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CD-Besprechung

Friedrich Ernst Fesca

String Quartets Vol. 1

cpo 777 482-2

3 CD • 3h 27min • 2007, 2009, 2010

22.03.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Friedrich Ernst Fesca (1789-1826) gehört – wie auch Ferdinand Ries und Andreas Romberg – heutzutage in die Reihe der großen Unbekannten unter den Beethoven-Zeitgenossen. Schön, wenn cpo hier wieder einmal für enzyklopädische Aufklärung sorgt! Dass er von den Zeitgenossen speziell für seine Streichquartette geschätzt wurde, beweist, dass Carl Maria von Weber diesen Werken mit dem 1818 in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ erschienenen Artikel Die Tondichtweise des Herrn Konzertmeisters Fesca in Karlsruhe, nebst einigen Bemerkungen über Kritikwesen überhaupt Tribut zollte. Dort schreibt der Freischütz-Komponist: „Er ist sorgfältig und reichwürzend wie Spohr, ohne sich in dessen oft erhabene Schwermütigkeit zu verlieren. Er moduliert oft scharf und schnell, fast wie Beethoven, aber er fühlt zu weich, um es gleich diesem zu wagen, uns unerwartet mit kühner Riesenfaust zu packen und blitzschnell über einen Abgrund schwebend zu halten. Seine Arbeiten bezeichnet eine gewisse verständige Besonnenheit, die, mit Tiefe des Gefühles gepaart, Trockenheit vermeidet und eine ungemein schöne Haltung des Charakters des Ganzen sowohl als der dasselbe konstruierenden einzelnen Teile zu Folge hat. Er entwickelt seine Ideen klar und mannigfaltig, die vier Stimmen sind selbständig, und wenn hin und wieder er den Vorredner (die erste Violine) etwas glänzender behandelt, so geschieht das keineswegs auf eine so überwiegende Weise, daß die andern Stimmen nur zu dienenden herabsänken.“

Komponist mit „klingendem“ Namen

Louis Spohr schreibt in seinen Lebenserinnerungen über eine Konzert Fescas in Wien: „Seine Quartetten und Quintetten, von ihm rein, fertig und mit Geschmack vorgetragen, gefielen sehr in Wien und fanden bei den dortigen Verlegern guten Absatz. Eins derselben begann in einem seiner Sätze mit den Tönen, die des Komponisten Namen enthalten F E Es C A. Die Zuhörer fanden das sehr hübsch und verspotteten die anwesenden Komponisten Hummel, Pixis und mich wegen unsrer unmusikalischen Namen.“ J. G. Rheinberger schrieb eine Orgelfughette über dieses Motiv.

Vergessene Musik von hoher Qualität

Warum nur geriet diese Musik in vollkommene Vergessenheit? Dies lag einerseits daran, dass die Musikwissenschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts meinte, alles zwischen 1800 und 1830 Geschriebene an Beethoven und Schubert messen zu müssen. Andererseits waren die Quartette selbst für versierte Dilettanten technisch zu anspruchsvoll, da hier ein virtuoser Streicher für Streicher mit konzertantem Anspruch schrieb. Da Fesca wegen seiner Tuberkulose-Erkrankung ab 1821 geigerisch stark eingeschränkt war, hatte er nur sechs Jahre Zeit – die ersten Quartette waren 1815 im Druck erschienen – für seine Kompositionen selbst zu werben. Von der Anlage her verweisen die Quartette noch auf klassische Modelle, greifen jedoch harmonisch bereits in die Romantik vor. In vielen Fällen erweist sich Fesca als ausgesprochen starker Melodiker. Als Anspieltipp empfehle ich das melancholisch düstere Quartett op. 9 in d-Moll, welches von der Qualität her keinesfalls Beethovens op. 18 oder Schuberts Rosamunde-Quartett nachsteht. Wer sich näher mit Fesca beschäftigen möchte, findet erschöpfende Informationen in der Online vorliegenden Dissertation von Markus Frei-Hauenschild, „Friedrich Ernst Fesca (1789-1826), Studien zu Biographie und Streichquartettschaffen‟.

Überzeugende Interpretation

Zunächst einmal ist hier dem Diogenes-Quartett dafür zu danken, dass es sich für diese bisher verborgenen Schätze einsetzt. Stefan & Gundula Kirpal, Stephanie Krauß und Stephen Ristau gelingt eine absolut schlüssige Interpretation, die die Ästhetik des von Spohr definierten Streicherideals (wenig Vibrato, mehr Portamento) vollauf berücksichtigt, ohne manieriert zu wirken. Alles fließt in unglaublicher Natürlichkeit. Das Timing der Phrasen lässt sich schwerlich überzeugender gestalten. Somit erweisen sich die Diogenesse als allerbeste Anwälte dieser hochinteressanten und unbedingt hörenswerten Kompositionen.

Die Technik des Bayerischen Rundfunks unterstützt vorbildlich mit einem transparenten, räumlichen und warmen Klangbild. Ein Sonderlob geht an den ungemein kenntnisreichen, liebevollen und umfassenden Booklet-Text von Bert Hagels, dessen Herz eindeutig für die zu Unrecht vergessene Frühromantik schlägt.

Fazit: Ein weiteres Juwel in der Krone des „Raritätenlabels“ cpo, dem man für solche Entdeckungen nicht genügend Respekt zollen kann. Meisterhaftes Quartettspiel. Allen Klassikfreunden – außer denen, die Streicherkammermusik hassen – dringend empfohlen. Auf die zweite Folge darf man höchst gespannt sein.

Thomas Baack [22.03.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Friedrich Ernst Fesca
1Streichquartett Nr. 1 Es-Dur op. 1 Nr. 1 00:29:09
5Streichquartett Nr. 2 fis-Moll op. 1 Nr. 2 00:28:31
9Potpourri Nr. 2 B-Dur op. 11 00:08:21
CD/SACD 2
1Streichquartett Nr. 3 B-Dur op. 1 Nr. 3 00:24:28
5Streichquartett Nr. 7 A-Dur op. 3 Nr. 1 00:20:07
9Streichquartett Nr. 8 D-Dur op. 3 Nr. 2 00:20:25
CD/SACD 3
1Streichquartett Nr. 13 d-Moll op. 12 00:32:12
5Streichquartett Nr. 15 D-Dur op. 34 00:20:58
9Streichquartett Nr. 9 Es-Dur op. 3 Nr. 3 00:22:17

Interpreten der Einspielung

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