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CD-Besprechung

Haydn

Eight Early Sonatas

Ondine ODE 1360-2D

2 CD • 2h 16min • 2019

13.09.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Joseph Haydn gehört zu den besonders innovativen Komponisten seiner Zeit: Nicht nur die Sinfonie, auch vielfältige Formen der Kammermusik hat er für die kommenden Generationen geprägt – neben der Gattung des Streichquartetts, auf die er nahezu ein Urheberrecht beanspruchen könnte, tragen auch seine Klaviersonaten Vorbildcharakter. Dabei dauerte es einige Zeit, bis er sich entschloss, seine erste Sammlung solcher Sonaten zu veröffentlichen: 1774, und da besaß er schon gut und gerne 20 Jahre experimentelle Erfahrung in dem Genre.

Juwelen der Klaviermusik

Auf dieser CD versammelt Tuija Hakkila acht frühe Klaviersonaten aus Haydns Feder, die einen Einblick in die Werkstatt des Komponisten erlauben, und auf welche Weise er die Übertragung der inzwischen bereits mehr als einhundertjährige Sonatenform auf Musik für das Klavier solo voranbrachte: Dieselben aus Italien importierten Formprinzipien, die auch seine Sinfonik seit den 1750er Jahren beflügelten, verleihen auch seinem frühen Schaffen im Bereich der Klaviersonate einen innovativen Nimbus: Von zwei bis vier Sätzen erstrecken sich die Stücke, schnelle Ecksätze – in den ersten Sätzen mit gelegentlich langsamer Einleitung – bestimmen das Bild, die Mittelsätze enthalten in viersätzigen Werken einen langsamen Satz, dreisätzige Kompositionen präsentieren als zweiten Satz meist ein Menuett. Ein wichtiger Einfluss ist übrigens durch Haydn selbst bezeugt, indem er Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), einem anderen Pionier der Klaviersonate, höchsten Respekt zollte: „Wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke, dass ich ihn verstanden und fleißig studiert habe.“

Zwei großartige Hammerklaviere

Tuija Hakkila hat für diese CD zwei Instrumente ausgesucht, die auf ausgesprochen hohem Niveau die Entwicklung im Bau von Fortepianos von den späten 1740er bis in die 1790er Jahre bezeugen. Das ältere ist eine Kopie eines Hammerklaviers von Gottfried Silbermann von 1747 – an Silbermanns Entwicklung dieses neuen Claviertyps war auch J. S. Bach mit kritischem Interesse beteiligt; das zweite ist ein Wiener Fortepiano aus den 1790er Jahren (heute in Hakkilas Besitz), das aus der Werkstatt eines anonym gebliebenen Klavierbauers stammt und in seinem Klang den berühmten Instrumenten von Anton Walter nahesteht. In den zum Vergleich herangezogenen Aufnahmen spielt Ronald Brautigam eine Kopie von McNulty nach einem Fortepiano von Anton Walter (1795), während Christine Schornsheim den Nachbau eines bundfreien Clavichords von Joseph Gottfried Horn (1788), Cembali von Dowd (Paris, 1976) und Kirckmann (London, 1777) und Fortepiano (Louis Dulcken, Müchen, 1773) verwendet – eine besonders verdienstvolle klangliche Annäherung an die Breite der möglichen Instrumente für Haydns frühe Klaviermusik. Jérome Hantaï spielt auf einem Fortepiano von 1788 aus der Werkstatt von Pascal Taskin, das in der Klangwelt des Hammerklaviers einen besonderen – ähnlich den französischen Cembali dieser Zeit – strahlenden, aber auch in Register aufgefächerten analytischen Klang bietet. Das ermöglicht einen typisch französischen sozusagen „rationalistischen“ Aufbau der Interpretation, ohne dass dabei dem musikalischen Fluss der geringste Abbruch zugefügt würde.

Mustergültige Interpretationen

Für diese Besprechung sind Vergleichseinspielungen ausgewählt worden, die in der Bewertung nach Einschätzung des Rezensenten jede für sich eine Höchstbenotung beanspruchen könnten. Dabei deuten die Unterschiede zwischen den einzelnen Interpretionen keinen Rangabstand an, sie zeigen lediglich zwei Umstände: Einerseits die Bandbreite der Möglichkeiten, Haydn authentisch zu interpretieren; andrerseits, in welchem Maß ein Interpret sich seinem Instrument anvertrauen muss, um darauf eine glaubwürdige Darstellung dieser Musik zu realisieren. Deswegen lohnt es ja auch sehr, verschiedene Aufnahmen der gleichen Stücke zu hören, um einen allseitigen Eindruck vom umfassenden Charakter der Komposition zu gewinnen: vom Interpreten ebenso wie vom Instrument, auf dem die Einspielung gespielt wurde. Frau Hakkila agiert in perfekter Harmonie mit den beiden Hammerklavieren, deren Entstehung immerhin knappe 50 Jahre trennt. Im übrigen gelingt ihr mit Charme und Energie eine Darstellung von Haydns frühem Sonatenschaffen, mit der die Aufbruchsstimmung des jungen, vorwärts drängenden Komponisten ebenso zum Vorschein kommt wie die Vorahnung des Klassikers in seinen frühen Kompositionen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch der informative Werkkommentar im Beiheft dieser CD, den Tuija Hakkila selbst mit Einfühlung und Liebe zur Sache verfasst hat – zwei Eigenschaften, die ja auch ihre Interpretation auf dieser Doppel-CD auszeichnen.

Vergleichseinspielungen: Ronald Brautigam (Fortepiano), 15 CDs: BIS-1731 CD9975 (Aufnahmejahr: 2009)

Christine Schornsheim (Cembalo, Clavichord, Fortepiano), Download: Capriccio C494049975 (Aufnahmejahr: 2005)

Hob. XVI:44 + Hob. XVI:46: Jérôme Hantaï (Fortepiano), CD: Ambroisie AMB 9975 (Aufnahmejahr: 2004).

Detmar Huchting [13.09.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Klaviersonate G-Dur Hob. XVI:6 00:16:29
5Klaviersonate E-Dur Hob. XVI:13 00:11:35
8Klaviersonate A-Dur Hob. XVI:12 00:10:54
11Klaviersonate e-Moll Hob. XVI:47 00:13:39
14Klaviersonate g-Moll Hob. XVI:44 00:14:12
CD/SACD 2
1Klaviersonate As-Dur Hob. XVI:46 00:23:41
4Klaviersonate D-Dur Hob. XVI:19 00:21:45
7Klaviersonate c-Moll Hob. XVI:20 00:23:41

Interpreten der Einspielung

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