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CD-Besprechung

Klaviertrios

Korngold | Zemlinsky

Klaviertrios

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 04.01.19

Ars Produktion ARS 38 264

1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2018

Kompositorische Ausnahmebegabungen manifestieren sich häufig durch eine bereits frühe Meisterschaft im Bereich der klaviergestützten Kammermusik. Beethoven (op. 1), Mendelssohn (op. 1&2) Brahms (op. 8), Dvorák (op. 5), Reger (op.3) bilden hier eine Reihe, die sich in Zemlinskys op. 3 und Korngolds op. 1 bis zu Henzes Kammersonate fortsetzt. Alexander Zemlinskys op. 3 stellt eine direkte Antwort auf Johannes Brahms op. 114 dar, wenngleich der Jüngere anstatt der A-Klarinette ein Instrument in B vorschreibt. Sowohl Brahms als auch Zemlinsky gestatten Viola bzw. Violine als Alternativbesetzung für die Klarinette, hierin Schumann in dessen Romanzen und Märchenbildern folgend.

Brahms, der auf naiv-oberflächliche Imitationen seines Personalstils eher allergisch reagierte, empfahl das Trio von Alexander Zemlinsky – wie zuvor bereits die Kompositionen A. Dvoráks – seinem Verleger Simrock zur Veröffentlichung, was impliziert, dass er es Werken wie Dvoráks späten f-Moll- und „e-Moll“ (Dumky)-Trios als ebenbürtig ansah. Wohl unbewusst steckte er hierdurch auch dessen interpretatorischen Horizont zwischen slawischer Musizierlust und norddeutscher Strenge ab.

Ähnlich wie vordem Brahms betätigte sich Zemlinsky als Mentor talentierter junger Komponisten darunter Arnold Schönberg, Alban Berg und Erich Wolfgang Korngold. Korngolds Klaviertrio op. 1 aus den Jahren 1909 bis 1910 und somit zeitgleich mit Bergs Klaviersonate op. 1, bietet ein für einen 13-Jährigen unerwartbares frühreif-virtuoses Amalgam zeitgenössischer Kompositionstechniken aus Salome-Exotismus, Ravel-Eiseleganz, Debussy-Symbolismus und Scriabin-Mystik dar.

Unbegreiflicherweise zählen diese beiden für Liebhaber (spät)romantischer Musik außerordentlich attraktiven Meistertrios nicht zum Mainstreamrepertoire und sind deshalb – verglichen etwa mit den wegen ihrer Redseligkeit schwächeren Trios von Tschaikowsky und Rachmaninow – relativ selten eingespielt worden. Eine identische Kombination nahm bisher nur das Beaux-Arts-Trio auf. Dieser Aufnahme zeigt sich das Stefan-Zweig-Trio durchaus ebenbürtig. Beaux-Arts agiert hier etwas mehr in der Brahms-Tradition, Stefan-Zweig eleganter und musikantischer, eher in Richtung Dvorák mit wienerischer Schmäh-Parfümierung und mit irisierenden Farben im sezessonalen Korngold-Trio. Manko beider Aufnahmen ist der Ersatz der Klarinette durch die Violine im Zemlinsky-Trio, da durch zwei – besonders bei den Zweigs Fritz-Kreislerisch, portamentoselige stilistisch durchaus korrekt agierende – vibrierende Streicher der bewusste Gegensatz zwischen „gerade“ geblasener Klarinette, dem portato-legato agierendem Klavier und einem vibrierend-hochemotionalen Cello und damit ein paar Grade „klezmerischer Melancholie“ verloren gehen. Hier sei den Hörern, die Gefallen am Zemlinsky-Trio gefunden haben, unbedingt die poetische Referenzeinspielung mit Erich Ottensamer, Christopher Hinterhuber und Othmar Müller, die Meyer/Geringas/Oppitz weit hinter sich lässt, als Ergänzung empfohlen.

Fazit: Wer romantische Kammermusik mit Klavier schätzt und die Stücke, die hier in einer klangtechnisch exzeptionellen und interpretatorisch überzeugenden, höchst virtuosen Aufnahme vorgelegt wurden, noch nicht kennt, sollte unbedingt zugreifen.

Vergleichsaufnahmen: Ottensamer/Müller/Hinterhuber NAXOS 8.570540, Beaux-Arts-Trio – Philips, Meyer/Geringas/Oppitz – Tudor.

Thomas Baack [04.01.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E.W. Korngold Trio D-Dur op. 1 für Klavier, Violine und Violoncello 00:32:37
7 A. Zemlinsky Trio d-Moll op. 3 für Klavier, Violine und Violoncello 00:27:19

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Stefan Zweig Trio Klaviertrio
 
ARS 38 264;4260052382646

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