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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Frédédric Chopin

Late Piano Works Vol. 2

MDG MDG 947 2088-6

1 CD/SACD stereo/surround • 76min • 2018

20.12.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Die erste Folge der Einspielung später Klavierwerke Frédéric Chopins hat der in Shanghai geborenen Jin Ju eine Auszeichnung der Jury des Grand Prix du Disque Frédéric Chopin eingebracht. Eine große Ehre, mit der allerdings auch hohe Erwartungen an die nun erschienene Folge 2 verknüpft sind. Die hierauf versammelte Mazurken- und Walzer-Auswahl, die Berceuse op. 54, eine Transkription des Largo aus der Cellosonate op. 65 aus der Feder von Alfred Cortot und die Sonate Nr. 3 h-Moll op. 58 – all das zeigt eine Pianistin, die nicht alleine das gesamte manuelle Rüstzeug mitbringt, sondern auch Eleganz, Tonmalerisches und Energie vortrefflich miteinander zu verbinden weiß; eine Pianistin mit einem wachen Gespür für das Singende und Erzählende, ohne dabei das polyphone Stimmgeflecht des Klaviersatzes Chopins zu vernachlässigen; eine Künstlerin, die höchst transparent und mit einer bewundernswerten Anschlagskultur agiert. Es ist also alles da, um dem Lyrischen, Dramatischen und Introvertierten in Chopins spätem Klavierschaffen gerecht zu werden. Trotzdem hat eine Chopin-Einspielung selten so widersprüchliche Gefühle in mir ausgelöst. Das gilt vor allem für die h-Moll-Sonate, insbesondere für den weit ausgreifenden Kopfsatz mit seiner rhythmischen und melodischen Vielfalt. Ihn habe ich schon deutlich zupackender, kontrastreicher, spannungsvoller, ja auch flüssiger gehört; die Bandbreite in Sachen Dynamik und Ausdruck wird für meinen Geschmack zu wenig ausgereizt; Jin Jus Rubato und ihre agogischen Finessen kommen immer wieder etwas manieriert daher; auch erkenne ich kein Zentrum oder Ziel, auf das die Pianistin zusteuert. Und doch: Jin Jus Interpretation der h-Moll-Sonate strahlt Eindringlichkeit und eine ganz besondere Ruhe aus: eine Art unaufdringliche Leidenschaft, die Dramatisches, Verspieltes, Träumerisches und fast schon Erstarrendes sehr beredt ausbreitet, ohne diese Züge überzustrapazieren oder zu beschönigen.

Die Mazurken hinterlassen ebenfalls einen etwas zwiespältigen Eindruck. Ihre Gefühlswelten klingen in Jin Jus nicht zu ungestümen Lesart zwar tief empfunden, rücken aber trotz ihrer Unterschiedlichkeit für meinen Geschmack zu eng zusammen und verlieren dadurch an Profil. Dafür glänzt die Pianistin mit raffinierten und betörenden Klangfarben sowie einem sehr gezielt eingesetzten und sehr organisch wirkenden Rubato. Nicht zuletzt versteht sie es vorbildlich, die improvisatorischen Momente dieser Miniaturen wie unter einer Lupe zu verdeutlichen.

Hinterlässt diese Chopin-Einspielung bei mir doch einige Fragezeichen, so bewundere ich doch die Ruhe und Abgeklärtheit, mit der Jin Ju besonders der h-Moll-Sonate begegnet.

Christof Jetzschke [20.12.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58 00:37:14
5Berceuse Des-Dur op. 57 00:04:54
6Walzer Des-Dur op. 64 Nr. 1 00:01:50
7Walzer cis-Moll op. 64 Nr. 2 00:03:29
8Walzer As-Dur op. 64 Nr. 3 00:02:45
9Mazurka op. 56 Nr. 1 00:04:26
10Mazurka C-Dur op. 56 Nr. 2 00:01:57
11Mazurka c-Moll op. 56 Nr. 3 00:05:44
12Mazurka H-Dur op. 63 Nr. 1 00:02:14
13Mazurka f-Moll op. 63 Nr. 2 00:01:48
14Mazurka cis-Moll op. 63 Nr. 3 00:02:05
15Mazurka g-Moll op. 67 Nr. 2 (op. posth.) 00:01:36
16Mazurka a-Moll op. 67 Nr. 4 (op. posth.) 00:02:46
17Mazurka f-Moll 00:03:38
18Sonata g minor op. 65 for Violoncello and Piano 00:04:13

Interpreten der Einspielung

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