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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann

Liebe, was ist schöner als die Liebe

cpo 555 300-2

1 CD • 76min • 2019

13.09.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Dass unter den mehr als eineinhalbtausend Kantaten von Georg Philipp Telemann auch weltliche Kantaten sind, weiß man. Dass darunter auch Hochzeitskantaten sind, weiß man auch. Dass sie aber teilweise sehr direkt und deftig die Freuden oder auch Schmerzen der Liebe deutlich benennen, hört man auf dieser CD aus der verdienstvollen Reihe des Labels cpo mit großem Vergnügen. Das ausführliche Booklet (Eric F. Fiedler), das die gesungenen Texte in seinen Text einfügt, spricht etwas untertreibend von Telemanns „schelmischem Sinn für Humor“. Die Aufnahme im Palas der Eisenacher Wartburg hört sich mit Nebengeräuschen wie eine Aufführung an und wirkt damit sehr direkt.

„Was ist schöner als die Liebe!“

Die längste Kantate, genannt „Hochzeits-Serenata“ namens Liebe, was ist schöner als die Liebe in Form einer „disputatio“, ist mit 18 Nummern die längste von den dreien und auch die textlich und musikalisch reichste. Eine Befürworterin der Ehe (Ametas) disputiert da mit einem Ehe-Verächter (Crito). Das stil-erfahrene und beschwingt spielende Orchester La Stagione Frankfurt markiert deutlich die orchestrale Humoristik: Die „verkehrten Sachen“, von denen Crito singt, sind auch rhythmisch „verkehrt“, nämlich eine Abfolge von Synkopen, bei der Schilderung des Scherzens beim Liebesspiel hüpft die Melodie scherzend, die Ehe-Freiheits-Hymne kommt im Gigue-Rhythmus, die Peripetie, wenn also Crito sich langsam überzeugen lässt, wird durch deutliche Energiezuführung im Orchester bezeugt und die „Lösung“ durch Dezim-Parallelen im Gesang.

Der Gesang ist hier in den besten Händen bzw. Stimmen: Julia Kirchners Sopran hat ein angenehmes, natürlich warmes Timbre, ist rhetorisch gewandt geführt und lockt verführerisch mit Trillern und Verzierungen. Georg Poplutz artikuliert perfekt, führt seinen Tenor höchst wendig, kann mit seiner Stimme lachen und auch zornig konsonantenkampfbetont beben.

„Lieben will ich!“

In der Solo-Kantate Lieben will ich! muss Poplutz als Tenor alle drei Rollen übernehmen, die des Erzählers, des liebenden Seladon und die der schnippischen Silvia, was er glänzend tut mit rhetorischer Verve und großer Erzähl-Lust. Die Oboe klingt in der „Aria“ wie eine schadenfroh triumphierende Trompete.

Der Weiberorden

In der Kantate Der Weiberorden führt der Sopran das Wort. Julia Kirchner tut das mit der Kunst der klingenden Konsonanten, wird dann kinderliedhaft-schlicht und süß im Wiegenlied, lacht schelmisch, wenn sie das Küssen mit Speck und Sauerkraut vergleicht, und lacht vorfreudig im Gavotte-Rhythmus. Wiederum malt La Stagione Frankfurt bildkräftig die Orchesterfarben, wenn zum Beispiel die Jungfernschaft mit orchestraler Wut in den Orkus fährt: eine wahrlich vergnügliche CD, die Schuberts Diktum, es gebe keine lustige Musik dahingehend Lügen strafen könnte, dass es zumindest heitere Musik gibt.

Rainer W. Janka [13.09.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Philipp Telemann
1Liebe, was ist schöner als die Liebe TWV 11:26 (Hochzeitskantate) 00:47:15
19Cantata quinta TWV 20:21 (Lieben will ich) 00:14:38
24Der Weiberorden TWV 20:49 (Kantate) 00:13:53

Interpreten der Einspielung

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