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CD-Besprechung

Schubert • Schumann

Schubert • Schumann

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 13.04.16

Kaleidos KAL 6331-2

1 CD • 77min • 2014

Zwar liegt hier kein Debüt vor, denn schon 2005 hatte sich das Morgenstern Trio an der Folkwang Universität Essen als festes Ensemble konstituiert. Noch handelt es sich hier um dessen erste CD-Produktion; es gibt bereits Aufnahmen mit Werken von Smetana, Schostakowitsch und Ravel. Und doch ist dieses leicht verspätet zum zehnjährigen Geburtstag erschienene Album mit zwei großen romantischen Klaviertrios schon jetzt zu den ganz wichtigen Publikationen dieses Jahres zu zählen.

Der Grund hierfür ist nicht nur die Perfektion des Zusammenspiels. Selbstverständlich ist die Balance stets vollkommen ausgewogen, das Violoncello Emanuel Wehses kommt auch deshalb so gut durch, weil Stefan Hempfel mit seiner Violine nicht anführt und Catherine Klipfel den Flügel stets am richtigen Ort begleitend zurückhält, oft nur einen markanten Baß vorgibt, bei solistischen Passagen auch nicht gleich förmlich konzertiert, sondern gleichberechtigt hervortritt. So sind die Unisoni stets fein ausmodelliert und die Phrasenschlüsse genauestens aufeinander abgestimmt.

Schließlich kommt eine präzise Artikulation hinzu, welche etwa in dem dunklen Rauschen des Kopfsatzes von Robert Schumanns erstem Klaviertrio d-Moll op. 63 für seltene Distinktion sorgt. Sämtliche, beim Kontrapunktiker Robert Schumann ja allgegenwärtige Imitationen werden vom jeweils imitierenden Spieler bewußt, aber subtil aufgegriffen, so dass sich stets ein sehr dichtes Netz an motivischen Entwicklungen ergibt.

Was diese Produktion jedoch über dieses ebenso transparente wie mitteilungsstarke Spiel ungemein auszeichnet, ist, dass die drei Musiker wirklich den Mut haben, die unerhörten Traumgesichte Schumanns voll auszuformulieren: Besonders die Durchführung des Kopfsatzes und der langsame Satz lassen ganz klar zu Tage treten, dass der Komponist sich schon auf dem Weg zu seiner radikal innigen, manchmal zugegeben rätselhaften Spätzeit befindet. So gerät diejenige Passage in der Durchführung, die sul ponticello, also am Steg auszuführen ist, geradezu magisch; es entspinnt sich eine avantgardistische Traumszene ohnegleichen. Der langsame Satz „Langsam, mit inniger Empfindung“ wird in einem versunkenen Tempo ausformuliert, jeder Ton, jeder Klang hört dem anderen hochkonzentriert nach: Dieses Musizieren würde einem der späten Adagios Beethovens gerecht – und auf diesem Niveau bewegt sich diese Musik ja auch. Und im Finale teilt sich ein mitreißender Enthusiasmus mit, ohne dass er zur Raserei übertrieben würde.

All diese Vorzüge gelten auch für die Realisierung von Franz Schuberts spätem zweitem Klaviertrio Es-Dur D 929, an welcher besonders etwa der makabre Ernst des Marsches hervorgehoben werden soll, der den langsam Satz eröffnet. Ansonsten hat dieses Stück freilich eine andere Haltung, und das Morgenstern Trio etabliert auch einen anderen Ton mit wienerischem Melos in den Streichern und nicht zuletzt im hohen, leuchtenden Klavierdiskant. Ein einziger Abstrich wäre vielleicht an der Klangtechnik zu machen, welche durch eine gewisse Baßlastigkeit leicht unklar und bauchig geraten ist. Rein interpretatorisch aber kann man nur hoffen, dass das Morgenstern Trio bald die beiden verbleibenden Klaviertrios Schumanns aufnimmt; besonders das Dritte ist immer noch sträflich vernachlässigt. Das dürfte reichen, um diese Produktion zu empfehlen!

Dr. Michael B. Weiß [13.04.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur op. 100 D 929 00:44:18
5 R. Schumann Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63 00:33:01

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Morgenstern Trio Klaviertrio
 
KAL 6331-2;4260164633124

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