Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Alberto Nepomuceno

Symphony in G minor

Alberto Nepomuceno

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 07.06.19

Klassik Heute
Empfehlung

Naxos 8.574067

1 CD • 69min • 2018

Die vorliegende CD mit Orchesterwerken von Alberto Nepomuceno (1864-1920) markiert den Beginn der neuen Reihe „The Music of Brazil“, für die Naxos in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Außenministerium plant, auf zunächst ca. 30 CDs etwa 100 historisch bedeutsame Werke für die Entwicklung der brasilianischen Orchestermusik einzuspielen – jenseits bekannter Größen wie Villa-Lobos oder Camargo Guarnieri.

Nepomuceno studierte nach ersten Erfolgen in seinem Heimatland ab 1888 sieben Jahre an einigen bedeutenden Institutionen in Europa, u.a. in Paris Orgel bei Alexandre Guilmant und in Berlin Komposition beim Brahms-Intimus Heinrich von Herzogenberg. Nach seiner Rückkehr nach Brasilien 1895 war er einer der ersten, der in die bis dato europäisch geprägte Kunstmusik Elemente der brasilianischen Folklore einbrachte, dort gleichzeitig die Moderne bekanntmachte und den Boden etwa für die Karriere von Villa-Lobos bereitete. Bis zu seinem Tod gab er dem Musikleben in Rio de Janeiro entscheidende Impulse.

Das vorgestellte Hauptwerk des Albums ist seine Symphonie g-Moll von 1893, formal tatsächlich nahe an Brahms – betrachtet man jedoch die üppige Instrumentation genauer, wird man feststellen, dass Nepomuceno Wagners Ring oder Liszts symphonische Dichtungen genau studiert haben muss, also auch Einflüsse der Neudeutschen vorhanden sind. Und emotional ist hier von brahmsischer Zurückhaltung keine Spur – die Vortragsangabe con enthusiasmo schon im Kopfsatz ist durchaus wörtlich zu nehmen. Das Werk kann neben anderen zeitgenössischen Symphonien mühelos bestehen, so sicher bewegt sich der Komponist in seinem Metier. Recht eigenständig ist das Intermezzo, das im Scherzo an die Stelle eines gewöhnlichen Trios tritt.

Noch charakteristischer erscheint Nepomucenos Série brasileira (1891), eine Orchestersuite, die bereits zahlreiche typisch brasilianische Elemente – vor allem rhythmischer Natur – sowie einige Exoten im Schlagwerk einbringt. Der abschließende Batuque ist hinreißend! Das Vorspiel zur Fragment gebliebenen Oper O Garatuja (1904) geht da noch weiter und wurde selbst von Richard Strauss aufs Konzertprogramm gesetzt.

Die eigentliche Überraschung dieser CD ist aber das erst 2008 in Belo Horizonte gegründete Orquestra Filarmonica de Minas Gerais. Mit seinen 90 Spielern gelingt dem aus São Paulo stammenden Chefdirigenten Fabio Mechetti – Malko-Preisträger 1989 – eine makellose Darbietung aller drei Werke. Dieses in Europa noch weitgehend unbekannte Orchester ist schlicht Weltklasse: Die Präzision des Zusammenspiels, der eher weiche, dennoch durchsichtige Streicherklang, die hervorragenden Bläsersoli in der Suite, aber natürlich vor allem die Begeisterung und Verve, mit der hier für den Landsmann Nepomuceno geworben wird, können vollends überzeugen. Da steckt Liebe im Detail, alles ist durchdacht: Von der kleinsten musikalischen Zelle bis zur Entfaltung längerer Entwicklungen vollzieht sich dies mit schönster Natürlichkeit. Auch die Aufnahmetechnik ist ordentlich, jedoch nicht überragend.

Man kann nur hoffen, dass Jair Bolsonaros Sparpläne bei der Kulturpolitik seines Landes dieses anspruchsvolle Projekt nicht gefährden.

Martin Blaumeiser [07.06.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Nepomuceno O Garatuja (Prelude) 00:09:12
2 Série Brasileira 00:24:52
6 Sinfonie g-Moll 00:33:43

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Minas Gerais Philharmonic Orchestra Orchester
Fabio Mechetti Dirigent
 
8.574067;0747313406777

Bestellen bei jpc

 

 

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc