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CD-Besprechung

3 Aspects of Emotions

Ravel • Petrovic • Scriabin

Paraty 209187

1 CD • 69min • 2018

16.01.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das ewige Kontinuum von Ozeanwellen saugt den Betrachter und mehr noch den Hörer dieser Geräuschwelt tief ein. Einzeltöne lösen sich auf, die wiederum größere Einheiten bilden. Wenn Wellen in abrupten Bewegungen brechen, ist dies wie ein in sich ruhender Unruhezustand. Er ist allgegenwärtig - auch wenn er pianistisch in den höchsten Höhen aber auch dunkelsten Tiefen aufbrandet. Wenn Vanya Pesheva in ihrem Spiel die Wassernymphe Ondine imaginär beschwört, dann entfaltet im ersten Stück von Ravels Triologie Gaspard de la Nuit die erfrischend freie Agogik im Spiel der Bulgarin viel unmittelbare Bildkraft.

Nach so viel Überwältigung gleich zu Beginn besteht die hohe Kunst darin, diesen emotionalen Level über ein ganzes Programm hin durchzuhalten. Auf ihrer aktuellen CD setzt Vanya Pesheva mit nicht weniger als drei herausragenden Aspekten von Emotion die Messlatte denkbar hoch. Ein kluger dramaturgischer Bogen, der allein schon in Ravels Trilogie Gaspard de la Nuit angelegt ist, liefert die solide Basis für dieses Unterfangen. Maurice Ravels makabres Bild eines Erhängten im Stück Le Gibet ist nicht nur düster, sondern atmet eine eigenwillige Mystik. Um diese herauszuarbeiten, lässt sich Vanya Pesheva bei den Betonungen der stoischen Pendelbewegung nicht aus der Ruhe bringen. In einer artistisch kühnen Entwicklungskurve treibt danach das dritte Stück aus Gaspard de la Nuit alle expressiven und pianistischen Abenteuer auf die Spitze. Trotz aller Wucht durchmisst Vanya Pesheva diesen polytonalen und -metrischen Kosmos mit souveräner, manchmal leichtfüßiger Präzision, wo andere dieses Stück längst für unspielbar halten.

Farbenreichtum und Ausdrucksdichte

Was lässt sich nach Ravels ungefiltertem Farbenreichtum musikalisch noch sagen? Albena Petrovics Mirages wirken wie eine subjektive Antwort aus dem 21. Jahrhunderts. In vier langen Stücken entfaltet sich ein rhapsodisches Geflecht, bei dem ein einziger Bordun-Ton auf einer Art Glocke den roten Faden vorgibt. Aus Clustern und atonalen Arpeggien entsteht eine fast improvisatorische Rhetorik. Vanya Peshevas Anschlagsfinesse und ihre Klanggestaltung sorgen weiterhin für Ausdrucksdichte – auch und gerade, wo die Tonsprache jetzt minimalistischer, dafür hypnotischer als beim orgiastischen Ravel anmutet.

Alexander Scriabins Sonate Nr. 5 schließt den Kreis und knüpft an die aufbrausenden Elementargewalten und aufgetürmten pianistischen Herausforderungen des Anfangs an. Vanya Pesheva lässt trotz der wahnwitzigen Dichte an Tönen, Rhythmen und Harmonien immer noch Raum für Kontemplation und zeigt sich allen Stimmungswechseln diesen vielen Aspekten von Emotion bis zum letzten Ton hochmotiviert gewachsen.

Stefan Pieper [16.01.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Maurice Ravel
1Gaspard de la nuit 00:23:35
Albena Petrovic Vratchanska
4Mirages 00:31:06
Alexander Scriabin
8Klaviersonate Nr. 5 Fis-Dur op. 53 00:14:26

Interpreten der Einspielung

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