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CD-Besprechung

Claude Delvincourt

L'œuvre pour piano

Azur Classical AZC 152

1 CD • 60min • 2015, 2016

16.01.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hält noch viele französische Komponisten bereit, die in Deutschland kaum bekannt und daher noch zu entdecken sind. Einer von ihnen ist Claude Delvincourt (18888–1954), Komponierschüler von Charles Marie Widor, 1913 Gewinner des Prix de Rome und später Leiter des Conservatoire de Paris. Dessen Werk wollen das „Centre International Albert-Roussel“ und die „Association des Amis de Claude Delvincourt“ zusammen mit dem Label Azur bekannt machen. Vom Klavierwerk liegt nun Volume I vor, das durchaus Lust auf mehr macht. Alle Einspielungen dieser CD sind „First world Recordings“, wie die CD-Rückseite stolz vermerkt.

Auffallend sind schon mal die Titel der Klavierstücke, die feinen Humor verraten: Croquembouches sind auf deutsch Krachgebäcke aus knusprigem Karamell, die zu einer Hochzeit serviert werden. Zwölf solcher Gebäcke hat Delvincourt im Jahre 1926 mit viel Esprit und Humor vertont: Linzert tart ist natürlich ein – ein bisschen ironisch verzerrter – Wiener Walzer, Rahat loukhoum kommt in orientalisch-fantastischem Rhythmus daher, Merinque à la crème hört sich wirklich wie ein luftiges Schaumgebäck an, der Plum pudding, als wenn ein Dicker auf leichten Füßen tanzt. Petes de nonne, also Nonnenfürzle, sind witzig-spritzig, der Negre en chemise swingt vergnügt, Hule de ricin, also Rizinusöl, nimmt besonders hintersinnig deutliche Anleihen bei Bach. Anscheinend wirkt der auf französische Mägen bzw. Ohren wie Rizinusöl. Selten ist Humor in der Musik so charmant und warmherzig umgesetzt.

Auch die Cinq Pieces pour le piano zeigen Eleganz, Witz und Humor und entfalten großen impressionistischen Reiz. So macht der Danse pour rire durch straffen und überraschende Rhythmik lächeln, Tempo di Minuetto ist wie ein Spitzentanz auf dem Klavier, von zauberhaftem Reiz und doch schmunzelnder Ironie ist die Berceuse und im Danse hollandaise hört man die Holzschuhe klappern.

Die restlichen fünf Stücke sind teilweise schulmäßig (so Prélude et Fugue und das Menuet), weil sie für seine Konservatoriumsschüler komponiert wurden, teilweise eher schlicht gehalten, weil sie Widmungskompositionen für Familienmitglieder waren. Der Valse, Delvincourts Großmutter gewidmet,hat ein graziös-anmutiges Hauptthema, das raffiniert abgewandelt wird, Galéjade aus dem Jahre 1952 ist Delvincourts letzte Komposition für Klavier, es ist ein kleiner geheimnisvoller scheinbar bitonaler Klavier-Joke.

Die Pianistin Diane Andersen hat zusammen mit Stefan Askenase am Brüsseler Konservatorium abgeschlossen, sie widmet sich dieser Klaviermusik mit viel Gespür für die liebenswürdigen Ironismen, spielt vor allem sehr klar, kraftvoll zupackend und genauestens artikulierend und gibt dieser Musik die Würde und die Bedeutung, die ihr gebührt. Das Klangbild der CD ist sehr abgerundet, die Basstiefen des Flügels sind volltönend, die Höhen voller ausgewogenem Wohlklang.

Rainer W. Janka [16.01.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Delvincourt
1Croquembouches (à ma filleule Annie Pifre) 00:25:51
13Prélude et Fugue 00:05:03
14Menuet 00:03:17
15Gavotte 00:02:13
16Valse 00:04:16
17Galéjade 00:00:57
18Prélude (à Henri de Miramon) 00:03:46
19Danse pour rire (à Hélène Léon) 00:02:46
20Tempo di Minuetto (à Jeanne Leleu) 00:05:02
21Berceuse (à Edith Pifre) 00:03:08
22Danse hollandaise (à Armand Ferté) 00:03:49

Interpreten der Einspielung

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