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CD-Besprechung

G. Enescu

cpo 1 CD 777 966-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 10.09.15

cpo 777 966-2

1 CD • 63min • 2014

„Enescus Werke scheinen nicht architektonisch konstruiert zu sein, sie sind immer im Fluss, rauschen, strömen und murmeln vor sich hin wie der Sereth, an dessen Ufern der Komponist aufgewachsen ist“. Das hat der Autor des Begleittextes sehr schön formuliert, und er wird auch nicht müde zu versichern, dass die 1934 entstandene, unvollendet gebliebene Sinfonie Nr. 4 e-Moll an dem Rang ihres Verfassers keinen Zweifel ließe. Ich kann diese Ansicht nicht teilen, obzwar ich nicht bestreiten will, dass der Bearbeiter der Partitur, Pascal Bentoiu, sich redlich bemüht hat, die mehr als halbstündige Boa constrictor, von der Enescu selbst nur den Kopfsatz vollständig instrumentierte, in ein annehmbares Klangbild zu kleiden. Nach wiederholtesten Versuchen, mich in dem Wirrwarr der Ecksätze zurechtzufinden, komme ich wieder einmal zu dem Schluss, dass es Schöpfungen gibt, die nicht ohne Grund beiseitegelegt wurden und dort auch verbleiben sollten: Immerhin hätte der Wahlfranzose aus Rumänien, dem wir fürwahr einige Großartigkeiten wie den phänomenalen Oedipe verdanken, noch genug Lebenszeit vor sich gehabt, um das Stück selbst abzuschließen – und hat es nicht getan.

Beeindruckt hat mich einzig die extreme Sparsamkeit des Mittelsatzes, der mich an die faszinierenden, allerdings weit weniger „französisch” getönten Landschaften des Isländer Jón Leifs erinnert, und restlos angetan bin ich von den Nuages d’Automne sur les Forêts (1935), die Enescu als Teil einer Trilogie mit Namen „Stimmen der Natur” geplant hatte. Auch das ein Fragment, das mitten in der schönsten Entwicklung abbricht; doch da die keineswegs düsteren Herbstwolken, bevor sie über die kontinentalen Wälder ziehen, offenbar bei Arnold Baxens Tintagel vorbei gekommen sind, lässt sich der jähe Abbruch der Musik durchaus verschmerzen: Wer da das Fehlende beklagt, dem ist das Glas auch immer halbleer ...

Über alle Zweifel erhaben ist das letzte Stück des Programms, die Kammersymphonie op. 33 aus dem Jahre 1954. Elegant, transparent, mitunter eine kleine Hommage an die spielerische Attitüde der auch längst gewesenen „Six”, dabei spröde genug, um nicht in Nostalgie zu versinken, und hier obendrein mit dem gehörigen Sinn für Klarheit musiziert – ein äußerst angenehmer, kompakter Abschluss nach der strapaziösen Reise durchs Mäandertal der hypothetischen vierten Sinfonie.

Rasmus van Rijn [10.09.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Enescu Sinfonie Nr. 4 e-Moll 00:35:36
4 Nuages d'Automne sur les Forêts 00:09:45

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
NDR Philharmonie Hannover Orchester
Peter Ruzicka Dirigent
 
777 966-2;0761203796625

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