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CD-Besprechung

Alfredo Casella

Sinfonie Nr. 2 • La Donna Serpente

Alfredo Casella

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 20.06.17

Klassik Heute
Empfehlung

Ars Produktion 38 232

1 CD/SACD stereo/surround • 63min • 2016

Was Fabrizio Ventura bei der Einspielung dieses Werkes anders gemacht hat als seine Mitbewerber Gianandrea Noseda und Francesco La Vecchia, ist schwer in Worte zu fassen. Jedenfalls ist es ihm am Pult des Sinfonieorchesters Münster gelungen, die stürmisch-drängenden Energieladungen, mit denen der damals 25-jährige Alfredo Casella seine zweite Symphonie versehen hat, mit einem so sicheren Gespür für die richtigen Proportionen freizusetzen, dass die Musik weder durch unkontrollierte Ausbrüche zerfetzt noch durch einen Mangel an Mut in ihren vulkanischen Ambitionen gebremst wird. Das Resultat ist eine Darstellung, die mich vom ersten Glockenschlag der Einleitung bis zur gewaltigen Apotheose nicht allein interessiert, sondern geradezu fasziniert und sich demzufolge dauerhaft ins Gedächtnis eingegraben hat.

Dabei sei nicht geleugnet, dass man versucht ist, das 1908 vollendete und im April 1910 in Paris uraufgeführte Werk zeitweilig im Stehen zu hören, um – wie einst der widerborstige Brahms – die zahlreichen Bekannten zu grüßen, die sich in diesem Defilee die Ehre geben. Doch weder die Mitbringsel von der Rußland-Reise, sprich Borodin und Rimskij-Korssakoff, die das Scherzo beleben, noch die ausgeprägten Mahleriana der symphonischen Rahmenhandlung wird man als eklektizistischen Ausdruck einer eigenen Ideenlosigkeit deuten können. Es sind vielmehr die Reflexionen eines jungen Mannes, der mit kräftiger Muskulatur einen mächtigen Hohlspiegel in die Höhe wuchtet, um darin die jüngste Vergangenheit und die Gegenwart zu betrachten, in der Gustav Mahler natürlicherweise einen erheblichen Einfluß ausübt. Dieser Einfluß macht sich sowohl in allgemeinen atmosphärischen, instrumentatorischen und formalen Anspielungen als auch in ganz konkreten Zitaten bemerkbar: Die Vorlage zum Hauptthema seines Kopfsatzes etwa hat Casella im Finale der Auferstehungssymphonie (25 nach Ziffer 14) entdeckt, dann aber so geschickt fortgesponnen, dass man die Absicht einer Hommage spürt, ohne darüber verstimmt zu sein – und das umso weniger, wenn man weiß, dass sich Mahler diese Dies Irae-Variante zuvor aus einer Messe von Franz Liszt ausgeliehen hatte.

Mit einer temperamentvollen Zugabe – der dreisätzigen ersten Orchestersuite aus der Oper La donna serpente – endet die auch akustisch überzeugende Produktion, mit der ich inzwischen schon einige vergnügliche Stunden verbracht habe.

Rasmus van Rijn [20.06.2017]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Casella Sinfonie Nr. 2 c-Moll op. 12 00:52:22
6 Suite Nr. 1 op. 50 (La donna serpente, Sinfonische Fragmente) 00:10:17

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sinfonieorchester Münster Orchester
Fabrizio Ventura Dirigent
 
38 232;4260052382325

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