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CD-Besprechung

Hans Eklund

Symphonies 3, 5 & 11

cpo 555 087-2

1 CD • 60min • 2016

10.08.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Hans Eklund komponierte zwischen 1958 und 1998 insgesamt 13 Symphonien und gehört damit zu den produktivsten schwedischen Symphonikern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bislang vermittelten nur wenige kommerzielle Einspielungen einen Eindruck von seiner Musik, weswegen die Idee, erstmals eine ganz der Eklundschen Symphonik gewidmete CD herauszubringen, grundsätzlich zu begrüßen ist.

Unendliche Verzweiflung

Wiederholt ist Eklund mit Allan Pettersson verglichen worden. Dies lässt sich insofern verstehen, als dass es auch in seinen Symphonien keineswegs lustig zugeht. Wie man in Stig Jacobssons informationsgesättigten Anmerkungen liest, gehörte Eklund zu den wenigen Kollegen, mit denen Pettersson Umgang pflegte. Beide zogen sie aus einer „unendlichen“ Verzweiflung an der Lage der Welt ihre Energie zum künstlerischen Schaffen, beide standen abseits avantgardistischer Moden, bekannten sich zur Tonalität wie zum expressiven Potential der Dissonanzen und äußerten sich vorzugsweise symphonisch. Dennoch lassen sich, bei all diesen Gemeinsamkeiten, die beträchtlichen Unterschiede zwischen Pettersson und Eklund nicht überhören. So sind die Symphonien Eklunds in mehrere Sätze unterteilt und sämtlich ziemlich kurz: Mit einigem Abstand die längste unter den drei hier eingespielten ist die 27-minütige Nr. 11, die seltsamerweise Sinfonia piccola heißt. An der Vorliebe für eine ausgesparte Instrumentation und den Kontrast zwischen klanglich homogenen Instrumentengruppen zeigt sich außerdem, dass Eklund ein dankbarer Schüler Lars-Erik Larssons gewesen ist.

Starre Motive, scharfe Kontraste

Eklund baut seine Formen aus knappen, prägnanten Motiven, die er im Verlauf der Stücke auf verschiedene Weise abwandelt, ohne dass er ihre Starrheit in Geschmeidigkeit überführt – ein Verfahren, das an Janáček erinnert, oder auch an Ture Rangström. Scharfe Kontraste sorgen für eine stets gespannte Atmosphäre: Hochfahrenden Zornesgesten, die mitunter zu apokalyptischen Ausbrüchen gesteigert werden, stehen zurückhaltend instrumentierte Klagegesänge gegenüber (im Schlussteil der Elften Symphonie wird auch das Dies Irae zitiert). Am Ende verschwindet in jedem der hier eingespielten Werke die Musik im Nichts.

Unterkühlte Aufführungen

Für die Ausführenden besteht die Herausforderung der Musik Eklunds darin, über alle Kontraste hinweg den Zusammenhang hörbar zu machen, die Formung als Wechselspiel von Extremen herauszuarbeiten. Leider lässt Dirigent Hermann Bäumer diesbezüglich Wünsche offen, was umso mehr zu bedauern ist, als ihm mit dem Symphonieorchester Norrköping ein wunderbares, allen technischen Anforderungen gewachsenes Ensemble zur Verfügung steht, und auch die Tontechnik meisterliche Arbeit geleistet hat. Man kann nicht sagen, dass es Bäumers Darbietungen an den lauten Stellen an physischer Wucht fehlte. So beeindruckt etwa der Beginn der Dritten Symphonie durchaus. Die bald darauf einsetzenden Streicherlinien werden allerdings mit zu wenig Sorgfalt artikuliert. Ich kann nicht glauben, dass der Komponist hier artig Ton an Ton gereiht wissen wollte, und stelle mir stattdessen vor, wie diese Melodien klingen könnten, hätte der Dirigent sie als Drängen von Ton zu Ton spielen lassen. Gerade wenn in leisen Abschnitten Pausen die Musik zerklüften oder sich der Satz bis zur äußersten Spärlichkeit ausdünnt, läuft Bäumer Gefahr, den Faden zu verlieren (deutlich zu hören im Kopfsatz der Elften Symphonie). Aber auch im Fortissimo, namentlich in marschartigen Passagen, bewirkt eine zu gleichförmige Artikulation häufig, dass die Musik an Lebendigkeit verliert, in einen mechanischen Trott gerät.

Immerhin: Eine Vorstellung von der starken Künstlerpersönlichkeit des Komponisten bekommt man auch durch diese unterkühlten Aufführungen. Hans Eklund ist eine Stimme, die Gehör verdient.

Norbert Florian Schuck [10.08.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Eklund
1Sinfonie Nr. 3 (Sinfonia rustica) 00:13:41
4Sinfonie Nr. 5 (Quadri) 00:18:56
7Sinfonie Nr. 11 (Sinfonia piccola) 00:27:11

Interpreten der Einspielung

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