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CD-Besprechung

A Light In The Dark

Schostakowitsch

A Light In The Dark

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 04.10.18

Ars Produktion ARS 38 256

1 CD/SACD stereo/surround • 51min • 2017

Erich Polz und die Nordwestdeutsche Philharmonie möchten ausweislich des Titels ihrer Schostakowitsch-Einspielung „Ein Licht im Dunkeln“ anzünden, und präsentieren ein Programm, das den Komponisten von seiner witzigen (freilich nicht immer unbedingt heiteren) Seite zeigt. Wie in Konzerten üblich folgen auf der CD einer Ouvertüre ein Solokonzert und eine Symphonie.

Mit den Anfangstakten der Festlichen Ouvertüre wird es in der Tat strahlend hell, so stechend klar ist der Klang eingefangen, so deutlich hört man das Orchester vor sich, dass es eine wahre Freude ist. Die Tontechnik hat exzellent gearbeitet; ein Eindruck, der auch in den folgenden Stücken erhalten bleibt. Die Ouvertüre ist bei Polz in guten Händen. Sein Orchester bleibt dem virtuos komponierten Gelegenheitswerk, das an der Spitze eines Konzerts seine Wirkung nie verfehlen wird, nichts schuldig.

Von seinem Zweiten Klavierkonzert hielt Schostakowitsch nicht viel. Man muss ihm ausdrücklich widersprechen! Es mag – als Prüfungsstück für seinen Sohn ein Beispiel der in der Sowjetunion gefragten Untergattung „Konzert für die Jugend“ – nicht das ambitionierteste seiner Werke sein, aber in seiner knappen, wohlproportionierten Gestalt und dem nie versiegenden Strom an Einfällen gehört es zu seinen glücklichsten. Dem trockenen Humor der Ecksätze in all seinen Facetten wird Solistin Sabine Weyer ebenso gerecht wie den kantablen Melodiebögen des Andantes.

Die Neunte Symphonie passt insofern gut zu den vorigen Stücken, als dass auch sie auf dem Divertimento-Tonfall aufbaut, der Ouvertüre und Konzert ihr Gepräge gibt. Anders als diese enthält sie jedoch ausgedehnte Strecken, die man kaum anders als unfroh und finster bezeichnen kann; nicht nur in den langsamen Sätzen, sondern auch in den schnellen, die zwar stets demonstrativ lustig beginnen, im weiteren Verlauf aber deutlich machen, dass eigentlich Schluss mit lustig ist. Sie stellt an die Interpretation andere, schwerere Aufgaben. Hier stößt Polz an eine Grenze. Die Neunte ist der schwächste Punkt seines Programms, denn sie gerät ihm zu leicht, wie mir ganz deutlich wurde, als ich seiner Einspielung eine Aufnahme Gennadij Roshdestwenskijs mit dem Orchester des sowjetischen Kulturministeriums von 1982 gegenüberstellte (Brilliant Classics, Historical Russian Archives). Ist es zulässig, Interpretationen von Zeitgenossen des Komponisten mit denjenigen von Musikern zu vergleichen, die Jahrzehnte später in einem anderen kulturellen Umfeld spielen? Ich meine: ja, denn es geht nicht um das Ausspielen einer Zeit gegen die andere, sondern darum, deutlich zu machen, welche Möglichkeiten das Werk seinen Interpreten bereithält. Polz lässt auch hier brillant musizieren, dringt aber kaum zu den Feinheiten der Musik durch. Wenn etwa in der Reprise des Finales der Nachsatz des Hauptthemas von der kleinen Trommel untermalt wird, wirkt dies bei Polz wie eine willkommene neue Begleitfigur – so weit, so gut, so heiter; das Lob geht an den Einfallsreichtum des Komponisten. Roshdestwenskij lässt an derselben Stelle das Schlagwerk dermaßen hervortreten, dass sich in die Musik ein grimmiger Beiklang mischt und tatsächlich der Eindruck eines doppelten Bodens entsteht: etwa, als würde jemand bei einer Militärparade unter Zwang ein fröhliches Liedchen trällern. Die Reihe der Beispiele, wie Roshdestwenskij durch Akzentuierung bestimmter Instrumente und Klanggruppen in der Kunst des gemischten Affekts Triumphe feiert, ließe sich beliebig fortsetzen. Unter ihm klingt Schostakowitschs Neunte nicht nur wie das gut komponierte Divertimento, das sie auch ist, sondern tatsächlich wie eine sehr bittere „Pseudokomödie“, als die sie vom Komponisten gedacht wurde. Damit das Licht im Dunkeln leuchtet, müssen in diesem Werk weniger die hellen als die dunklen Seiten zum Klingen gebracht werden.

Norbert Florian Schuck [04.10.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Schostakowitsch Festliche Ouvertüre op. 96 00:06:12
2 Konzert Nr. 2 F-Dur op. 102 für Klavier und Orchester 00:19:50
5 Sinfonie Nr. 9 Es-Dur op. 70 00:24:58

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sabine Weyer Klavier
Nordwestdeutsche Philharmonie Orchester
Erich Polz Dirigent
 
ARS 38 256;4260052382561

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