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CD-Besprechung

Echos et résonances

CiAr Classics CC003

1 CD • 73min • [P] 2021

21.03.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Manchmal braucht es gar keine Titelbezeichnungen, wenn schon aus einem Klavierspiel an sich so viel Bildkraft strömt. Das ist bei der französischen Pianistin Martine Vialatte der Fall. Sie nimmt sich den Préludes von Claude Debussy an, danach werden diese von zwei zeitgenössischen Stücken von Tristan Murail „beantwortet“.

Was heißt bei Claude Débussy schon Préludes? Dieser Formbegriff, der in der Barockzeit noch relativ klar definiert war, hat sich bei Débussy längst aus allen Festlegungen befreit und ist zu einer griffigen „Marke“ für Fantasieentfaltung geworden. Worum es im einzelnen geht, stecken die jeweiligen Titel aus dem ersten Buch der Préludes dennoch programmatisch ab: Griechische Tänze, ein Wind, der über über eine Ebene fegt, eine märchenhafte Kathedrale, die wie eine Fata Morgana aus dem Nichts auftaucht. Ebenso werden „Minstrels“ zitiert, jene alten Gesänge der Afroamerikaner, aus denen die ersten Wurzeln des Jazz entstehen, der in Débussys Tonsprache ja auch alles andere als ein Fremdwort ist.

Lautmalerei, die keine Worte mehr braucht

Es ist aufregend mitzuerleben, wie unmittelbar Martine Vialatte in ihrem Spiel solche lautmalerischen Aspekte in Szene setzt, so dass es eigentlich dafür gar keiner Worte mehr braucht. Wenn sie ihre Anschläge modelliert und mit großem Weitblick das Resonanzverhalten der Töne und Saiten und daraus hervor gehende Klangmischungen kalkuliert, dann erklingen imaginäre Glockenschläge und branden clusterhafte Akkordballungen wie Windstöße auf. Debussys einschlägige Stilmittel sind omnipräsent und längst nicht auf die spezifischen Programme einzelner Stücke festgelegt – dafür weitet Martine Vialattes Spiel auf jeden Fall den Blick.

Débussys revolutionärer Ansatz, Naturimpressionen auf dem Klavier widerhallen zu lassen, hat bis heute seine Aktualität nicht verloren. Olivier Messiaen betrieb dafür sogar Feldforschungen. Ebenso hat sich Tristan Murail, der bei Olivier Messiaen Komposition studierte, von den Kräften und der Magie in der Natur inspirieren lassen: Cloche d'adieu et un sourire bedient sich aus dem Reservoire der Vogel, deren wilde atonale „Aleatorik“ doch die unmittelbarste Antithese zur konservativen Ideologie darstellt, der zu Folge eine Natürlichkeit in der Musik nur durch Dur- und Molltonalität gegeben sei. Dass es dies überhaupt nicht braucht, zeigt Martine Vialatte auch in Tristan Murails fast halbstündigem Bogen, der Territoires de l'oubli, in denen sich filigrane Klangdestillate weiter verästeln. Auch hier ist hörbar, wie die französische Ausnahmepianistin den Flügel in seiner Ganzheit begreift und fantasievoll auskostet. Sie greift dafür ja auch auf ein spektakuläres Werkzeug zurück, nämlich den mächtigen „Konzertflügel opus 102“ aus der Manufaktur von Stephen Paulello – der hat nicht 88 sondern gleich 102 Tasten und verfügt bei einer Gesamtlänge von fast drei Metern über entsprechend mächtige Saiten.

Stefan Pieper [21.03.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1Danseuses de Delphes (aus: 12 Préludes Livre I) 00:03:15
2Voiles (aus: 12 Préludes(Livre I) 00:03:40
3Le vent dans la plaine (aus: 12 Préludes Livre I) 00:02:27
4Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir (aus: 12 Préludes Livre I) 00:03:37
5Les collines d'Anacapri (aus: 12 Préludes Livre I) 00:03:04
6Des pas sur la neige (aus: 12 Préludes Livre I) 00:04:23
7Ce qu'a vu le vent d'ouest (aus: 12 Préludes Livre I) 00:03:45
8La fille aux cheveux de lin (aus: 12 Préludes Livre I) 00:02:32
9La sérénade interrompue (aus: 12 Préludes Livre I) 00:02:33
10La cathédrale engloutie (aus: 12 Préludes Livre I) 00:06:42
11La danse de Puck (aus: 12 Préludes (aus: 12 Préludes Livre I) 00:02:57
12Minstrels (aus: 12 Préludes Livre I) 00:02:27
Tristan Murail
13Cloches d'adieu et un sourire 00:04:10
14Territoires de l'oubli pour piano 00:27:43

Interpreten der Einspielung

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