Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Alexander von Zemlinsky

Die Seejungfrau

Alexander von Zemlinsky

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 25.09.17

label_928.jpg
→ Katalog und Neuheiten

cpo 777 962-2

1 CD • 56min • 2010, 2012

Alexander von Zemlinskys Fantasie Die Seejungfrau hat mittlerweile trotz abenteuerlicher Aufführungshistorie ihren Platz unter den großen, literarisch inspirierten Tondichtungen um 1900 gefunden. Das 1903 vollendete Werk kam im selben Konzert der Vereinigung schaffender Tonkünstler in Wien (25.1.1905) zur Uraufführung wie die in etwa gleich dimensionierte symphonische Dichtung Pelleas und Melisande seines Schülers und Schwagers Arnold Schönberg, was zu zahlreichen Vergleichen geführt hat. Auch hatte Richard Strauss beiden Komponisten, die hier noch ihren eigenen Stil suchen, Aufführungen in Berlin in Aussicht gestellt. Ist Zemlinsky schon ganz auf der Höhe seiner legendären Instrumentationskunst und sind viele Elemente einer für ihn charakteristischen Harmonik gut erkennbar, stellt die deutlich gewagtere Hyperchromatik bei Schönberg nur einen Zwischenschritt auf dem Weg in die Atonalität dar. Nach durchwachsenen Erfolgen in Wien, Berlin und Prag (1908) hat Zemlinsky seine Seejungfrau allerdings in der Versenkung verschwinden lassen. Erst 1984 kam es zur nächsten Aufführung, nachdem man den ersten Partiturteil wiederentdeckt hatte. Mittlerweile gibt es ein gutes Dutzend CD-Einspielungen.

Die dreisätzige Komposition hangelt sich nicht programmatisch an Andersens Märchen entlang, sondern verleiht verschiedenen Konstellationen seelischer Aggregatzustände Ausdruck, die durch in allen Sätzen wiederkehrende Motive charakterisiert werden, allerdings nie mit der Plakativität Wagnerscher Leitmotivik und immer eingebunden in ein klares, formales Konzept. Für einen Dirigenten stellt sich das Problem, sowohl die höchst differenzierten Klangfarben adäquat abzubilden, als auch die grandiosen Steigerungswellen überzeugend darzustellen, ohne die Geschlossenheit der Form außer Kraft zu setzen.

Cornelius Meister gelingt mit seinem Orchester zweifellos eine hochemotionale Live-Darbietung. Irgendwie schafft er es besser als die Konkurrenz, die Zemlinsky-typische Harmonik mit ihrer Dur/Moll-Ambivalenz natürlich zu entfalten; bei Chailly hingegen klingt alles einfach nur nach Strauss bzw. Mahler. Auch spielt der Konzertmeister seine zahlreichen Violinsoli ganz überragend. Andererseits gibt es einige Marotten: etwa, möglichst immer nur eine melodieführende Stimme besonders hervorzuheben. Stellenweise sorgt dies im spätromantischen Klangdickicht für Klarheit, aber woanders – z.B. bei den kanonisch geführten Blechbläserfanfaren im zweiten Satz – wird dadurch eindeutig zu viel unterschlagen. Bei den Tempi neigt Meister zu fast grenzwertigen Extremen: Er beginnt äußerst verhalten, die Temposteigerungen im ersten Satz geraten dann aufwühlend bis zur Besinnungslosigkeit, zwar etwas auf Kosten der Präzision, aber dennoch organisch. Als Tribut wird dafür die Fermate bei Ziffer [22] – Spielanweisung: sehr kurz – so deutlich länger. Meister verwendet noch nicht die neue Beaumont-Partitur (die Aufnahme entstand bereits 2010); wer die von Zemlinsky vor der Uraufführung gestrichenen über vier Minuten im zweiten Satz unbedingt hören möchte, sollte zu John Storgårds Einspielung greifen, dessen Interpretation auch insgesamt ausgeglichener und durchsichtiger ist. Zudem kommt die an sich gute Live-Aufnahmetechnik weder an Chailly noch Storgårds heran. Vor- und Zwischenspiel aus der Oper Es war einmal (immerhin aus dem direkten, zeitlichen Umfeld) erweisen sich aus dem Kontext gerissen als reine Füllstücke. Dafür entschädigt ein mehr als ausführlicher Booklettext.

Vergleichsaufnahmen:: Radio-Symphonieorchester Berlin, Riccardo Chailly (1986, Decca 444 969-2), Helsinki Philharmonic Orchestra, John Storgårds (2014, Ondine ODE-1237-5).

Martin Blaumeiser [25.09.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Zemlinsky Die Seejungfrau (Orchesterfantasie nach Hans Christian Andersen) 00:45:16
4 Es war einmal... (Märchenoper in einem Prolog und drei Akten;Vorspiel zum Prolog, Zwischenspiel zum 1. Akt) 00:10:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
ORF Radio-Symphonieorchester Wien Orchester
Cornelius Meister Dirigent
 
777 962-2;0761203796229

Bestellen bei jpc

label_928.jpg
→ Katalog und Neuheiten

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc