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CD-Besprechung

Il Postiglione

Laura Schmid

Ars Produktion ARS 38 561

1 CD • 74min • 2017

09.08.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

August der Starke war ab 1694 Kurfürst von Sachsen und ab 1697 König von Polen – für diese Krone konvertierte er, der Fürst eines der Stammlande der Reformation, zum Katholizismus. Seine Hauptstadt Dresden ließ August zu einer prachtvollen Barockresidenz ausbauen, zu jenem „Elbflorenz“, das nach der katastrophalen Zerstörung am Ende des 2. Weltkrieges in alter Schönheit wiederaufgebaut wurde.

Das Musikleben in der Dresdner Residenz stand schon vor dem 18. Jahrhundert in einer reichen Tradition: 1548 hatte Kurfürst Moritz von Sachsen die Hofkapelle gegründet – auf dieses Jahr führt die Sächsische Staatskapelle Dresden noch heute ihre Gründung zurück und nennt sich stolz eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester der Welt. Bei der Neugestaltung Dresdens unter August dem Starken errichtete sein Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann 1719 in der Nachbarschaft des Zwingers auch ein neues prächtiges Opernhaus; und August zog auch Musiker von internationalem Ruf an seinen Hof.

Unter ihnen die drei Komponisten dieser CD: Johann Adolph Hasse (1699-1783), von den Italienern mit dem Beinamen „Il divino sassone“ versehen (wobei unter Sassone natürlich nicht „Sachse“ sondern „Deutscher“ zu verstehen ist) kam mit seiner Frau, der Primadonna Faustina Bordoni, und leitete das Opernhaus, bis es nach dem Tod von Friedrich August II. 1763 geschlossen werden musste – zwei prachtliebende Herrscher und zuletzt der für Sachsen/Polen verhängnisvolle Siebenjährige Krieg hatten das Land an den Rand des finanziellen Ruins gebracht. Jan Dismas Zelenka (1679-1745), spätbarocker Schöpfer überaus eigenständiger und unkonventioneller Musik, bewarb sich ebenfalls um das Amt des Hofkapellmeisters, unterlag aber Hasse, wurde lediglich 1733 zum „Hofkomponisten“ ernannt, zwei Jahre später zum „Kirchen-Compositeur“, was seine Aufgaben als Leiter der geistlichen Hofmusik beschreibt. Francesco Maria Veracini (1690-1768) war ein echter Stargeiger: Seine Kompositionen waren Publikumsrenner, seine Virtuosität auf der Violine trieb seine Konkurrenten zur Verzweiflung, und seine Exzentrizität umgab ihn mit dem Mythos des Unglaublichen. Seit er einmal vor Zorn – oder in einem Anfall geistiger Umnachtung – aus dem Fenster gesprungen war, hinkte er. Schon damals adelten diabolische Züge berühmte Musiker, auch darin war Veracini ein Vorläufer Niccolò Paganinis. 1718 engagierte Kurprinz Friedrich August, der Sohn Augusts des Starken, den Teufelsgeiger nach Dresden, sobald er in Venedig seine Bekanntschaft gemacht hatte. 1722 verließ Veracini die sächsische Metropole wieder, doch blieb die Verbindung zu Friedrich August bestehen.

Laura Schmid, 1989 in Stuttgart geboren, studierte an den Musikhochschulen Trossingen und Bern, schloss ihr Studium 2016 mit Auszeichnung ab und wirkt seither als vielfach mit Preisen bedachte Virtuosin auf der Blockflöte. Sie hat für diese CD ein vielseitiges Programm aus Originalstücken und Bearbeitungen zusammengestellt, das sie mit Einfühlung, Fantasie, Tonschönheit und Grazie präsentiert. Die Generalbassbegleiter sekundieren ihr dabei mit Temperament und Schwung, allerdings weniger einfühlsam, als es seinerzeit Guido Morini und Alain Gervreau auf der Aufnahme mit Violinsonaten von Veracini mit dem Geiger Enrico Gatti taten – einige erklingen auch auf dieser CD in Übertragung für Blockflöte.

Vergleichseinspielung: Veracini: Enrico Gatti (Violine), Guido Morini (Violoncello), Alain Gervreau (Cembalo), CD: Arcana A456 (AD: 1995).

Eduard Finke [09.08.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Adolf Hasse
1Sonate D-Dur op. 2 Nr. 2 00:08:13
Francesco Maria Veracini
6Sonata Pasticcio d-Moll 00:11:20
10Sonate F-Dur 00:07:02
Jan Dismas Zelenka
14Canoni ZWV 191 00:05:32
Francesco Maria Veracini
15Sonate a-Moll (coll. hist. aus Sonate a Violino solo, e Basso op. 1, Dresden 1721) 00:16:27
Johann Adolf Hasse
20Sonate D-Dur op. 2 Nr. 1 00:08:09
24Prelude B-Dur für Cembalo 00:03:11
Francesco Maria Veracini
25Sonata Nr. 9 g-Moll 00:10:37
29Ciaconna G major op. 2 No. 12 00:03:57

Interpreten der Einspielung

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