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CD-Besprechung

Meyerbeer

Dinorah

Meyerbeer

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 25.04.16

cpo 555 014-2

2 CD • 2h 14min • 2014

Den so genannten „Schattentanz“ aus Dinorah hat jede große Koloratur-Primadonna in ihrem Repertoire und insbesondere die Interpretation durch Maria Callas jeder Opernfreund im Ohr. Dass das dazu gehörende Stück, Giacomo Meyerbeers später Versuch in der Gattung der Opéra comique (1859), ganz in Vergessenheit geraten ist, hat indes seine guten Gründe.

Haarsträubende Dinge nämlich tun sich in dem Libretto der renommierten Autoren Jules Barbier und Michel Carré, die gleichwohl keine stringente Dramaturgie zu entwickeln verstehen. Die lange Vorgeschichte der Handlung muß umständlich in die Dialoge eingearbeitet werden. Die Titelheldin ist eine „pazza per amore“ (aus Liebe wahnsinnig Gewordene) und steht damit in der Tradition der comédie larmoyante, die ein Jahrhundert zuvor in Mode war und in der Oper Nina von Giovanni Paisiello ihre prominenteste Ausformung fand.

Ein Jahr vor den Ereignissen hat die Bauerstochter Dinorah, auf dem Weg zum Traualtar, durch eine Naturkatastrophe mit einem Schlag alles verloren: das Elternhaus, den Bräutigam und unmittelbar darauf den Verstand. Seither zieht sie mit ihrer geliebten Ziege Bellah durch die Landschaft, der sie Schlaflieder singt und die sie auch sonst wie ein Kind hegt. Der abhanden gekommene Bräutigam Hoël, von einem Magier verblendet, ist derweil auf der Suche nach einem Schatz, dessen Besitz ihn in die Lage versetzen würde, mit Dinorah eine Existenz aufzubauen. Dabei trifft er sie als Verwirrte wieder. Und abermals muß ein Unwetter herhalten, um den dramaturgischen Knoten wieder zu lösen. Ein Blitz schlägt in einen Baumstamm ein, auf den sich Dinorah auf der Spur ihrer Ziege begeben hat, sie stürzt in die Tiefe, wird dabei glücklicherweise von einem anderen Baum aufgefangen, findet durch den Schock ihren Verstand wieder – und die Hochzeit kann nachgeholt werden.

Diese Geschichte ist einem heutigen Publikum kaum glaubwürdig zu vermitteln und der Rückzug auf eine konzertante Aufführung deshalb legitim. Allerdings macht die durchaus ambitionierte Berliner Produktion, Teil einer über mehrere Spielzeiten angelegten Meyerbeer-Retrospektive, zugleich deutlich, dass es sich bei Dinorah auch in musikalischer Hinsicht nicht um ein Meisterwerk handelt. Die Partitur zeugt mehr von handwerklichem Können als von wirklicher Inspiration. Neben der Schatten-Arie prägt sich nur eine einzige musikalische Idee dem Gedächtnis ein – sie wird schon in der Ouvertüre eingeführt und zieht sich als Leitmotiv durch das ganze Stück, kulminierend in der Romanze des Hoël im letzten Akt. In verwandter Form begegnen wir ihr dann in Vasco de Gama wieder.

Der Deutschen Oper Berlin stand in Enrique Mazzola ein Dirigent zur Verfügung, der hier zuvor schon die Holländer-Version von Pierre-Louis Dietsch, Le vaisseau fantôme, gleichsam von den Toten zu erwecken verstand. Er führt auch in diesem Falle die Musiker und Sänger mit großer Eloquenz durch die Untiefen des Stücks, findet den leichten Buffoton in einigen witzigen Couplets und Ensembles, lässt das Orchester andererseits dort wirkungsvoll auftrumpfen, wo sich Meyerbeer dem Stil der Grand Opéra annähert. Die Sänger leisten ordentliche Arbeit. Patrizia Ciofi, obwohl nicht mehr in ihrer stimmlichen Mädchenblüte, ist im lyrischen Koloraturfach nach wie vor erste Wahl, der kanadische Bariton Étienne Dupuis als einfältiger Bräutigam und der französische Tenorbuffo Philippe Talbot als hasenfüßiger Dudelsackpfeifer Corentin geben ihren Parts so gut es geht auch dramatische Kontur. Unter den sieben existierenden Fassungen der Oper wurde das französische Original gewählt, obwohl die für London eingerichtete italienische Version seinerzeit erfolgreicher war.

Ekkehard Pluta [25.04.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Meyerbeer Dinorah ou Le Pardon de Ploërmel

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Patrizia Ciofi Dinorah - Sopran
Etienne Dupuis Hoël - Bariton
Philippe Talbot Corentin - Tenor
Seth Carico Jäger - Bariton
Elbenita Kajtazi Erste Schäferin - Sopran
Gideon Poppe Mäher - Tenor
Christina Sidak Zweite Schäferin - Mezzosopran
Chor der Deutschen Oper Berlin Chor
Orchester der Deutschen Oper Berlin Orchester
Enrique Mazzola Dirigent
 
555 014-2;0761203501427

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