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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven

Sonatas Vol. 1

CAvi-music 8553326

1 CD • 65min • 2020

04.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Bisher hat sich der Pianist Daniel Heide vornehmlich auf Liedbegleitung und auf Kammermusik spezialisiert. In der aufgezwungenen Einsamkeit der Corona-Zeit hat er sich wieder an seine pianistischen Anfänge erinnert – an Beethovens Klaviersonaten: Alle hier aufgenommenen „Sonaten sind Erinnerungen an meine Schulzeit…und an den Beginn meines Studiums“, bekennt er in dem sehr persönlich gehaltenen Beiheft.

Sonate Nr. 13 bildet den Mittelpunkt

Die Pathétique stellt Heide an den Schluss dieser ersten Folge aller Beethoven-Sonaten, sie stellt also nicht das Zentrum dar, sie ist einfach „ein Muss für jeden Pianisten“, wie Heide schreibt. Für mich war es beim Anhören die Sonate Nr. 13 Es-Dur op. 27 Nr. 1, die den Mittelpunkt bildet. An ihr kann man auch erkennen, wie Heide Beethoven spielt. Er nähert sich den Sonaten vorbehaltlos bewundernd, speilt sie sehr bedachtsam, sehr genau und sehr liebevoll, immer fein und fragil-schön.

Nicht der letzte Furor

Den Hornruf-Beginn dieser Sonate gestaltet er poetisch-träumerisch, insgesamt etwas schnell, als ließe er sich von den Antwort-Sechzehntel in der Linken das Tempo diktieren. Die so überirdisch überraschende Wendung nach C-Dur gerät ihm nicht so geheimnisvoll, wie es sein könnte bzw. müsste. Den Furor des Allegro molto e vivace des 2. Satzes reizt er nicht bis ins letzte aus, wird nicht so dämonisch erregt und unheimlich huschend, wie es möglich wäre, auch stürzt er nicht so überraschend in den triumphalen C-Dur-Schluss am Ende dieses Satzes – wie Heide überhaupt nicht die letzten Kontraste wagt. Dafür gelingt ihm die weich dämmernde Schönheit des Adagios dieser Sonate gut.

Durchsichtigkeit und Empfindsamkeit und pointierte rhythmische Klarheit prägen die Sonate Nr. 9 E-Dur, op. 14 Nr. 1, silbriger Glanz herrscht – aber auch hier reizt Heide die Sforzati und auch plötzlichen Piani nicht bis zum letzten aus.

Klar und schlank im Klang

Und so bietet er folgerichtig in der Pathétique nicht unbedingt „Musik mit Muskeln, mit gespannt hervortretenden Adern“, wie es Joachim Kaiser in seinem Buch „Beethovens 32 Klaviersonaten uns ihre Interpreten“ fordert, noch „prunkt er mit dramatisch-rhetorischem Pathos“ (wieder Kaiser), sondern bleibt immer klar und schlank im Klang, lässt es nicht donnern, sondern eher unheimlich drängen – als ob er sich nicht in die letzten dämonischen Winkel des Beethoven’schen Wesens wagen will.

Die Interpretationsgeschichte der Beethoven-Sonaten muss nicht neu geschrieben werden – aber eine redliche Auseinandersetzung mit ihnen ist diese Aufnahme allemal.

Rainer W. Janka [04.01.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 10 G-Dur op. 14 Nr. 2 00:17:11
4Klaviersonate Nr. 13 Es-Dur op. 27 Nr. 1 (Quasi una fantasia) 00:15:44
8Klaviersonate Nr. 9 Es-Dur op. 14 Nr. 1 00:13:37
11Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 (Pathétique) 00:18:06

Interpreten der Einspielung

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