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CD-Besprechung

Ferdinand Ries

String Quartets Vol. 4

cpo 777 306-2

1 CD • 67min • 2019

25.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit Vol. 4 der Streichquartette setzt cpo seine ungemein verdienstvolle Serie mit Kammermusikwerken von Ferdinand Ries im „originalen Klanggewand“ fort. Das Schuppanzigh Quartett musiziert auf dieser CD das späte Streichquartett op. 150,1 in a-Moll (um 1825) und wird beim früheren Quintett von 1809 von Raquel Massades an der zweiten Viola unterstützt. Beide Werke gehören stärker der auf äußere Wirkung und Virtuosität setzenden, konzertanten Fraktion der Kammermusik an und gefallen – trotz sehr individueller Formgebung – auf Anhieb.

Kein Preis für Leichtigkeit und Fleiß

Ferdinand Ries (1784-1838), Schüler Beethovens und Johann Georg Albrechtsbergers, in ganz Europa gefeierter Ausnahmepianist, Direktor der London Philharmonic Society, zu Lebzeiten erfolgreicher Komponist, steht stilistisch noch mit einem Bein in der späten Klassik, mit dem anderen aber bereits in der frühen Romantik. Diese harmonisch farbige Frühromantik ist eher von freundlicher denn von tieftragischer Natur, was ob Ries‘ glanzvoller Konzertkarriere nicht verwundert. Somit ist er eher ein Vorbote Mendelssohns denn ein Seelenverwandter des zu Lebzeiten unterschätzten Schubert. Mit Mendelssohn verbindet ihn auch seine handwerkliche Meisterschaft, die es ihm ermöglichte, schnell zu produzieren, was zu seinen Lebzeiten unbedingt erforderlich war, später jedoch für Naserümpfen sorgte. Beethovens Vorwurf, Ries ahme ihn zu sehr nach, ließe sich auch dahingehend interpretieren, dass Ries die großen Gesten des Titanen mit spielerischer Leichtigkeit zu reproduzieren wusste.

Kammermusik für den Konzertsaal

Solche Gesten des Ausbruchs finden sich auch im Quintett op. 37 C-Dur, das von Ignaz Schuppanzigh – dem Beethoven-Freund und -Interpreten – und seinem Quartett uraufgeführt wurde. Schuppanzigh schätzte – wie auch die Quartette Anton Eberls nahelegen – in dieser Zeit brillante Partien bis in höchste Lagen für seine erste Geige und ein Dialogisieren mit dem Cello bei klangverstärkenden Mittelstimmen. Dem kamen junge Komponisten selbstverständlich gern nach, wenn sie vom damals berühmtesten Quartett aufgeführt werden wollten. Kompositorisch fällt auf, dass Ries in den Reprisen der Sonatenhauptsätze das Drama der Durchführung fortführt, indem er nochmals in entfernte Tonarten ausweicht, anstatt die Grundtonart zu bestätigen. Stellen quasi orchestraler Klangfülle entstehen hier vor allem durch die Doppelgriffe in den Mittelstimmen.

Das Quartett in a-Moll ist ebenfalls auf Virtuosität angelegt. Hier ist die Gestaltung des ersten Themas des Kopfsatzes extravagant: Es beginnt wie das nach Moll versetzte Allegro-Thema der Zauberflöten-Ouvertüre und landet nach 4 Takten in einem siciliano-artigen Andantino. Auch hier ist die Harmonik durch blitzschnelle chromatische Rückungen wieder äußerst farbig gehalten.

Stilsichere Interpretation

Das Schuppanzigh Quartett setzt sich mit einer an Louis Spohrs Violinschule orientierten, historisch informierten Spieltechnik, Verve und Können für diese bisher vernachlässigten Werke ein. Anton Steck vermag es, die virtuosen Passagen funkeln zu lassen, wird damit aber auch bis an seine Grenzen gefordert. Im Quintett sind einige wenige Stellen hinsichtlich der Intonation nicht vollkommen perfekt gelungen, was jedoch nicht sonderlich stören muss. Es wird stilvoll phrasiert und artikuliert, der Ensembleklang ist – wenn es die Situation erfordert – durchaus kompakt, worunter die Transparenz jedoch nie leidet. Gut gemacht!

Sehr schön, dass die in den klugen Analysen als wesentlich benannten Abschnitte im Booklet mit genauen Stoppzeiten angegeben sind und die Aufnahmetechnik überzeugt. Weniger schön, dass zumindest auf der mir vorliegenden CD – entgegen den Angaben auf dem Cover, der CD selbst und im Booklet – Quartett und Quintett vertauscht wurden.

Fazit: Hochinteressante Kammermusik. Das Quintett wäre als strahlender Konzertabschluss exzellent geeignet, da es die Zuhörer auf jeden Fall mitreißt. Das Quartett ist jedoch mit seinen annähernd 40 Minuten und seinen technischen Anforderungen an Technik und Zusammenspiel ein wirklich harter – dabei aber äußerst wirkungsvoller – Brocken.

Thomas Baack [25.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ferdinand Ries
1Streichquintett C-Dur op. 37 00:28:50
5Streichquartett a-Moll op. 150 00:37:53

Interpreten der Einspielung

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