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CD-Besprechung

Johann Nepomuk David

Orgelwerke Vol. 1

Johann Nepomuk David

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 16.12.17

Klassik Heute
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Ambiente ACD-2036

1 CD • 80min • 2017

Dies ist eine absolut herausragende Aufnahme, in jeder Hinsicht. Es wurde höchste Zeit, dass dem Orgelwerk des österreichischen Komponisten Johann Nepomuk David endlich jene Aufmerksamkeit zuteil wird, die es verdient, und mit Roman Summereder ist hier ein Interpret am Werk, der sich mit dieser Epoche und dem Schaffen Davids auskennt wie kein Zweiter. Es passt einfach alles: Interpret, Werk und auch die verwendeten Instrumente. Summereder nutzt nicht nur die von David konzipierte Orgel der Christuskirche in Wels, sondern auch die große Bruckner-Orgel der Stiftsbasilika St. Florian in Linz, zu der David zeitlebens eine besondere Beziehung hatte. Die äußeren Gegebenheiten könnten also nicht besser sein, doch die musikalische Seite übertrifft diese Erwartungen noch um ein Vielfaches.

Summereder ist nicht nur ein in jeder Hinsicht brillanter Organist, er hat sich auch in die Orgelmusik der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen eingefuchst und dies mit zahlreichen Einspielungen hinreichend bewiesen. Insofern war es nur folgerichtig, dass er irgendwann bei David landet, der einer der bedeutendsten, wenngleich auch einer der verkanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts ist. Dabei ist diese Musik hochinteressant und David weit mehr als der trockene Kontrapunktiker, als der er zu Unrecht verschrieen ist. Das Choralwerk etwa, das Summereder in Auszügen aufnehmen wird, ist eine monumentale Sammlung mit choralgebundenen Werken quer durch das Kirchenjahr – vom kleinen Vorspiel bis zur großen Fantasie, vergleichbar allenfalls Bachs Choralvorspielen oder Charles Tournemires nicht weniger monumentaler Sammlung L′Orgue Mystique.

Und mystisch ist David – gerade im Spätwerk – zuweilen auch, „trotz“ aller Kontrapunktik, „trotz“ der für ihn typischen Verbindung von choralgebundenem Werk und 12-töniger Kompositionsweise, „trotz“ einer klanglichen Ästhetik, die nichts vom katholischen Zuckerbäckerstil eines Messiaen hat, sondern durchaus orgelbewegt und postbarock erscheint. Oder vielleicht gerade deswegen? O, du armer Judas aus dem Choralwerk etwa oder Thomas von Aquin klingen hochgradig artifiziell und musikalisch-theologisch komplex, haben aber auch eine ungemein sinnliche, visionäre Seite. Summereder versteht es blendend, alle diese Aspekte darzustellen, klanglich, musikalisch und auch wissenschaftlich im informativen Booklettext. Man kann das Loblied für diese unglaublich verdienstvolle Einspielung nicht laut genug anstimmen und darf auf die weiteren Folgen dieser selektiven Einspielung von Davids Orgelwerken gespannt sein.

Guido Krawinkel [16.12.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.N. David Chaconne a-Moll DK 174 00:14:42
2 Allein Gott in der Höh sei Ehr DK 189 (Choralvorspiel, Choralwerk I) 00:01:24
3 Komm, Heiliger Geist, Herre Gott DK 205 (Choralvorspiel, Choralwerk II) 00:02:23
4 O Lamm Gottes unschuldig DK 263 (Choralvorspiel, Choralwerk II) 00:02:40
5 Ach Gott, vom Himmel sieh darein DK 309 (Kleine Fantasie, Choralwerk V) 00:02:48
6 Wenn mein Stündlein vorhanden ist DK 314 (Choralvorspiel, Choralwerk V) 00:03:07
7 Unüberwindlich starker Held, Sankt Michael DK 380 (Geistliches Konzert in drei Sätzen, Choralwerk IX) 00:18:03
10 O, du armer Judas DK 555 (Geistliches Konzert in drei Sätzen, Choralwerk XVI) 00:17:21
13 Pange lingua DK 177 (Hymnus) 00:06:34
14 Thomas von Aquin DK 604 (aus Pange lingua) 00:10:07

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Roman Summereder Orgel
 
ACD-2036;4029897020362

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