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CD-Besprechung

Beethoven und die Romantik

Mathias Weber an Richard Wagners Érard-Flügel

Ambitus amb95 609

1 CD • 68min • 2020

15.11.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Im Booklet erklärt der Pianist Mathias Weber den gewählten Titel „Beethoven und die Romantik“: Paradigmen der „Romantische Musik“ seien Musik als Tondichtung, vermehrte Kantabilität, grenzüberflutender Gesang, Erweiterung der klanglichen Farbenpalette, das Fantastische und die formschaffende freie Fantasie sowie oft ein offenes Ende. Das entdeckt er in den vier Beethoven-Sonaten kurz vor dem „Spätwerk“ Beethovens.. Zusätzlich setzt er auf den „romantischen“ Klang des Érard-Pianofortes aus dem Jahre 1858 aus dem Wagner-Museum in Triebschen. Interessanterweise setzt er die romantische Sonate schlechthin, die Mondscheinsonate, an den Schluss.

Nicht ausgesprochen „romantisch“

Und ausgerechnet die Mondscheinsonate spielt Weber nicht ausgesprochen romantisch, will hier mehr die Strukturen hörbar machen und weniger eine Gefühlsüberwallung riskieren. So nimmt er den Kopfsatz sehr großbogig-flüssig, scheinbar absichtlich nicht romantisierend, betont nicht das Atmosphärische, sondern das Kantable. Und im Schlusssatz wirkt es, als wolle Weber den kostbaren Érard-Flügel schonen, betont eher das Fantastisch-Schweifende, aber doch Struktur zeigende als das ungezügelt Stürmische. Ein Zeitvergleich zeigt es: Weber braucht dafür 7:56 Minuten, wo Michael Korstick nach 6:46 endet. Weber ist da in etwa mit Alfred Brendel gleich, der 7:47 Minuten braucht. Und ausgerechnet die Vorschrift „sehr sangbar vorzutragen“ im Finalsatz der Sonate op. 90 in e-Moll kostet Weber nicht genügend aus.

Farbenreichen Klang des Érard-Pianofortes

Seinen vollen, runden und farbenreichen Klang entfaltet das Érard-Pianoforte vor allem in der Sonate op. 101 A-Dur, diesem „Werk der größten unausschöpfbaren Schönheit auf der Schwelle zum letzten Beethoven“ (Theodor W. Adorno). Der erste Satz klingt hier fast wie ein Schumann-Stück, obwohl Weber bei der Vortragsbezeichnung „Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck“ besonders die Lebhaftigkeit herausstellt, so dass dieser Satz sogar etwas Heiter-Munteres bekommt. Rund und empfindsam bleibt Weber auch im zweiten, dem „Marsch“-Satz, ist nicht so bizarr-phantastisch, wie er im Booklet das Romantische beschreibt. Aber schön klanggespinstig hören sich die Pianissimo-Stellen an und deutlich hörbar ist die schöne Klangspreizung des Klavierbasses und des Diskants. Romantisch vom Leder ziehen hätte Weber dann vollends im dritten Satz. Da sucht er nicht nach dem Pathos der Sehnsucht, bleibt fast ein bisschen beiläufig, reizt das „Romantische“ nicht so aus wie beispielsweise Claudio Arrau, der dieses Adagio verdämmernd zelebriert und so zerrissen wie innig gestaltet. Und auch das Finale konturiert Weber nicht mit der fast zornig-klirrenden Entschlossenheit eines Arrau: Er bleibt auch hier moderat.

Rainer W. Janka [15.11.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 26 Es-Dur op. 81a (Les Adieux) 00:17:42
5Klaviersonate Nr. 27 e-Moll op. 90 00:13:52
7Klaviersonate Nr. 28 A-Dur op. 101 00:20:55
11Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27 Nr. 2 (Mondscheinsonate) 00:15:14

Interpreten der Einspielung

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