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CD-Besprechung

Johann Nepomuk David

Symphonies 2 & 4

cpo 777 577-2

1 CD • 72min • 2008

23.04.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besitzer älterer Konzertführer wissen, dass Johann Nepomuk David in den 30er bis 60er Jahren ein angesehener und offensichtlich häufig gespielter Komponist gewesen ist. Während zahlreiche seiner Orchesterwerke damals für den Rundfunk produziert wurden, blieben kommerzielle Einspielungen weitgehend aus. 2014 hatten Johannes Wildner und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien erstmals zwei der acht Symphonien Davids (Nr. 1 und 6) auf CD vorgelegt, nun erscheint mit den Nummern 2 und 4 die zweite Folge dieses bemerkenswerten Zyklus.

Unter den Komponisten neoklassizistischer Richtung war David einer der konsequentesten Kontrapunktiker. Es war ihm offenbar ganz natürlich, in Stimmen zu denken und, wie Ernst Kurth sagen würde, „Linie gegen Linie“ zu setzen. Handwerkliche Artistik gehört wie selbstverständlich zu Davids Kosmos: Diminutionen, Augmentationen, Umkehrungen, Engführungen und Themenkombinationen fügen sich in der Regel ungezwungen in den Verlauf der Sätze ein, bringen das musikalische Geschehen voran und werden dadurch zu poetischen Gestaltungsmitteln. Seinem Vorbild Bach nicht unähnlich schreibt hier ein strenger Techniker ausdrucksstarke Musik, freilich unter Verzicht auf alle Gefühligkeitsfloskeln. Wie die Betonung des Handwerklichen, so erinnern auch Harmonik und Instrumentation Davids an den beinahe auf den Tag genau gleichaltrigen Hindemith, doch geht Davids Symphonien der spielmusikalische Zug, der Divertimentocharakter ab, der bei Hindemith immer wieder durchbricht. Auch haben die musikalischen Gedanken Davids einen längeren Atem und werden vielgestaltiger verarbeitet.

Die Zweite ist mit einer rund dreiviertelstündigen Spieldauer die umfangreichste Symphonie Davids und kommt von allen in Aufbau und Charakter der Symphonik des späten 19.  Jahrhunderts am nächsten – eigentlich eine spätromantische Symphonie in neoklassizistischer Tonsprache. Eine gewichtige langsame Einleitung eröffnet ein Sonatenallegro mit deutlich kontrastierenden Themenkomplexen. Man hört an Bruckner gemahnende Choräle – David war Zögling in St.  Florian –, im folkloristisch angehauchten Scherzo dann Zwiefacherrhythmen im Wechsel mit einer exotischen Melodie, die man eher bei Chatschaturjan vermutet hätte. Auf dem Höhepunkt des Passacaglia-Finales, das zyklisch auf die ersten beiden Sätze verweist, beschwört der Komponist die alten Meister in Form einer Paraphrase des L'homme armé. Auch versieht David die Ecksätze des Werkes jeweils mit einer ausgedehnten Coda, die das musikalische Geschehen tatsächlich zu einem Ende führt, während er ab der Vierten seine Symphonien recht abrupt aufhören lässt. Abgesehen von dem zu kurzen Schluss, der mir einen dogmatisch-pseudobarocken Eindruck macht, ist allerdings auch die Vierte Symphonie ein sehr starkes Werk. Deutlich kürzer, strenger und konzentrierter als die Zweite, verläuft sie über weite Strecken fugiert. Der erste Satz ist eine langsame Fuge, die in sich zusammensinkt, gerade als sie ansetzt, sich zur Doppelfuge zu erweitern. Es folgen ein Allegro und ein Scherzo, die zwar eigene Themen vorstellen, in die jedoch als Kontrapunkte die Themen des ersten Satzes eingeflochten werden. Das Finale beginnt als Variation des Kopfsatzes, nimmt aber bald an Bewegung zu und entwickelt ausführlich, was dort nur angedeutet wurde.

Johannes Wildner ist dieser Musik ein vorzüglicher Dirigent, der sich hingebungsvoll der genauen Umsetzung der Vortragsanweisungen widmet. Bereits die Geschmeidigkeit, mit der er seine Musiker in der Einleitung der Zweiten Symphonie phrasieren lässt, verrät, dass er David nicht bloß als technisch beschlagenen Konstrukteur, sondern als Poeten der Polyphonie präsentieren möchte. Die einzelnen Abschnitte der Sätze sind gut aufeinander abgestimmt, Steigerungen und Entspannungspartien werden stets aus der vorangegangen Musik heraus und auf die Zielpunkte hin entwickelt. Ausdrücklich loben muss man, dass die ersten und zweiten Geigen einander gegenüber sitzen, so dass die einkomponierten antiphonischen Effekte zwischen beiden Gruppen gut zu hören sind. Der Klang der CD ist im Großen und Ganzen gut, doch war offenbar am Schluss des ersten Satzes der Zweiten Symphonie die Aufnahmetechnik überfordert. Auf dem Höhepunkt sinkt plötzlich der Lautstärkepegel ein wenig, und erzeugt dadurch eine unangemessene antiklimaktische Wirkung.

Die Aufnahmen stammen übrigens aus dem Jahr 2008. Ich hoffe sehr, dass cpo die noch ausstehenden Folgen des Zyklus in kürzeren Intervallen nachfolgen lässt, um das Bild vom Symphoniker Johann Nepomuk David zu vervollständigen. Wer an symphonischer Musik des mittleren 20.  Jahrhunderts interessiert ist, kommt um diese Scheibe eigentlich nicht herum.

Norbert Florian Schuck [23.04.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Nepomuk David
1Sinfonie Nr. 2 op. 20 00:43:50
5Sinfonie Nr. 4 op. 39 00:28:39

Interpreten der Einspielung

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