten sollten so etwas eigentlich hören. Das ist schade, denn insgesamt zelebrieren diese beiden ausgezeichneten Musiker die hohe Schule des perfekten Zusammenspiels mit teilweise raffinierten Temporückungen und feinsten dynamischen Abstufungen, vor allem im Klarinettenpart.

Holger Arnold [11.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klarinettensonate f-Moll op. 120 Nr. 1 00:22:24
Niels Wilhelm Gade
5Fantasiestücke op. 43 für Klarinette und Klavier 00:12:18
Robert Schumann
9Fantasiestück op. 73 Nr. 1 00:03:51
10Fantasiestück op. 73 Nr. 2 00:03:29
11Fantasiestück op. 73 Nr. 3 00:04:10
Johannes Brahms
12Klarinettensonate Es-Dur op. 120 Nr. 2 00:20:39

Interpreten der Einspielung

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