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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

And the sun darkened

Music for passiontide

BIS 2277

1 CD/SACD stereo/surround • 58min • 2018

12.05.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Eine Brücke über fünf Jahrhunderte, von der Blütezeit der franko-flämischen Musik im 15. und 16. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert und in die Gegenwart, schlägt das Ensemble New York Polyphony auf der vorliegenden SACD. Thema ist Musik für die Passionszeit, es erklingen Kompositionen von Loyset Compère (ca. 1445-1517), Josquin Desprez (ca. 1450-1521), Adrian Willaert (ca. 1490-1562) und Pierre de la Rue (ca. 1452-1518), sowie des Esten Cyrillus Kreek (1899-1962) und von Andrew Smith, 1970 in Liverpool geboren und seit seinem 15. Lebensjahr in Norwegen beheimatet.

Die franko-flämische Schule: Ein Fundament der europäischen Musikgeschichte

Das historische Ende des Brückenschlages dieser SACD ist die sich über zwei Jahrhunderte erstreckende musikalische Tradition, die vom kulturellen Erbe des Herzogtums Burgund geprägt wurde. Dieses war im hohen Mittelalter eine der wichtigsten europäischen Kulturlandschaften: Nicht nur durch seinen Vorbildcharakter in der mittelalterlichen aristokratischen Mode (Schnabelschuhe etc.), sondern auch im musikalischen Bereich war Burgund ein Gebiet von europaweiter Ausstrahlung. Durch seine Ausdehnung von der Nordgrenze des gegenwärtigen Südfrankreichs bis zum Gebiet des heutigen Belgiens und zu den südlichen Provinzen der heutigen Niederlande war das Herzogtum Burgund durch dynastische Verknüpfungen mit den führenden Herrscherhäusern Europas verbunden: Einerseits war es Teil des Heiligen Römischen Reichs, andrerseits eng mit dem französischen Königreich verflochten. In Bereich dieses Herzogtums schlägt für mindestens zwei Jahrhunderte das Herz der europäischen Musikgeschichte nördlich der Alpen.

Beeindruckende Fundstücke der zeitgenössischen Musik

Das andere Ende der Brücke, über die die Interpreten schreiten, führt vom goldenen Zeitalter des 15./16. Jahrhunderts in die zeitgenössische Musik des 20. und 21. Jahrhunderts – die Komposition von Andrew Smith ist sogar für das Ensemble New York Polyphony entstanden.

Cyrillus Kreek (1889-1961), war eine zentrale Gestalt der estnischen Kultur im 20. Jahrhundert: Sein Wirken – sowohl als Komponist wie auch als Chorleiter – war von zentraler Bedeutung für die estnische Bewegung des Chorgesangs, die ein zentrales Element der kleinen Brudernation Finnlands in ihrem Überlebenskampf während der Sowjetdiktatur darstellte. Seine Vertonung des 22. Psalms Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? geht über die geistliche Atmosphäre hinaus und wird zum emblematischen Klagegesang und Hoffnungslied einer geknechteten Nation.

Andrew Smiths Komposition des Psalms 55 Gott, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen ist eine bittende Klage um den Schutz vor bedrängenden Feinden, die in die Hoffnung vor Rettung mündet: „Das schmerzvoll-verzweifelte Flehen eines Mannes in einer Lebenskrise“, wie der Text im Booklet anmerkt.

Kristallene Klarheit

New York Polyphony zeichnet sich durch ein außerordentliches Verständnis für die subtilen Strukturen der Stücke aus, die sie interpretieren, sowie durch einen makellos reinem Klang, der dem Zuhörer staunende Bewunderung abnötigt. Nur wenige Interpreten und Ensembles sind derzeit in der Lage, derart überzeugend darzustellen, wie nah sich Musik kommen kann, deren Entstehung fünf Jahrhunderte trennen – und dabei jedem der beiden Jahrhunderte musikalisch völlig gerecht zu werden.

Ein völlig transparentes Klangbild war für dieses Repertroire erforderlich – und wird durch durch das Label BIS in beeindruckender Klarheit gewährleistet.

Detmar Huchting [12.05.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Loyset Compère
1Crux triumphans 00:05:55
Josquin Desprez
2Tu pauperum refugium 00:03:04
Andrew Smith
3Salme 55 00:12:27
Adrian Willaert
4Pater noster 00:04:34
5Ave Maria 00:03:33
Cyrillus Kreek
6Taaveti laul 22 (Psalm 22) 00:04:37
Loyset Compère
7Officium de Cruce 00:19:22
Pierre Rue
16O salutaris hostia 00:03:08

Interpreten der Einspielung

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