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CD-Besprechung

Matthew Shlomowitz

Electric Dreams

Matthew Shlomowitz

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 16.01.19

Klassik Heute
Empfehlung

Klangdebüts KUG 56

1 CD • 61min • 2018

Mit der aktuellen britischen Fernsehserie gleichen Titels nach Erzählungen Philipp K. Dicks hat die Oper Electric Dreams, mit der Matthew Shlomowitz vor anderthalb Jahren den Opernwettbewerb des Landes Steiermark gewann, nichts zu tun. Eine Inspirationsquelle war für den australischen Autor und Komponisten (Jahrgang 1975) vielmehr die 1991 veröffentlichte Studie „Postmodernism or The Cultural Logic of Late Capitalism“ von Fredric Jameson, die uns in die Medienwelt der 80er Jahre führt mit ihrer noch ungebrochenen Ideologie des „anything goes“.

Es geht in dem Stück um den Totalterror medialer Reizüberflutung und die planmäßige Verdeppung des Menschen, der diesem Terror ausgeliefert ist. Aber Shlomowitz entwickelt keinen säuerlich-kulturkritischen Traktat, sondern entfesselt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln musikalischen Humors eine mitreißende Show, in der die „message“ keineswegs auf der Strecke bleibt. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung stehen hier in gleicher Wertigkeit nebeneinander. E- und U-Musik werden lustig durcheinandergequirlt, der Synthesizer verbindet sich mit dem klassischen Kammerorchester. Eine Mezzosopranistin singt den Hotel-Weckruf in verschiedenen Sprachen auf verfremdete Mahler-Musik, aber auch Wetterberichte, Fußball-Reportagen, Werbung für Kaffee und Autos und Game-Shows werden mit gesanglichen Mitteln charakterisiert und persifliert. Die irrsinnige Apotheose des Supermarkts bildet den Abschluß der Reise, die ein junger Mann (der Schauspieler Lukas Schmidt) durch die bunte Medienhölle unternimmt.

Die in Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark, dem Steirischen Herbst und dem ORF entstandene Produktion der Kunst Uni Graz, die jetzt auf CD vorliegt, wird dem Werk in jedem Belang gerecht und ist ein Plädoyer für weitere Aufführungen an anderen Orten. Der musikantische Furor, mit dem sich die 15 Musiker des Instrumentalensembles PPCM unter Leitung von Wolfgang Hattinger ins Zeug legen und die so lust- wie temperamentvollen Einsätze der Gesangssolisten reißen den Hörer von Anbeginn in den Strudel des Geschehens.

Eine hinzugefügte DVD, die – leider – nur ein Drittel der Aufführung enthält, bestätigt und vertieft den günstigen Eindruck der Audio-Version. Sie zeigt, dass der Regisseur Philipp M. Krenn die dem Stück adäquaten Stilmittel gewählt hat, sie mit viel Phantasie in den Details umsetzt und gleichzeitig ein Tempo erreicht, das die Darsteller mit unbändig lustvollem und zugleich professionell diszipliniertem Spiel bravourös bewältigen.

Ekkehard Pluta [16.01.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Shlomowitz Electric Dreams 01:01:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Solistinnen der KUG Soli
Instrumentalensemble PPCM Ensemble
Wolfgang Hattinger Dirigent
 
KUG 56;0000000KUG 56

Bezug über Direktlink

 

 

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