Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Wolfgang Amadeus Mozart

Complete String Quintets

Wolfgang Amadeus Mozart

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 03.05.16

Klassik Heute
Empfehlung

label_1191.jpg
→ Katalog und Neuheiten

Tacet 217

3 CD • 3h 25min • 2014, 2015

Zwei Aspekte von unterschiedlicher Größenordnung sind mir bei der Beschäftigung mit dieser vorzüglichen Produktion wieder einmal recht gründlich aufgegangen. Zunächst, dass der moderne Textautor, wofern er es mit Werken des Standardrepertoires zu tun hat, nicht darauf verzichten sollte, sich die zur Diskussion stehende(n) Aufnahme(n) vor der Anfertigung seines Essays zu Gemüte führen, anstatt, wie man’s früher oft genug notgedrungenerweise hat tun müssen, nur aus mehr oder minder klugen Elaboraten zusammenzuraffen, was die vorgegebene Zeilen- und Seitenzahl mit einigermaßen lesbaren Darlegungen zu füllen vermöchte.

Es wäre dies umso wichtiger in Fällen wie dem vorliegenden, der mir – und damit komme ich zu dem zweiten, erheblich wichtigeren Punkt – als Musterbeispiel für eine in allen Belangen gelungene Einspielung demonstrierte, was das eigentliche und höchste Ziel der Wiedergabe sein sollte: ganz unabhängig von den benutzten Mitteln nämlich, sie seien historisch, historisch informiert oder modern, aus den Zeichen, die irgendwann von einem schöpferischen Geist als Ausdruck seiner selbst nieder- und festgeschrieben wurden, vermöge einer untadeligen Technik und Akustik nicht bloß schöne, reine Klänge zu (re)produzieren, sondern vor allem das Wesen dessen, der’s gefertigt, aus dem Papier dergestalt herauszulösen, dass der Creator wieder in lebendigen Kontakt mit uns tritt – ob zwischen seinem „Hingang” nun ein paar Jahre oder Dezennien, ob ganze Jahrhunderte liegen.

Ein solches Kunststück hat das durch die Bratschistin Nobuko Imai verstärkte Auryn Quartett jetzt mit den Streichquintetten von Wolfgang Amadeus Mozart vollbracht. Und das nicht, obwohl – sondern gerade weil das Ensemble auf jene neumodischen Überladungen verzichtet hat, die die seelisch-emotionalen Amplituden des Verfassers auf das Niveau des heutigen Neurasthenikers heraufschrauben und so für die Gegenwart erlebbar machen wollen. Vergebens werden wir auch nach der gern anämisch anmutenden Darmsaitigkeit suchen, der durch extreme Tempi und Stricharten ein künstliches Rouge aufgelegt wird. Die Natürlichkeit der Bewegungen, des Atmens, der Phrasierungen; die Selbstverständlichkeit der Übergänge und die, bei aller mitunter nötigen Virtuosität, nie auf gleißende Oberflächen hinauswollende Spielweise – das scheinen mir einige der wesentlichsten Elemente für das nahezu vollkommene Gelingen dieses Vorhabens zu sein: Die gelegentliche Nähe zu Ludwig van Beethoven beziehungsweise Franz Schubert verführt weder zur dramatischen Übertreibung noch zur nostalgischen „Thränenfluth“, authentische Verzweiflung missrät nicht zum wirkungsvollen „Erstickungstod”; Kapriolen und Provokationen werden nie albern oder etwa so beleidigend, dass dabei kostbares Porzellan zu Bruch ginge.

Weil nichts im Wege steht, kann das das unfassbare Wesen zu uns sprechen. Das ist der Verrückte, der partout zur Krönung nach Frankfurt musste, sich auf das völlig aufreibende Abenteuer des Titus einließ; der hinter der Fassade oft genug nicht wusste, wie’s weitergehen sollte; der zerbrechliche Charakter und drastische Spaßvogel voller Zweifel und enttäuschter Hoffnungen, hochtrabender Pläne und harter Landungen – der aber nie um Mitleid bettelt.

Diese Gemeinsamkeiten, die spätestens seit dem c-moll-Quintett fühlbar sind, haben im aktuellen Falle den individuellen Erscheinungen nicht geschadet. Die fünf Musiker können es sich sogar leisten, sämtliche Wiederholungen (auch die der zweiten Kopfsatzteile) zu berücksichtigen und die Werke damit in ihren erheblichen Dimensionen zu realisieren, ohne dass sich die kleinste Gewöhnung oder Ermüdung breitmachen wollte – ausgenommen höchstens der erste Satz des KV 174, der ein wenig ins Kraut schießt, wie man’s bei Siebzehnjährigen mitunter schon beobachtet haben soll und wie’s in der Natur der Sache liegt. Dass daran nichts verändert wurde, erhöht noch einmal den Gesamteindruck und die Spannweite einer Produktion, an deren musikalisch-technischer Seite mir einfach alles gefällt.

Rasmus van Rijn [03.05.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Streichquintett c-Moll KV 406 00:28:38
5 Streichquintett Nr. 3 C-Dur KV 515 00:37:05
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Streichquintett g-Moll KV 516 00:39:47
5 Streichquintett B-Dur KV 174 00:35:15
CD 3
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Streichquintett Es-Dur KV 614 00:29:30
5 Streichquintett D-Dur KV 593 00:33:50

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Auryn Quartett Streichquartett
Nobuko Imai Viola
 
217;4009850021704

Bestellen bei jpc

label_1191.jpg
→ Katalog und Neuheiten

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Klangkultur

Diyang Mei

Gestern fand das letzte Finale beim diesjährigen Musikwettbewerb der ARD statt, bei dem drei Finalisten um die begehrten Preise spielten. Zur Auswahl standen die Viola-Konzerte von Walton, Bartók und Hindemith, Glanzstücke des Repertoires, von denen jedoch nur die beiden letzten aufgeführt wurden, und die Solisten vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der animierten Leitung von Joseph Bastian begleitet wurden.

→ weiter...

Proteste bei der Preisvergabe

Das Aoi Trio aus Japan

Um Vergleichbarkeit bemüht, hatte die Jury beim gestrigen Finale im Fach Klaviertrio wieder einen engen Parcours aufgestellt. Diesmal war neben der Kammersonate von Hans Werner Henze, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert – eine Revision erfolgte 1963 – eines der beiden großen Trios von Franz Schubert gefordert.

→ weiter...

Neue CD-Besprechungen

Piano Figaro
Årstiderne
Dmitri Shostakovich
Michael Haydn
Einojuhani Rautavaara

Interpreten heute

  • Helsinki Philharmonic Orchestra
  • Sigvards Kļava
  • Latvian Radio Choir
  • Marielle Nordmann
  • Leif Segerstam

Neue CD-Veröffentlichungen

France
Five Seasons
George Frideric Handel
Journey

CD der Woche

Louis Spohr

Louis Spohr

Im Jahre 1805 verliebte sich der Konzertmeister des Gothaischen Hoforchesters Louis Spohr in Dorette Scheidler, ihrerseits Tochter zweier Hofmusiker ...

Heute im Label-Fokus

Ambiente-Audio

Sigfrid Karg-Elert
Charles-Marie Widor
Johann Nepomuk David
Mischa Meyer, Violoncello

→ Infos und Highlights

Thema Liedgesang

Schubert – An den Mond
Liedertafel
Naxos 1 CD 8.554795
Hyperion 2 CD CDA67321/2
Lieder Vol. II
Hyperion 1 CD CDJ33037

 

Weitere 62 Themen

Klassik Heute Zahl des Tages

Bei Klassik Heute finden Sie

7590

Komponisten
• 346 Kurzbiographien
• 357 tabellarische Biographien

→ mehr Zahlen und Infos

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc
ARD-Wettbewerb 2018