Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Nordic Dream

Nordic Dream

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 17.04.18

RCA 19075818812

1 CD • 64min • 2018

Auch die dritte CD-Einspielung der LGT Young Soloists bringt mit jedem Ton zum Ausdruck: Hier haben sich keine abgeklärten Profis auf dem Olymp der Perfektion häuslich eingerichtet – stattdessen sind junge Menschen auf einem guten Weg und überhaupt nicht mehr zu bremsen. Geht es doch darum, mit allen Sinnen die Welt der Musik aufzusaugen und viel jugendliche Leidenschaft aufleben zu lassen!

Einer mustergültig disziplinierten Spielpräzision tut all dies keinen Abbruch. Hart genug ist ja das Bewerbungsverfahren, um bei den Soloists mitspielen zu können. Dementsprechend wissen diese jungen Talente unter Leitung von Alexander Gilman und Marina Seltenreich sehr genau, was sie tun – davon zeugt diese aktuelle CD.

Nach Italien und Russland steht nun im Volume 3 die nordische Klangwelt im Fokus. Und wie! Die LGT Young Soloists können nur zu gut schwelgerisch und farbenfroh aufspielen. Dazu passt ein Repertoire, das die Emotionalität der Romantik in die Moderne und manchmal auch in die musikalische Gegenwart trägt. Viel „nordisches Kolorit“ ist zudem garantiert bei Komponisten wie Dag Wiren, Kurt Atterberg, Ole Bull und naturlich bei Jean Sibelius.

Spritzig, leichtfüßig und stürmisch aufgeladen kommen die jungen instrumentalen Charakterdarsteller in Dag Wirens treibender Serenade op. 2 herangestürmt. Hochkonzentriert schwören sich diese Spieler, bei denen nur die Cellisten naturgemäß auf Stühlen sitzen, auf ihre Sache ein, formen die Dynamik in einer fast cineastischen Bandbreite und weben ein filigranes Geflecht mit ihren Instrumenten - all dies in einem musikantischen Wirbelwind, der in bestem Sinne nach vorne losgeht!

Jeder ist ein gleichberechtigter „Baustein“ bei den Soloists – darf also auch aus dem schlanken, hellhörigen Tutti-Apparat heraus selbstbewusst die solistische Stimme erheben. So etwa die 17jährige Violaspielerin Anuschka Pedano in einer sphärisch-kantablen Serenade von Edvard Fliflet Braein. Die 19jährige polnische Cellistin Oliwia Meiser hat ihren Bravourpart in einem viel zu selten gespielten schwermütig-fragilen Stück von Jean Sibelius, dem „Souvenir aus Acht kurzen Stücken“. Eine solche intime Seelenschau mit tieftraurigen Momenten, aber auch mit zartem Silberstreif am Horizont inszenieren die Soloists auch in Kurt Atterbergs Suite Nr. 3, wo Christa- Maria Stangorra (Violine) und Benedict Mitterbauer (Viola) zu solistischen Diaologpartnern werden und sich schließlich in einem Walzer vereinen.

Die Klangfarben des Nordens haben ihre eigene Intensität, vor allem wenn so spielfreudige junge Interpreten aus vielen europäischen Ländern deren Grundsubstanz vorbehaltlos erfühlen. Und wo jeder sich auch solistisch entfalten darf, wo es also keine Hierarchien im strengen Sinne mehr gibt, da ergänzen und stützen sich alle gegenseitig - auch die verschiedenen Altersgruppen untereinander. Dies hilft der gerade erste 14jährigen Israelin Lir Vaginsky, in Ole Bulls Saeterjentens Sondag in berückend singender Linie aufzuspielen.

Christian Sindings friedlich-verträumte, manchmal entfernt an Gabriel Fauré erinnernde Serenade gibt dem britischen Hafensolisten Milo Harper viel Entfaltungsraum, der dem Stimmungsbogen dieser CD einen entschleunigten Ruhepol verleiht. Zustände wie diese werden noch verdichtet, wenn der junge Tscheche Vilém Vlcek seinen schwerelosen Ton entfaltet, aber auch mit sonorem Klang den Tiefendimensionen einer Romanze von Johann Svendsen auf den Grund geht. Der Schweizer Geiger David Nebel setzt in Johan Halvorsons Chant de Veslemöy diese berückende Sehnsuchtsreise intensiv fort, bevor in Jan Alms Two Poems auch noch der britische Kontrabassist Marcus Elliott Gaved solistisch ins Spiel kommt. Übrigens handelt es sich hier um eine exklusive Auftragskomposition, die der schwedische Komponist Jan Alm, selbst ein Kontrabassist, den LGT-Solisten auf den Leib geschrieben hat.

Zum Abschluss geht es wieder im gleichberechtigten Tutti zur Sache und zwar in einer hinreißend interpretierten Valse Triste von Jean Sibelius. Längst ist dieses jugendliche Ausnahme-Orchester in der musikalischen Oberliga angekommen. In diesem Jahr steht wieder eine große Tournee an, die unter anderem nach Hongkong und Singapur führt. Ebenso waren die LGT Young Soloists in den letzten Jahren regelmäßig auf dem halben Globus unterwegs.

Stefan Pieper [17.04.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Wirén Serenade op. 2 für Streichorchester 00:14:14
5 E. Fliflet Bræin Serenade für Viola und Streichorchester 00:04:57
6 J. Sibelius Souvenir op. 99 Nr. 3 00:03:09
7 K.M. Atterberg Suite Nr. 3 op. 19 Nr. 1 für Violine, Viola und Streicher 00:11:04
10 O. Bull Sæterjentnes Søndag 00:02:39
11 Chr. Sinding Serenade op. 33 Nr. 4 00:03:30
12 J.S. Svendsen Romanze op. 26 für Violine und Orchester 00:08:21
13 J.A. Halvorsen Chant de Veslemöy 00:04:15
14 J. Alm Brevet 00:02:59
15 Juninatten 00:04:14
16 J. Sibelius Valse triste 00:04:58

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
LGT Young Soloists Streicherensemble
Alexander Gilman Dirigent
 
19075818812;0190758188126

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc