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CD-Besprechung

d'Ombres

Élodie Vignon

Cyprés CYP4658

1 CD • 56min • 2019

06.02.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

In Deutschland kam man sie wohl mit Fug und Recht als Geheimtipp bezeichnen, die in Belgien lebende französische Pianistin Élodie Vignon. Nach ihrem Studium in Lyon wechselte sie nach Brüssel, um dort bei Daniel Blumenthal und schließlich auch Nelson Delle-Vigne Fabbri zu studieren. Letzterer gehört noch zu den Schülern Claudio Arraus und Georges Cziffras. Vignon scheint nichts zu überstürzen: Seit inzwischen neun Jahren ist sie Artist-in-Residence der Bell’arte Foundation und hat darüber die Möglichkeit, auf der ganzen Welt aufzutreten. Inzwischen hat sie sich auch einen Namen gemacht als Interpretin weniger bekannter Werke. Ihr erstes Album bei Cypres erschien allerdings erst 2018, war da aber schon ein voller Erfolg und zeigte ihr Können sowie ihr musikalisches Profil: Die Aufnahme aller Études von Claude Debussy hatte sie kombiniert mit extra hierfür entstandenen Gedichten des belgischen Dichters Lucien Noullez. Die Reaktion der Presse war deutlich und seitdem gilt sie als eine der führenden Debussy-Interpretinnen. Auch bei ihrem neuen Album, das soeben erschienen ist, bleibt sie bei der französischen Klavierliteratur – und bei einer interessanten Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.

Geheimtipp(s) aus Frankreich

Auf dem neuen Album „D’ombres“ setzt sie laut eigener Aussage den Weg von Claude Debussy fort mit der Musik Henri Dutilleux‘ sowie einer Auftragskomposition von Claude Ledoux (* 1960), der sich selber von seiner Jugend an mit den Werken Dutilleux‘ beschäftigt hat. Élodie Vignon zäumt das Pferd zeitlich gesehen von hinten auf und beginnt eindringlich mit Ledoux‘ neuem Werk, das sie für diese Aufnahme in Auftrag bei ihm bestellt und er ihr auf den Leib geschrieben hat. Hier erweist sich die Pianistin als ausgesprochen mutig im Konzept der CD und zugleich als ausgezeichnete Interpretin zeitgenössischer Musik. Die Werke von Henri Dutilleux, die sich von der Tradition Claude Debussys, Maurice Ravels und Albert Roussels her entwickeln, sind hierzulande eher weniger bekannt. Eigentlich bedauerlich, wie man bei Vignons Einspielung feststellen muss. Auch bei den beiden Beiträgen aus seiner Feder wählt sie den umgekehrten Weg und beginnt mit Dutilleux‘ „Trois préludes“, die zu verschiedenen Zeitpunkten entstanden und erst 1994 als Sammlung herausgegeben wurden. Sie zeigen seine Entwicklung sowie seine bewusste Distanz zum eher unterhaltsamen Charme der französischen Musik in der späteren Phase seines Schaffens. Voller Spannung und dennoch großer Ruhe steigt Vignon mit „D’ombre et de silence“ ein, immer glasklar und sehr bewusst im Anschlag. Kontrastreich gelingt ihr auch das zweite Prélude, das immer wieder zum Anfangs-Akkord zurückkehrt sowie das ebenso kontrastreiche dritte Prélude. Nachdem Dutilleux hier stark nach Neutöner klingt, macht Vignon bei ihrer Aufnahme mit der abschließenden Klaviersonate einen zeitlichen und stilistischen Rückschritt. In der zwischen 1946 und 1948 entstandenen Klaviersonate des Komponisten werden die Bezüge zu den Vorgängern eher deutlich und hörbar. Vignon spielt das komplexe Werk mit großer Virtuosität und technischer Perfektion, ebenso mit großem Verständnis für Dutilleux‘ epochenüberschreitende Klangsprache. Somit sind es gleich mehrere Geheimtipps, die man mit dieser Aufnahme entdecken kann.

Verena Düren [06.02.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Ledoux
1Surgir 00:16:31
Henri Dutilleux
3D' ombre et de silence (Prélude) 00:03:28
4Sur un même accord (Prélude) 00:03:19
5Le Jeu des contraires (Prélude) 00:07:22
6Sonate für Klavier 00:25:40

Interpreten der Einspielung

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