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CD-Besprechung

Franz Lachner

Symphony No. 3 • Festouvertüre

cpo 555 081-2

1 CD • 60min • 2016

28.06.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wohl jede Stadt, die etwas auf sich hält, hat eine „Lachner-Straße“. Die meisten dürften wohl Franz und nicht dessen jüngeren Brüdern Vincenz oder Ignaz gewidmet sein, die ebenfalls Komponisten und Orchesterleiter waren. Aber was verbinden wir heute mit diesem Vorgänger Hans von Bülows als Münchner Hofkapellmeister und Ehrenbürger? Wenn überhaupt, sind uns vielleicht ein paar Lieder oder Kammermusikwerke irgendwann einmal untergekommen.öm

Dabei ist seine Biographie durchaus interessant: Als Multiinstrumentalist (Geige, Cello, Kontrabass, Horn) verdiente er sich seinen Theorie- und Orgelunterricht bei Caspar Ett durch Aushilfen am Münchner Isartortheater. Als 20-Jähriger wechselte er 1823 auf die Organistenstelle der evangelischen Kirche in Wien. Dort lernte er Beethoven und Schubert mitsamt Freundeskreis kennen und vervollständigte seine Ausbildung bei Simon Sechter, dem späteren Kontrapunktlehrer Bruckners, und Maximilian Stadler, dem Klarinetten-Freund Mozarts. Er wurde Kapellmeister am Kärntnertortheater, wechselte wegen des vom Erfolg des jeweiligen Pächters abhängigen unsicheren Einkommens für kurze Zeit nach Mannheim und ging schließlich 1836 als königlich-bayerischer Hofkapellmeister zurück nach München. Nach 32-jähriger Tätigkeit hatte die Wagnerbegeisterung von Ludwig II. seine Pensionierung zur Folge...

Lachners 3. Sinfonie aus dem Jahre 1834 weist durchaus Beziehungen zu dieser Biographie auf: Sie ist mit 50 Minuten Spieldauer ungewöhnlich lang. Hier kann darüber spekuliert werden, ob Lachner Schuberts große C-Dur Sinfonie kannte. Jedenfalls beschränkten sich später noch Mendelssohn und Schumann, der Lachners 3. schätzte, dessen 5. aber hasste, auf 35-40 Minuten. Das Werk ist mit doppelten Holzbläsern plus Piccolo-Flöte. 4 Hörnern, 2 Trompeten, 3 Posaunen und obligat verwendeten Pauken durchaus opulent instrumentiert. Hier, wie auch in der Dramatik der Ecksätze, mit Wendungen, die später in Wagners Holländer auftauchen, sowie den lyrischen Themen der Seitensätze, die durchaus an Lortzing, Nicolai oder Flotow gemahnen, ist die Affinität zur zeitgenössischen Oper unverkennbar.

Hinsichtlich der Großform ist bemerkenswert, dass das Scherzo mit Walzer-Trio an zweiter Stelle steht und der durch die thematische Verwendung der Pauken sehr originelle menuettartjge langsame Satz vor das Finale gerückt wurde. Durch die stark kontrapunktische Verarbeitung der eingängigen Themen, mit regelrechten Fugenexpositionen, Vergrößerung und Umkehrung schlägt das Werk eine Brücke vom späten Beethoven zu ähnlichen Durchführungstechniken Bruckners.

Die Festouvertüre wurde für royale Feiern konzipiert und weist deshalb zwei unterschiedliche Hymnenschlüsse auf: 1. Österreichisch, heute auch deutsch, mit „Gott erhalte“ 2. Bayerisch, preussisch, englisch mit „God save the king“.

An das Orchester werden — wie bei einem Multiinstrumentalisten nicht anders zu erwarten — durchaus virtuose Anforderungen gestellt, was besonders den Streichern des Evergreen Symphony Orchestra aus Taipeh hörbare Probleme hinsichtlich Tonschönheit und Intonationssicherheit bereitet. Gernot Schmalfuß schafft es aber trotzdem, beide Werke zu einem kurzweiligen Hörvergnügen zu machen. Ein gesondertes Lob verdient der außerordentlich informative Booklet-Text von Bert Hagels, der neben vielen Hintergrundinformationen ausführliche Analysen mit sekundengenauen Angaben enthält, die es ermöglichen, das kompositorische Geschehen auch ohne Partitur nachzuvollziehen. Macht einen Extrapunkt für den Gesamteindruck.

Thomas Baack [28.06.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Paul Lachner
1Sinfonie Nr. 3 d-Moll op. 41 00:47:49
5Festouvertüre Es-Dur 00:12:08

Interpreten der Einspielung

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