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CD-Besprechung

Schoenberg

String Quartets 2 & 4

Schoenberg

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 28.09.17

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 2267

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2016

Als das LaSalle Quartet 1971 seine legendäre 5-LP-Box mit dem Quartettschaffen von Schönberg, Berg und Webern vorlegte, die sogleich mit Preisen überhäuft wurde, galt diese Auseinandersetzung mit einem Gattungskomplex der Neuen Wiener Schule in ihrer Autorität als geradezu unantastbar. Auch wenn man sich nur auf Schönberg beschränkt, haben spätere Einspielungen seiner Streichquartette (Leipziger Streichquartett, Arditti String Quartet) die LaSalles – bisher – nicht vom Sockel stoßen können. Bei den Ardittis wird zwar streckenweise bereits eine höhere spieltechnische Perfektion erreicht, aber vieles wirkt unterkühlt und auf den Schock des Augenblicks ausgerichtet; große formale Bögen gehen so verloren.

So legte ich mit einer gehörigen Portion Skepsis die neue CD mit dem Gringolts Quartet in den Player – und war nur noch fasziniert! Zunächst fällt eine Qualität der Intonation auf, die einfach ihresgleichen sucht. Das kommt nicht nur den ersten drei, noch tonalen Sätzen des 2. Streichquartetts zugute, sondern mehr noch dem vierten, atonalen Satz und dem dann komplett dodekaphonischen vierten Quartett. In der Hyper-Tristanharmonik der Anfangssätze von Opus 10 erscheint plötzlich manches glasklar, was bisher eher verschroben wirkte. Auch das düstere Es-Moll des dritten Satzes kann so seinen unmissverständlichen Charakter voll entfalten. Und die Sphärenklänge („Ich fühle luft von anderem planeten“) des musikhistorisch bedeutsamen Finales – es galt ja in der europäischen Musik lange als Beginn freier Atonalität überhaupt – gelingen mit unglaublicher Natürlichkeit. Die hinzutretende, schwedische Sopranistin Malin Hartelius artikuliert die beiden Gedichte Stefan Georges überzeugend – kein Vergleich zum unerträglichen Kauderwelsch Dawn Upshaws. Bei den dramatischen Höhepunkten gerät Hartelius stimmlich dann leider zu sehr ins Opernhafte.

Keine Spur auch von der latent vorhandenen, leichten „Weinerlichkeit“ im Klang der LaSalles bei Zwölftonmusik generell. Schönberg hat bei der Komposition seines op. 37 sehr bewusst einen weniger kompromisslosen Klang gewählt als im spröderen dritten Quartett (op. 30); so gibt es häufig Terzen und Sexten, vielleicht sogar unterschwellig beinahe tonale Bezüge. Das Gringolts Quartet spielt hier durchgehend mit einem wirklich schönen, runden Klang, den man so kaum erwartet. Man höre nur die Flageolettstellen im ersten [T. 107 ff.] und zweiten Satz (Track 6 ab [0‘52“]). Die Aufnahmetechnik unterstützt dies mit perfekter Räumlichkeit und dem genau richtigen Maß an Hall. Die genauestens notierte Dynamik dieser Musik wird ebenfalls nicht nur präzise umgesetzt, sondern verstanden. Das Geflecht der vier Stimmen bekommt so eine Plastizität, die immer greifbar bleibt, ohne dass Schönbergs pedantische Unterscheidung von Haupt- und Nebenstimmen irgendwie lehrmeisterhaft betont werden müsste. Seine Qualitäten als eminenter Rhythmiker werden spielerisch leicht zelebriert. Geradezu niederschmetternd dann der Unisono-Beginn und die emotionale Intensität des zentralen, langsamen Satzes. Das kontrastreiche, abschließende Rondo hält staunenswert diese Konzentration. Die Selbstverständlichkeit, mit der auch die großen Zusammenhänge musikalisch zwangsläufig tragen, gerät sensationell: Der Hörer erinnert Themen und Motive, da sie in dieser Interpretation nicht nur als Material, sondern als wahrhaftige Charaktere herüberkommen. Der gesamte Vortrag wird so zum Genuss, der jegliche Kopfakrobatik vergessen macht. Ein derart hörenswertes Plädoyer für die Musik Schönbergs gab es seit vielen Jahren nicht mehr und macht für mich diese CD zur neuen Referenzaufnahme. Ich hoffe, dass die restlichen Streichquartette von diesem herausragenden Ensemble auch noch eingespielt werden.

Vergleichsaufnahmen: LaSalle Quartet, Margaret Price (1969, DG 419 994-2) - Arditti String Quartet, Dawn Upshaw (1993, Naïve MO 782135).

Martin Blaumeiser [28.09.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Schönberg Quartett Nr. 2 fis-Moll op. 10 für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Sopran 00:30:46
5 Streichquartett Nr. 4 op. 37 00:33:26

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gringolts Quartett Streichquartett
 
2267;7318599922676

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