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CD-Besprechung

Johann Pachelbel

Magnificat

cpo 777 707-2

1 CD • 75min • 2017

13.04.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das straffe, entschlossene Musizieren ist der bestimmende Eindruck, der von dieser schönen Pachelbel-Produktion zurückbleibt. Chor und Orchester der Himlischen Cantorey, die 1995 in Hamburg gegründet wurde und hier unter der Leitung des Tenors Jan Kobow auftritt, haben keine Scheu vor nachdrücklicher Artikulation. Das ist in der Alte-Musik-Szene heutzutage keine Selbstverständlichkeit, gefallen sich doch viele historisch informierte Ensembles darin, die ohnehin schon kleiner gebauten und enger mensurierten Barock-Instrumente möglichst schüchtern zu streichen und zu blasen und somit einen unnötig fragilen Klang zu produzieren, dessen Manieriertheit oftmals störend hervortritt.

Expressives Musizieren

Mit gerade einmal zwei Stimmen pro Register ist das Vokalensemble der Himlischen Cantorey nicht gerade üppig besetzt, doch die insgesamt zehn Sänger, unter denen sich auch die Solisten befinden, singen kraftvoll, zwar vibratoarm und gerade, wie man es heute erwartet, doch ohne die kalte Sterilität, die sich dabei oft einstellt. Vor allem aber halten sowohl Sänger als auch Instrumentalisten die Töne aus und gestalten auch längere Phrasen mit einer Stabilität und Gleichmäßigkeit, die vielerorts unerklärlicherweise aus der Mode gekommen ist – aber unbedingt notwendig, um bei mehrstimmigen Sätzen Ausgewogenheit herzustellen. In den vier ausgewählten Magnificats – die übrigens fast ein Drittel aus Johann Pachelbels Vertonungen des Textes repräsentieren –, werden polyphone Abschnitte in allen Stimmen so prägnant artikuliert, dass sich gleichermaßen hohe Durchhörbarkeit wie Schlagkräftigkeit der chorischen Anlage herstellt. Man höre etwa die späte Missa brevis in D-Dur, in der auch die oft untergehenden Mittelstimmen durchweg deutlich vernehmbar sind.

Keine Furcht vor Klangentfaltung hat auch das Orchester, das im Kern solistisch besetzt ist, auch im eher schlicht gehaltenen Basso Continuo, zu dem aber in den beiden Magnificats in C-Dur PWV 1502/PWV 1504 ein prachtvoller Trompetenchor samt Pauken hinzutritt: gebührend virtuos und schmetternd, doch ohne martialisch einschüchternde Attitüde. Ein Kabinettsstück für sich ist, wie beherzt erdig und knarzend der Dulcian, eine Spielart des barocken Fagotts, die sonst oft nur als funktional aufgefasste Bassstimme ausführt.

Geistliche Konzerte

Das umfangreiche Programm dieses Albums stellt Pachelbels lateinische Kirchenmusik in den Vordergrund, in welcher sich der protestantisch getaufte Komponist offen gegenüber süddeutschen und somit katholischen Einflüssen zeigte. Willkommene Abwechslung bieten zwei der wichtigsten deutschsprachigen geistlichen Konzerte aus Pachelbels Feder, „Vergeh doch nicht, du armer Sünder“, in welchem der Ensembleleiter Jan Kobow selbst seinen sonoren, fast baritonal timbrierten Tenor hören lässt, und „Meine Sünde betrüben mich“ mit dem in feinen Schattierungen leuchtenden Sopran-Solo von Veronika Winter. Letztgenanntes Konzert übrigens verwendet in den Streichern das noch vergleichsweise junge Stilelement des langsamen Tremolos und zeigt, wie vertraut der Komponist mit aktuellen Kompositions- und vor allem Ausdruckstechniken war. Abgesehen davon, dass man hier einen Einblick in Johann Pachelbels Schaffen jenseits des populären Kanons D-Dur erhält, ist dieses Album ein Dokument aufgeklärten, doch gleichzeitig expressiven historisierenden Musizierens.

Dr. Michael B. Weiß [13.04.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Pachelbel
1Magnificat in C PWV 1502 00:18:36
2Meine Sünden betrüben mich in Es PWV 1221 00:09:22
3Magnificat in F PWV 1511 00:12:55
4Missa in D PWV 1302 00:06:53
7Magnificat in g PWV 1513 00:03:45
8Vergeh doch nicht, du armer Sünder in c PWV 1225 00:10:18
9Magnificat in C PWV 1504 00:12:02

Interpreten der Einspielung

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