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CD-Besprechung

César Cui

Piano Transcriptions

hänssler CLASSIC CD HC17049

1 CD • 68min • 2017

20.04.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wie sehr sich konträre Talente in einem einzigen schöpferischen Menschen ergänzen und wie stark die Musik als innerer Ruhepol wirkt, das zeigt sich eindrücklich in der Persönlichkeit des Komponisten César Cui, der von 1835 bis 1918 in Sankt Petersburg lebte. César Cui war nicht nur Komponist. Zugleich machte er im militärischen Bereich Karriere und war hier vor allem als technischer Konstrukteur hochverdient. Die Musik war trotzdem viel mehr als ein stilles „Hobby“. César Cui war in der Petersburger Komponistenszene aktiv und mischte sich in kulturelle Diskurse ein – etwa, wenn er als streitbarer Musikkritiker für eine russische Nationalschule eintrat und auch mit unbequemen Meinungen nicht hinterm Berg hielt.

Dass César Cuis kompositorische Produktivität immens war, belegt eine neue CD mit Klaviertranskriptionen aus seiner Feder. Einiges davon ist ursprünglich für Klavier und Orchester entstanden, was hier im vierhändigen Klavierspiel erklingt.

Die Interpreten dieser neuen Produktion, Maria Ivanova und Alexander Zagarinsky fanden 2004 zum Duo zusammen. Sie waren bei Recherchen in den Bibliotheken des Moskauer Konservatoriums auf diesen Komponisten gestoßen und tauchten fasziniert in diesen feinsinnigen musikalischen Kosmos ein - heute führen die beiden, aktuell in der Nähe von Berlin lebend, diese Stücke gerne auch in monothematischen Klavierabenden auf.

Wenn Maria Ivanova und Alexander Zagarinsky zur spielerischen Symbiose verschmelzen, wird auf Anhieb die starke persönliche Aura von César Cui deutlich: Als Komponist ist er völlig sich selbst genug. Hier braucht er sich selbst und niemandem etwas zu beweisen. Die eigene Tonsprache ist verblüffend „un-russisch“ und frei von kurzfristigen Zeitströmungen oder Nationalstilen. Das verwundert angesichts seiner Zugehörigkeit zum „mächtigen Häuflein“ bestehend aus Modest Mussorgsky, Alexander Borodin, Nikolai Rimskij-Korsakow und Milij Baschkirow. César Cuis eigene Tonsprache mutet hier wie eine andere Welt an. Sie ruht tief in sich selbst und atmet den Geist einer europäischen Romantik, in der deutsche Einflüsse, aber auch Spurenelemente von Chopin ihren Platz finden und letztlich einer eigenen, subjektiven Sache dienen. Vor allem hat der musikalische Fluss, der sich unter den Händen dieses Duos in einer Suite und etlichen miniaturhaften Charakterstücken aufbaut, etwas ganz und gar erzählendes, was immer unaufgeregt bleibt.

Ein verspieltes Variationenwerk, ein balladesker Bogen und schließlich ein impulsiv vorwärtstreibendes, raffiniert motivisch verschachteltes Scherzo gefolgt von einem trutzigen Marsch komplettieren die Suite Nr. 2, welche die CD eröffnet. Eine solche Aura wirkt auch in den vielen miniaturhaften Charakterstücken fort dank dieses maßvollen, nie auftrumpfenden, aber im richtigen Moment springlebendigen Spiel dieses Duos - egal ob in miniaturartiger Schumann-Hommage oder in kleinen Formen, die ähnlich wie bei Chopin verschiedene Tanzsätze wie Mazurka unter die Lupe nehmen. Etwas „weltläufiger“ und weniger introvertiert, kommt ein weiterer Miniaturen-Zyklus auf dieser CD daher, der auch spanische Elemente und eine Etude Arabeske enthält. Maria Ivanova und Alexander Zagarinskiy tauchen bei jedem Ton tief ein, gehen sensibel auf in jenem Zustand von tiefer innerer Ruhe, wie er für den schöpferischen und produktiven Menschen César Cui stets eine Kraftquelle war.

Stefan Pieper [20.04.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
César Cui
1Suite Nr. 2 op. 38 00:32:23
5Expansion naïve op. 20 Nr. 1 00:00:50
6Aveu timide op. 20 Nr. 2 00:01:34
7Petite Valse op. 20 Nr. 3 00:01:56
8À la Schumann op. 20 Nr. 4 00:01:26
9Cantabile op. 20 Nr. 5 00:02:27
10Souvenir douloureux op. 20 Nr. 6 00:01:46
11Mosaïque op. 20 Nr. 7 00:01:37
12Berceuse op. 20 Nr. 8 00:02:05
13Canzonetta op. 20 Nr. 9 00:02:10
14Petite marche op. 20 Nr. 10 00:02:17
15Mazurka op. 20 Nr. 11 00:02:57
16Scherzo rustique op. 20 Nr. 12 00:01:40
17Marionettes espagnolles op. 39 Nr. 1 00:01:01
18Romanzetta op. 39 Nr. 2 00:02:11
19En partant op. 39 Nr. 3 00:02:13
20Etude-arabesque op. 39 Nr. 4 00:01:10
21Au berceau op. 39 Nr. 5 00:01:10
22Feuille d'album op. 39 Nr. 6 00:02:05
23Marche-Etude op. 39 Nr. 7 00:02:14

Interpreten der Einspielung

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