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CD-Besprechung

Niels W. Gade

Chamber Works Vol. 3

cpo 555 077-2

1 CD • 56min • 2015, 2013

31.03.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Niels Gades Streicheroktett in F-Dur op. 17, im Jahr nach dem Tode seines großen Vorbilds und Förderers Mendelssohn entstanden und wie dessen überragendes Oktett für doppeltes Streichquartett besetzt, zählt zu den glücklichsten Werken des dänischen Meisters, der als Pionier des ‚nordischen Tons’ gerühmt wurde. Es ist hier mit zwei unvollendeten Frühwerken für Streichquartett gekoppelt: dem Quartettsatz in a-moll von 1836 und den vollendeten ersten zwei Sätzen aus seinem dreisätzig geplanten Quartett in F-Dur von 1840. Der kompetente Booklettext von Finn Egeland Hansen gibt Auskunft über die hierzulande unbekannte Entstehungsgeschichte und Anlage der durchweg wertvollen Werke, die vom im dänischen Herning ansässigen Quartett des Ensemble MidtVest, das im Oktett mit dem bekannten Danish String Quartett fusioniert, gespielt werden.

Das Oktett besticht vor allem mit zwei herrlichen Mittelsätzen: einem zart geflochtenen, melancholischen, innigen Andantino quasi allegretto und einem flüchtig dahinhuschenden Scherzo, dessen knappe Form ohne Trio auf das dergleichen gestaltete, berühmte Scherzo aus Mendelssohns Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum zurückverweist. So kontrastlos angelegt, dient es als wirkungsvolles Intermezzo zwischen langsamem Satz und Finale, und leider wird es hier viel zu rasch genommen, jedenfalls kann von einem Allegro moderato e tranquillo hier nicht die Rede sein, und auch das Andante erklingt eine Spur zu geschwind. Wunderbar gebaut und ausgestaltet ist der in Sonatenform angelegte Kopfsatz, in welchem Gade sein ganzes überlegenes Können ausspielt, mit einer klassizistischen Eleganz und einem lebensbejahenden Schwung, der eigentlich reine Freude vermitteln dürfte, wäre hier nicht die Dynamik so eingeebnet: die Kontraste zwischen piano/pianissimo und forte/fortissimo sind viel zu wenig zur Geltung gebracht, immer wieder sind die Musiker schnell lautstärkemäßig am Anschlag, und allzu unbedacht wölbt sich das Leise in die Mezzo-Bereiche empor. Im Finale, das ohnehin gegen Ende etwas lang geraten ist, machen sich diese Mankos noch mehr bemerkbar. Auch ist die farbliche Imaginationskraft der Musiker eher gering, und die langatmigen Expositions-Wiederholungen in den Ecksätzen, von deren Ausführung unbedingt abzuraten ist, unterstreichen den Eindruck von Monochromie und Gleichförmigkeit. Dieser Musik, deren gestalterische Kontinuität staunenswert ist, wohnt zugleich viel mehr Abwechslung und Kraft der Gegensätze inne, als hier zum Ausdruck kommen kann. Das unvollendete F-Dur-Quartett ist sozusagen ‚nordischer’, also dem Gade der legendären Nachklänge von Ossian näher als der reife Klassizismus der späteren Musik, den später ein Langgaard bedingungslos so verehren sollte. Auf ein groß ausgeführtes Allegro di molto folgt ein inniges Adagio con espressione. Zwar ist die Farbpalette des Quartetts nicht reichhaltiger und die charakteristische Darstellung nicht eindringlicher als im Oktett, doch die Reduktion der Besetzung lässt doch etwas mehr vom energetischen Zusammenhang erahnen. Als Zugabe gibt es den frühen Allegro-Quartettsatz des 19jährigen, der seine große Begabung eindrücklich bezeugt – eine Musik, die in ihrer sanftmütigen Leidenschaft mehr gespielt zu werden verdient, auch wenn sie die Höhe der Inspiration der ganz großen Meister der Epoche nicht erreicht. Schön, nobel und kunstreich ist das Schaffen Gades stets, und sie verdient noch intelligenter und feinsinniger vertiefende, auch die großen Zusammenhänge erfassende Aufführungen. Am Klangbild der Aufnahme ist indes nichts auszusetzen.

Christoph Schlüren [31.03.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Niels Wilhelm Gade
1Streichoktett F-Dur op. 17 00:32:18
5Streichquartett F-Dur (unvollendet) 00:18:13
7Streichquartettsatz a-Moll 00:05:07

Interpreten der Einspielung

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