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CD-Besprechung

Alphonse Diepenbrock

Symphonic Poems

cpo 777 927-2

1 CD • 68min • 2014

15.08.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der Niederländer Alphons Diepenbrock (1862-1921) ist in erster Linie bekannt für sein reiches Vokalwerk. Sein instrumentales Schaffen fällt dagegen sehr schmal aus und besteht im Wesentlichen aus Schauspielmusiken, die die Liebe des promovierten Altphilologen zu den klassischen Tragödien widerspiegeln. Von großem Einfluss auf seine kompositorische Tätigkeit war Nitzsches „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“. Interessanterweise fanden viele Zeitgenossen Diepenbrocks Bühnenmusiken gehaltvoller als die ihnen zugrunde liegenden Dramen; Diepenbrocks Musik würde aber auch von den Texten ablenken.

Die drei hier vorgestellten Werke entstammen den letzten elf Lebensjahren des Niederländers: das mythische, auf Xenophons „Anabasis“ zurückgehende Marsyas oder Die verzauberte Quelle (1910), die Ouvertüre zu Aristophanes‘ Die Vögel (1917) und Elektra (1920), Diepenbrocks auf der gleichnamigen Tragödie von Sophokles basierende letzte vollendete Komposition. Wie die Lebensdaten des musikalischen Autodidakten (!), aber auch seine Freundschaft mit Gustav Mahler und Willem Mengelberg, dem Dirigenten des jungen Concertgebouw Orkest vermuten lassen könnten, sind die drei Schauspielmusiken tatsächlich von spätromantisch farbenreicher und schillernder Natur. Der Tonsprache Wagners und Strauss‘ nahestehend, lassen sie auch einen impressionistischen Einschlag erkennen, besonders die be- und verzaubernde Musik zu Marsyas. Schon im Prelude, stärker noch in der Zwischenaktmusik „Vagabondages à travers les forets“, macht sich eine vorzügliche Orchesterbehandlung bemerkbar, die mit reizvollen Instrumentierungen die Basis für eindringliche Stimmungsmalereien bildet, wie sie auch Die Vögel bestimmen. Diese mit ihren Naturlauten und Vogelrufen an Mahler und in ihrer Vielfarbigkeit an Debussy gemahnende Ouvertüre ist von einer idyllischen Unbeschwertheit, wie sie einnehmender nicht sein könnte.

Dass sich Alphons Diepenbrock ebenfalls auf große Gesten und eine effektvolle Chromatik inmitten eines beachtlichen melodischen Einfalls- und Variantenreichtums versteht, davon zeugt die symphonische Suite Elektra. Ungemein machtvoll ist diese Musik – beim ersten Hören. Besonders die dunklen Orchesterfarben stellt sie heraus. Dramatik und nach innen Lauschendes sind die Pole, zwischen denen fortwährend Spannungskurven und Steigerungswellen ansetzen, aber immer wieder unvermittelt abbrechen. Kaum, dass dramatische Konflikte ausgetragen und wirkliche Höhepunkte angesteuert werden (mit Ausnahme des Finales), bleibt diese Musik insgesamt merkwürdig statisch, kreisen die einzelnen Stimmungsbilder ohne nennenswerte klangliche oder motivisch-thematische Entwicklungen unablässig in sich selbst. Den Bamberger Symphonikern und ihrer schon legendären Orchesterkultur ist es zu verdanken, dass trotzdem keine Eintönigkeit eintritt. Bei aller Klangfülle gewinnt der niederländische Dirigent Antony Hermus nicht nur der Elektra-, sondern jeder der drei Partituren eine Durchsichtigkeit ab, welche die Spannung – selbst in dynamischen Grenzbereichen – über die gesamte Spielzeit der CD glücklicherweise hoch hält.

Christof Jetzschke [15.08.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alphonse Diepenbrock
1Elektra (Sinfonische Suite) 00:21:53
5De Vogels (Ouvertüre) 00:09:59
6Marsyas (La source enchantée, Konzertsuite) 00:35:44

Interpreten der Einspielung

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