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CD-Besprechung

Louis Spohr

3 Sonatas for Harp & Violin

Louis Spohr

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 12.07.18

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 2302

1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2016

Im Jahre 1805 verliebte sich der Konzertmeister des Gothaischen Hoforchesters Louis Spohr in Dorette Scheidler, ihrerseits Tochter zweier Hofmusiker und wohl bedeutendste Harfenistin ihrer Zeit. Quasi als Brautwerbung verfasste er mehrere Werke für Harfe und Violine. Die hier eingespielten drei Sonaten entstanden zwischen 1806 und 1811 für gemeinsame Tourneen des Ehepaares.

Louis Spohr galt neben Pierre Rode bis zum Auftreten Niccoló Paganinis als der bedeutendste Violinvirtuose Europas. Er war der erste deutsche Geiger, der sich Technik und Ästhetik der auf Viotti zurückgehenden französischen Schule angeeignet hatte. Eine Beschreibung des von ihm geforderten „schönen Vortrags“ mit detailliert bezeichneten Beispielen findet sich in seiner Violinschule von 1831/32, die in wichtigsten europäischen Sprachen übersetzt wurde.

Dem Komponisten stellte sich das Problem, dass Dorette Spohrs Harfe mit einfachem Pedalmechanismus in Es-Dur gestimmt war und sie somit B-Tonarten bevorzugte, während die Geige in Kreuztonarten grundsätzlich brillanter klingt, da hier die mitschwingenden leeren Saiten für zusätzliche Obertöne sorgen. Man umging das Problem, indem man die Harfe einen halben Ton tiefer stimmte und transponierend notierte. Dieses Manöver vergrößerte außerdem den dynamischen Spielraum, da die geringere Saitenspannung reißenden Saiten im Fortissimo vorbeugte.

Alle drei Sonaten sind heiter-verspielten Charakters und damit ein Spiegelbild des jungen Eheglücks. op.113 gebärdet sich im Kopfsatz noch ein wenig kleinmeisterlich, glänzt dann aber mit einem charmanten Rondo. 0pus115 hingegen feiert verliebte Heiterkeit mit Anklängen an Rossinischen Witz (Anspieltipp: Track 6) und op. 114 enthält als Finale eine höchst vergnügliche Fantasie über Themen aus Mozarts Zauberflöte. Die hohen Opuszahlen sind Folge der späten Drucklegung von 1841 als Werke für Klavier (mit Vereinfachungen der zu weitgriffigen Harfenpassagen) und alternativ Flöte, Violine oder Violoncello in den für die Harfe notierten Tonarten.

Harfenvirtuosin Masumi Nagasawa, die mit einer Dissertation über Repertoire und Aufführungspraxis der Einfachpedalharfe zwischen 1760 und 1830 an der Universität Leeds zur PhD promoviert wurde, brilliert in dieser Aufnahme auf einer historischen Naderman-Harfe von 1815, einem auch von Dorette Spohr bevorzugten Instrument. Ihr Doktorvater, Clive Brown, sowohl Spohr-Biograph als auch Doyen für die Aufführungspraxis des 19. Jhd., beriet sie und ihre Geigenpartnerin Cecilia Bernardini hinsichtlich des vom Komponisten erwarteten „schönen Vortrags“ und schrieb auch den außerordentlich informativen Einführungstext.

Aufgrund der konsequenten Umsetzung der Spohrschen Forderungen, die sich in wenig Vibrato, dafür mehr Portamento und Kadenzverzierungen zusammenfassen lassen, lohnt sich für Geiger, die gerade an Werken aus der ersten Hälfte des 19. Jhd. arbeiten, ein sehr genaues Hinhören. Harfenistinnen wird allein schon der Klang des historischen Instruments inspirieren. Der „gemeine Musikhörer“ möge sich an lyrischer, die Schönheit des Daseins feiernder, ungewöhnlich besetzter Kammermusik in perfekter Wiedergabe erfreuen.

Thomas Baack [12.07.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L. Spohr Sonata concertante D-Dur op. 113 für Violine und Harfe 00:22:12
4 Sonate G-Dur op. 115 für Violine und Harfe 00:28:45
7 Sonate D-Dur op. 114 für Violine und Harfe 00:22:50

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Masumi Nagasawa Harfe
Cecilia Bernardini Violine
 
2302;7318599923024

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