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CD-Besprechung

Three Suites for Two Pianos

Anke Pan & Yuhao Guo

Ars Produktion ARS 38 589

1 CD • 56min • 2020

22.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Anke Pan und Yuhao Guo haben sich in ihrem ersten CD-Projekt als Klavierduo ganz einer einzigen Gattung gewidmet und drei Suiten für zwei Klaviere eingespielt, wobei das Programm eine Brücke vom ausgehenden 19. Jahrhundert direkt in die Gegenwart schlägt. Die zwei älteren Stücke stammen von russischen Meistern: Anton Arenskij und Sergej Rachmaninoff. Mit seinen insgesamt fünf Duo-Suiten, von denen hier Nr. 1 op. 15 zu hören ist, hat Arenskij Wesentliches dazu beigetragen diese Gattung in Russland zu popularisieren. Sein Schüler Rachmaninoff stellte sich mit zwei Werken in seine Nachfolge. Die Wahl der Zweiten Suite op. 17 für das vorliegende Album ist insofern glücklich zu nennen, als dass diese, bei ähnlicher stilistischer Grundlage, einen starken Kontrast zu Arenskijs Werk bildet und dadurch deutlich werden lässt, welch verschiedene Konzeptionen unter dem Titel „Suite“ präsentiert werden können. Stellt Arenskij eine lockere Folge aus einer Romanze und zwei Tanzstücken zusammen, so erscheint Rachmaninoffs Suite einer Sonate größtmöglich angenähert. Die vier Stücke sind eindeutig Eck- und Mittelsätze eines in sich geschlossenen Ganzen, was sich namentlich anhand der beiden Tänze zeigt: Der Walzer (in untanzbarem Presto-Tempo!) dient als Scherzo, und der stürmische Schluss der Tarantella beendet nicht nur diesen einzelnen Satz.

Unverstellte, eingängige Novität

Die größte Aufmerksamkeit zieht allerdings das Werk auf sich, das am Anfang des Programms steht, denn es erscheint hier zum ersten Mal auf CD: Yuhao Guos eigene Suite op. 30, eine Komposition aus dem Jahr 2020. Den vier Sätzen dieses Werkes nach zu urteilen, strebt Guo als Komponist keineswegs danach, die Brücken zur Vergangenheit abzubrechen. Er schreibt eingängige Melodien in traditioneller Harmonisierung mit gelegentlichen mild dissonierenden Reizklängen und zögert auch nicht, sich historischer Genre-Typen zu bedienen. Der Walzer seiner Suite lädt dazu ein, ihn mit den entsprechenden Sätzen bei Arenskij und Rachmaninoff zu vergleichen. Als langsamer Satz fungiert eine Berceuse, der das Freudenthema aus Beethovens Neunter Symphonie zugrunde liegt. Guo zitiert es allerdings nicht wörtlich, sondern verändert es rhythmisch und melodisch so sehr, dass faktisch ein neuer Gedanke daraus wird. Verglichen mit Rachmaninoff sind Guos Ecksätze lockerer gefügt, unterstreichen allerdings durch deutliche thematische Verknüpfung den Gedanken zyklischer Geschlossenheit. Das Werk als Ganzes ist zweifellos eklektisch, aber auf eine entwaffnend unverstellte Weise. Offensichtlich schreibt der Komponist diejenige Musik, die er selber gerne hören (und mit seiner Partnerin spielen) möchte. Diese Haltung heischt Sympathie! Im Konzert dürfte das unproblematische, freundliche Stück jedenfalls „zünden“.

Obwohl sich Anke Pan und Yuhao Guo hier zum ersten Mal gemeinsam auf CD hören lassen, merkt man anhand der Ausgewogenheit, die zwischen den beiden Klavieren herrscht, dass beide in dieser Art des Musizierens erfahren sind und sich darauf verstehen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Als Hörer erlebt man keinen virtuosen Wettstreit, sondern ein gut eingespieltes Miteinander. Nun mag es von Rachmaninoffs Zweiter Suite Einspielungen geben, die die Feinheiten der Komposition, namentlich die rhythmischen Schichtungen, noch deutlicher herausarbeiten, allerdings überzeugen Pan und Guo hier, wie auch in den weiteren Werken des Programms, durch unmittelbar mitreißenden musikantischen Schwung. Dass beide über eine makellose Technik gebieten, braucht kaum gesondert hinzugefügt zu werden.

Norbert Florian Schuck [22.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Yuhao Guo
1Suite op. 30 für 2 Klaviere 00:17:40
Anton Arensky
5Suite Nr. 1 op. 15 für 2 Klaviere 00:13:34
Sergej Rachmaninow
8Suite Nr. 2 C-Dur op. 17 für zwei Klaviere 00:24:14

Interpreten der Einspielung

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