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CD-Besprechung

Tālivaldis Keninš

Symphonies Nos. 4 & 6 • Canzona Sonata

Ondine ODE 1354-2

1 CD • 53min • 2021

08.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mehr als nur verdienstvoll ist auch die zweite CD des finnischen Labels Ondine, das gerade eine Wiederentdeckung des symphonischen und konzertanten Werkes des in Lettland geborenen Komponisten Tālivaldis Ķeniņš (1919-2008) einläutet. Etwa eine Generation älter als der heute international mit Abstand bekannteste lettische Komponist, Peteris Vasks, hat Ķeniņš zunächst in Riga, dann in Paris u.a. bei Messiaen studiert, bevor er 1951 eine neue Heimat in Kanada fand und dort eine durchaus gewichtige Rolle im Musikleben spielte. Zu Stil und Entwicklung des Komponisten lese man die Besprechung der ersten CD von Christoph Schlüren vom 11.12.2020 (http://www.klassikheute.com/4daction/www_medien_einzeln?id=23439), der nichts hinzuzufügen ist.

Neoromantik oder Avantgarde? – eine Frage des Blickwinkels

Man könnte Ķeniņš‘ zwischen 1959 und 1986 entstandene acht Symphonien im Rahmen der Nomenklatur einer Postmodernediskussion mit der – allerdings meist abwertend verwendeten – Bezeichnung Neoromantik abtun, was aber schon den meist ungewöhnlichen, dabei immer streng rationalen Formkonzepten nicht gerecht würde. Auch die Symphonien Nr. 4 & 6 (1972 bzw. 1978) stellen vom Aufbau her keinesfalls einen Wiederaufguss großer, romantischer Symphonik dar: Die Vierte, insgesamt von fast kammermusikalischem Charakter, ist zweiteilig mit vielgestaltigem Innenleben. Zudem gibt es mikrotonale Verschiebungen und sogar aleatorische Elemente. Und klanglich setzt der Komponist erneut sehr bewusst das Schlagzeug als Mittel einer immens farbigen Instrumentation ein – er selbst charakterisierte das Werk gar als Schlagzeugkonzert. So verwundert es nicht, dass es bei seiner Kölner Uraufführung 1973 von einigen beteiligten Musikern des Avon Kammerensembles (aus Exil-Letten?) fast boykottiert wurde und bis zur wiederhergestellten Unabhängigkeit Lettlands 1991 die dortige Presse den Komponisten natürlich als sich dem Westen anbiedernden Avantgarde-Komponist beschimpfte.

Eine Bach-Fuge als Grundlage einer ganzen Symphonie

Die Sinfonia ad Fugam (Nr. 6) lässt unter dem Mantel der Einsätzigkeit zwar noch unterschwellig die traditionellen vier Sätze erkennen, benutzt aber als Klammer und musikalische Basis Bachs 5-stimmige cis-Moll Fuge aus dem Wohltemperierten Clavier I. Dessen Thema sowie die beiden Kontra-Subjekte werden hier aber nicht nur quasi „übermalt“, wie der Mahler-Satz im Zentrum der berühmten Sinfonia von Luciano Berio, sondern dienen äußerst intelligenten Strukturveränderungen an Ķeniņš‘ eigenem Material – ein enorm spannendes und überraschendes Werk, zu dem sich schwer Vergleichbares findet. Die Canzona Sonata (1986), für Viola und Streicher, zeigt schließlich, wie gekonnt der Komponist aus einer simplen Keimzelle – kleine Sekunde – einen wundervollen Satz mit Sonatencharakter zu entfalten imstande ist. Die fabelhafte Santa Vižine, die Mitglied der Kremerata Baltica war und nun im Concertgebouworkest spielt, gestaltet den Solopart kantabel und geheimnisvoll. Das Lettische Nationalorchester ist unter Guntis Kuzma wieder in den besten Händen – mit überzeugender Detailarbeit – und die Aufnahmetechnik erstklassig. Fazit: Ķeniņš bleibt für die westeuropäische Klassikgemeinde eine wirklich hochrangige Entdeckung, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

Martin Blaumeiser [08.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Tālivaldis Keniņš
1Sinfonie Nr. 4 00:23:16
3Sinfonie Nr. 6 (Sinfonia ad Fugam) 00:18:02
4Canzona Sonata für Viola und Streichorchester 00:11:22

Interpreten der Einspielung

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